Bei Herne ist Zhou Bin, der am Mittwoch in Düsseldorf im DTTB-Pokal Patrick Baum bezwang und gegen Timo Boll gut mithielt, inzwischen in der Liga angekommen. Zusammen mit dem routinierten Petr Korbel und den hungrigen, aber bisher im Oberhaus noch nicht erfolgreichen Erik Bottroff und Teodor Yordanov hat der Aufsteiger eine gefährliche, nur schwer auszurechnende Truppe. Man wollte gegen die Hanauer, die bei 2:8 Punkten vor der Begegnung selbst den Abstiegskampf vor Augen hatten, vor heimischer Kulisse den ersten Saisonsieg in der Bundesliga einfahren.
Und es gelang: Mit 3:1 hatten die Ruhrstädter am gestrigen Freitagabend zuhause nach zwei Stunden und 40 Minuten die Nase vorne, nicht zuletzt dank eines immer stärker werdenden Zhou Bin, der Yang Zi im asiatischen Linkshänderduell besiegte und gegen Steffen Mengel nur im zweiten Satz wankte. Petr Korbel hatte zwischenzeitlich gegen Mengel den wichtigen Punkt zur beruhigenden 2:0-Halbzeitsführung der Westfalen beigesteuert. Für die Hessen, die nun richtig dick im Abstiegskampf stecken und mit 2:10 Punkten auf Rang neun der Tabelle zurückfielen, konnte lediglich Thomas Keinath gegen Hernes 2,04-Meter-Hünen Erik Bottroff ein Match gewinnen.
Nach drei engen, umkämpften Sätzen durfte zunächst Zhou Bin jubeln, der Hanaus Yang Zi mit 11:9, 11:9, 16:14 niederhalten konnte. Steffen Mengel konnte anschließend seine durchaus vorhandenen Chancen im Match gegen Routinier Petr Korbel nicht nutzen und musste dem 39-jährigen Tschechen nach einem 9:11, 9:11, 7:11 zum Sieg gratulieren. Es sah nicht gut aus für die Brüder-Grimm-Städter zur Pause, zumal klar war, dass es für jeden TGH-Akteur an diesem Abend ungemein schwer werden würde, Zhou Bin zu besiegen, eine undankbare Aufgabe, die Steffen Mengel noch bevorstand.
Wenigstens gelang den Hessen nach der Pause vor 200 Besuchern der fest eingeplante Sieg Thomas Keinaths gegen einen beherzt kämpfenden Erik Bottroff (10:12, 11:5, 11:9, 12:10). Zhou Bin konnte jedoch nun den ersten DTTL-Sieg des Aufsteigers "eintüten" und ließ sich gegen den baumlangen Siegerländer im Hanauer Dress, Steffen Mengel, nicht lange bitten. Nur in Durchgang zwei war Mengel ebenbürtig, insgesamt aber war an dem Erfolg des in Ochsenhausen lebenden und trainierenden Asiaten nicht zu rütteln. 11:9, 7:11, 11:3, 11:8 hieß es am Ende für den 1,84 Meter großen Linkshänder - Ruhrstadt Herne weiß nun, wie sich Erstliga-Siege anfühlen.
Hanaus Teammanager Johannes Herrmann konnte seine Enttäuschung nur schwer verbergen: "Wenn man gegen den noch sieglosen Aufsteiger, gegen den man sich viel vorgenommen hat, verliert und sich den Spielverlauf ansieht mit den vielen sehr knappen Sätzen, die überwiegend gegen uns gelaufen sind, kann man schon sagen, dass uns an diesem Abend das nötige Quäntchen Glück nicht so zur Seite stand." Weichenstellend war - in Herrmanns Sicht - bereits das erste Match: "Yang Zi hätte durchaus gegen Zhou Bin gewinnen können, ja vielleicht sogar müssen. Man hatte eigentlich immer den Eindruck, er sei der bessere Mann, am Ende hatte aber Zhou gewonnen." Nicht zufrieden war Herrmann diesmal mit Steffen Mengel, dessen gelb-rote Karte im Match gegen Zhou Bin ihn mächtig störte: "Steffen ist heute - nach sehr guten Auftritten in den letzten Wochen - etwas geerdet worden. Er hat sich im letzten Satz des letzten Spiels unnötig eine gelb-rote Karte eingefangen, da er gegen den Tisch getreten hat. Solch ein Ausraster darf ihm nach einer gelben Karte einfach nicht passieren, da muss er nervlich noch abgeklärter werden, auch wenn Emotionen natürlich zum Spiel gehören." +++