Drei Heimspiele deutscher Mannschaften standen am Freitagabend in der Champions League zum Abschluss der Gruppenphase auf dem Programm. Das "Endspiel" um Platz zwei in Gruppe A zwischen den punktgleichen Rivalen Grenzau und Hennebont endete mit einer drastischen 0:3-Niederlage der Westerwälder. Dagegen siegten die längst für das Viertelfinale qualifizierten Ochsenhausener gegen die Dänen aus Roskilde mit 3:1. Einen schönen Abschied aus dem diesjährigen Wettbewerb feierten die Maberzeller, die gegen Levallois die Fans begeisterten und mit 3:2 den zweiten Königsklassen-Sieg der Saison bejubeln durften.
Die Osthessen haben in der höllisch schwierigen Königsklassengruppe B nicht enttäuscht, jedoch auch den großen Durchbruch nicht geschafft. Vier Niederlagen und ein Sieg – auch wenn dieser ausgerechnet beim designierten Gruppenfavoriten UMMC Jekaterinburg gelang – reichten nicht, um im Wettbewerb zu verbleiben. Auch der dritte Platz, der zum Seiteneinstieg in den ETTU Cup berechtigt, war nicht mehr zu erreichen. Es galt also einfach, den Fans nochmals einen tollen europäischen Tischtennisabend auf höchstem Niveau zu präsentieren und sich mit einem Erfolgserlebnis zu verabschieden. Das Hinspiel am 1. Oktober war unglücklich mit 2:3 verloren gegangen. So gesehen hatten Waldner und Kollegen also noch etwas gutzumachen. Und sie konnten den Franzosen richtig weh tun, denn für die ging es um alles oder nichts. Bei einem Sieg hätten sie definitiv im Viertelfinale gestanden, bei einer Niederlage bestand dagegen die Gefahr, den zweiten Gruppenplatz noch an das Team aus Jekaterinburg zu verlieren.
Die Osthessen fanden besser ins Spiel als ihr französischer Gegner: Ein Wang Xi in phänomenaler Form nahm erfolgreich Revanche gegen Emmanuel Lebesson für die Hinspielniederlage (10:12, 11:4, 11:3, 11:9). Doch Jan-Ove Waldner konnte - nicht ganz unerwartet - gegen den Ex-Ochsenhausener Chuang Chih-Yuan nicht nachlegen und verlor in drei Sätzen (4:11, 9:11, 10:12). Dann erhielt Ersatzspieler Torsten Mähner aus der Maberzeller Regionalligatruppe seinen großen Einsatz: Das an Position drei aufgebotene 17-jährige Talent, das für den wegen Rückenproblemen geschonten Robert Svensson ins Team gerückt war, musste seine Kräfte mit keinem Geringeren als dem international erfahrenen Russen Igor Rubtsov messen. Mähner enttäuschte nicht gegen die aktuelle Nummer 75 der Welt, zog aber erwartungsgemäß mit 4:11, 9:11 und 5:11 den Kürzeren. Es folgte ein weiterer Galauftritt des Wang Xi, der gegen Weltklassespieler Chuang, derzeit Nummer zwölf des internationalen Rankings, noch nie verloren hatte und seine weiße Weste auch heute behielt. Aber es war ein Thriller mit stellenweise fantastischen Ballwechseln, in dem der TTC-Chinese erst im letzten Satz richtig die Oberhand gewann: 5:11, 11:8, 15:13, 8:11, 11:5.
Der Ausgleich war geschafft, nun musste aber Ikone Waldner mal wieder etwas reißen, sollte es zum Sieg langen. Und sein junger, hoch motivierter Gegner Lebesson ging favorisiert ins Match. Doch der große, alte Schwede brillierte und setzte sich mit 11:9, 14:12 und 11:4 unter den Augen seiner eigens aus der Heimat angereisten Mutter durch. "Waldi" hat es also noch drauf - zumindest an manchen Tagen versteht es das charismatische Tischtennisgenie noch immer, Ball, Zuschauer und den Gegner in seinen Bann zu ziehen. 3:2 für Maberzell - ein verdienter Sieg knappe zwei Tage vor dem DTTL-Topspiel gegen Saarbrücken an gleicher Stelle.
Levallois "mogelte" sich - trotz der Niederlage in der Rhön - gerade noch so ins Viertelfinale durch, hauchdünn vor den punktgleichen Russen aus Jekaterinburg (beide neun Punkte). Platz eins blieb Rekordtitelträger Charleroi mit zehn Zählern vorbehalten. Der TTC belegte zwar nur den vierten Platz, war am Ende mit acht Punkten dem Feld der Konkurrenten aber nochmals sehr nahe auf den Pelz gerückt. Und man genoss es, mit einem Erfolgserlebnis dem Wettbewerb den Rücken zu kehren. Die Leistung von Wang & Co. gegen die Franzosen war über jeden Zweifel erhaben und aller Ehren wert. Die 300 Zuschauer traten - nach 160 hochklassigen Minuten - zufrieden den Heimweg durch die winterliche Landschaft an.
Maberzells Präsident Stefan Frauenholz zeigte sich durchaus erfreut: „Man sieht, dass wir mithalten können. Bei einem Sieg in Frankreich wären wir sogar weitergekommen." Erstmannschaftsdebütant Torsten Mähner staunte nicht schlecht: „Das ging ganz schön schnell rum. Es hat Spaß gemacht, das Niveau ist schon enorm.“ +++