Nach den Turbulenzen der letzten Wochen steht am heutigen Sonntag die greifbare Chance für die TG Hanau ins Haus, als aktuelles Schlusslicht einen kleinen, aber wichtigen Schritt nach vorne zu machen. Die TGH steht gegen die selbstbewusste Truppe aus dem bayerischen Gräfelfing unter Erfolgszwang und will – nach sechs DTTL-Niederlagen in Folge – im letzten Vorrundenspiel unbedingt einen Sieg einfahren. Dann hätten Mengel & Co. die reelle Chance, die rote Laterne doch noch an einen der beiden Aufsteiger abzugeben und psychologisch gestärkt die Rückrunde in Angriff zu nehmen.
Und wie es momentan aussieht, ist die TG Hanau mit viel Schwung dabei, die zwei Punkte zu realisieren und den ersten Sieg nach langer Zeit einzufahren. Nach knapp 100 Minuten Spielzeit vor etwa 320 Zuschauern steht es nach jeweils fünf Sätzen in jedem Spiel 2:0 für die Brüder-Grimm-Städter.
Im ersten Einzel standen sich Steffen MENGEL (Hanau) und Nico CHRIST (Gräfelfing) gegenüber. Über fünf Sätze dauerte die Begegnung, an deren Ende Mengel obsiegte (11:4 / 6:11 / 9:11 / 11:7 / 11:5). Dann der große Auftritt des kleinsten Hanauers: Thomas Keinath sah anfänglich gegen Kamal Sharath Achanta, der zuvor nur gegen Adrian Crisan eine Einzelniederlage einstecken musste, wie der sichere Verlierer aus. Nach einem 6:11 im ersten Satz und einem 1:7-Rückstand in Durchgang zwei schien der gebürtige Hanauer fast schon zu resignieren. Auch seine Körpersprache signalisierte nicht unbedingt Zuversicht. Doch auf einmal und wie aus dem Nichts holte der TGH-Neuzugang Punk um Punkt auf und drehte diesen Schlüsselsatz tatsächlich noch zu seinen Gunsten (13:11). Zwar verlor Keinath Satz drei wiederum mit 6:11, doch sein Selbstvertrauen war zurück, so dass er in den folgenden beiden Sätzen phasenweise brillierte und extreme Bälle verwertete. Mit 11:6 und 11:7 hatte "Keini" die Angelegenheit dann gegen Ende doch noch ganz gut im Griff.
2:0 zur Pause für das derzeitige Schlusslicht, durchaus ein wenig unglücklich für die Bayern nach zwei verlorenen Fünfsatz-Matches, - die Zeichen standen auf Hanaus zweiten Saisonsieg. Und so kam es auch. Yang Zi gab sich gegen Gräfelfings Gabriel Stephan keine Blöße mehr und vollendete das Werk durch ein nie wirklich gefährdetes 11:6, 11:8, 11:6. In Hanau konnte nach dem ersten Heimsieg der Saison tief durchgeatmet werden.
Thomas Keinath zeigte sich nach dem Sieg seiner Mannschaft und dem 3:2 gegen Achanta äußerst erleichtert: "Das war heute sehr, sehr wichtig für uns! Anfangs habe ich gar nicht in mein Spiel gefunden und war hektisch und nervös. Als ich den ersten Satz verloren hatte und im zweiten so klar zurücklag, habe ich plötzlich daran denken müssen, dass ich vor ein paar Monaten im Finale der US-Open sieben Sätze lang gut mit ihm mitgehalten hatte und dass das doch auch heute gehen müsste. Auf einmal wurde ich immer lockerer und sicherer und meine Bälle kamen wieder so, wie sie kommen sollten. Ich bin sehr froh, dass ich ihn heute schlagen konnte."
Kamal Sharath Achanta hatte eine plausible Erklärung für seine Niederlage gegen Keinath: "Wir haben schon sechsmal gegeneinander gespielt, dreimal hat er gewonnen, dreimal ich. Mein Fehler war es heute, dass ich nach der klaren Führung das Match zu schnell nach Hause bringen wollte und zu wenig Geduld hatte. Wenn man nämlich gegen Keinath die Ruhe behält, wird er meist irgendwann hektisch - diemal bin ich aber hektisch geworden und dann wurde er immer besser und sicherer." (ma/DTTL) +++