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21.01.11 - TISCHTENNIS

"Zuschauermagneten": Düsseldorf - TTC RS FD-Maberzell / Bremen – Hanau

Im westfälischen Münster ist Borussia Düsseldorf, die in der DTTL zurzeit mit sagenhaften 24:0 Punkten weit über allem thront, stets ein gern gesehener Gast, der Zuschauer anzieht und für Weltklasse-Tischtennis garantiert. Der „FC Bayern des Tischtennissports“ kommt auch seinerseits gerne in die Sporthalle auf dem Berg Fidel, wo man bisher zweimal in der Champions League antrat und noch ungeschlagen ist. Daran soll sich auch am Sonntag gegen die Maberzeller nichts ändern, die in Kauf nehmen müssen, dass die Borussia bei diesem „Auswärts-Heimspiel“ alles aufbietet, was Rang und Namen hat, also auch den Weltranglistenersten Timo Boll.

Die Verantwortlichen rechnen mit 2.000 Zuschauern, was neuer Saisonrekord in der DTTL wäre – den alten halten ebenfalls die Rheinländer mit 1.800 Menschen, die das Auftaktmatch gegen Saarbrücken am 28. August 2010 in der Düsseldorfer Tonhalle sehen wollten. Dass das Interesse an der Partie groß ist, sieht man auch daran, dass sich bereits 30 Journalisten akkreditiert haben.

Die Borussia kann locker aufspielen, auch wenn Patrick Baums Einsatz noch nicht ganz sicher ist – der Vizeeuropameister aus Rheinhessen war vom Königsklassen-Viertelfinalhinspiel in Jekaterinburg mit einer heftigen Bronchitis heimgekehrt und konnte erst jetzt wieder ins Training einsteigen. Die Osthessen brauchen dagegen unbedingt Punkte, um nicht im Play-Off-Duell mit Grenzau weiter an Boden zu verlieren, das derzeit vier Plus- und zwei Minuspunkte vor dem Waldner-Klub liegt. Natürlich ist eine Niederlage am Sonntag eingeplant, umso erfreulicher wäre aus Fuldaer Sicht ein Überraschungscoup beim Branchenriesen.

Allerdings sieht es nicht so aus, als würde Jan-Ove Waldner an der "Mission Münster" mitwirken können – der "Magier" laboriert noch an den Folgen seines Muskelfaserrisses, ein Einsatz käme vermutlich noch zu früh. Folglich wird der Außenseiter dem Vernehmen nach mit Abwehr-Ass Wang Xi, Waldners Landsmann Robert Svensson und – ein wenig überraschend – nicht mit Spielertrainer Qing Yu Meng, sondern dem 17-jährigen Talent Torsten Mähner auflaufen. Der Leistungsträger der 2. Mannschaft des TTC, ungeschlagener Tabellenführer der Regionalliga Südwest, ist derzeit dort mit einer 13:3-Bilanz im mittleren Paarkreuz notiert. Mähner freut sich riesig auf sein Debüt in Europas Topliga.

Beide Kontrahenten treffen am Sonntag bereits zum dritten Mal in dieser Saison aufeinander. In der Hinrunde gewann die Borussia das Auswärtsspiel mit 3:1 und das Pokalhalbfinale vor drei Wochen in der Stuttgarter Porsche-Arena in gleicher Höhe. Beide Male sorgte Defensivkünstler Wang Xi - hinter Boll und Baum der Spieler mit der besten DTTL-Bilanz - für den Punkt seiner Truppe.

Timo Boll freut sich auf die Begegnung in der „Fremde“: „Wir haben jetzt zwei Mal in Münster gespielt und beide Male gewonnen. Münster ist also ein gutes Pflaster für uns, da kommt man gerne wieder. Ich freue mich besonders, da ich beim letzten Spiel nicht dabei war. Das gesamte Team spielt bisher in großartiger Form. Solange sich das nicht ändert, sehe ich uns auch gegen Fulda und im weiteren Verlauf der Saison als Favorit in den Bundesliga-Partien an.“ Borussia-Manager Andreas Preuß hofft auf Patrick Baums Einsatz: "Wir müssen abwarten, wie er die körperliche Belastung nach der Bronchitis wegsteckt. Ich gehe aber davon aus, dass Patti am Sonntag spielen wird."

Stefan Frauenholz ist Realist genug, die Außenseiterrolle seines Teams anzunehmen: „Die letzten Tage standen natürlich im Zeichen der Vorbereitung auf den nächsten Gegner. Gegen die Borussia sind wir allerdings krasser Außenseiter. Die Form der Borussen im Champions League Viertelfinale war beeindruckend. So wird es sehr schwer für uns werden.“ Der TTC-Chef kann den Fans keine Hoffnung auf Tischtennis-Ikone Waldner machen: „Bei Jan-Ove hat die Gesundheit absoluten Vorrang. Das Risiko bei einem Einsatz wäre zu groß." Zum bevorstehenden Einsatz Torsten Mähners, der unlängst bei den Hessischen Meisterschaften Patrick Franziska nahezu ein Match auf Augenhöhe lieferte (2:4), merkt Frauenholz: „Die seit Monaten beeindruckende Form von Torsten ist Lohn für seine harte Arbeit, die er täglich investiert. Dies muss natürlich auch unterstützt werden.“ Der Gelobte selbst fiebert dem Sonntag entgegen: „Ich freue mich natürlich, einmal Erstligaluft schnuppern zu dürfen und dies gleich gegen die beste Mannschaft Deutschlands, vielleicht sogar Europas. Ein besonderes Highlight wäre natürlich gegen Timo spielen zu dürfen. Ich will einfach ein wenig Erfahrung sammeln, das Spiel genießen und hoffen, dass wir die Partie gegen den haushohen Favoriten etwas eng gestalten können.“

HINWEIS: Wer nicht in der Halle sein kann, braucht auf bewegte Bilder nicht zu verzichten: Borussia Düsseldorf bietet von der Begegnung einen Livestream im Internet-TV auf www.borussia-duesseldorf.de sowie den Seiten www.ARAG.de und www.butterfly-world.com an. Zudem ist die Partie live auf www.DTTL.tv zu sehen.

Sonntag, 15:00 Uhr: SV Werder Bremen – TG 1837 Hanau

Wenn Werder Bremen und die TG Hanau aufeinandertreffen, geht es normalerweise recht eng zu. So war es letzte Saison, als die Norddeutschen in der Brüder-Grimm-Stadt mit 3:2 gewannen, nachdem sie in eigener Halle mit 1:3 – nach erbittertem Kampf – verloren hatten. Und auch am 24. September 2010 setzten sich die Werderaner an der Kinzig nach drei Stunden knapp mit 3:2 durch, folglich wäre diesmal wohl wieder ein Hanauer Auswärtssieg an der Reihe, aber lediglich, wenn man an das Gesetz der Serie glaubt.

Prognosen fallen äußerst schwer. Auf dem Papier sind Crisan & Co. sicher favorisiert, die sich zum Ende der Vorrunde berechtigte Hoffnungen auf die Play-Offs machen durften, sich dann freilich ihre Krise nahmen und im Jahr 2011 noch ohne jegliches Erfolgserlebnis sind. Vier Pflichtspiele in Folge gingen sprichwörtlich in die Hose. Dreimal zog man in der Liga den Kürzeren, einmal im ETTU-Cup, wo man nach dem 0:3 gegen Pontoise Cergy das Halbfinale bei realistischer Betrachtungsweise abschreiben muss. In der Bundesliga ist man sorgenfrei und weist ein Sechs-Punkte-Polster gegenüber den Hessen auf, die mitten in der Abstiegszone stehen. Die Play-Offs sind jedoch erst einmal in beträchtliche Ferne gerückt. Vielmehr hofft man, durch einen Sieg gegen den Tabellenachten endlich den ersehnten Durchbruch im neuen Jahr zu bewerkstelligen, die Blockade zu lösen und in den kommenden Wochen dann wieder unbeschwert aufspielen zu können.

Aber Achtung: Die Hanauer sind – auch ohne den noch an seiner Schulterverletzung laborierenden „Siegerländer Riesen“ Steffen Mengel – besser als ihr „lausiger“ Punktestand von 4:18, der mit reichlich Pech zustande kam. Zuletzt lieferte man dem Tabellenzweiten Saarbrücken – dank eines überragenden Patrick Franziska, der endlich in der Liga angekommen ist – auswärts einen Dreieinhalb-Stunden-Fight auf Biegen und Brechen, allerdings ohne Happyend. Gelöst und frei können Keinath & Co. aber nicht in der neuen Werder-Halle aufspielen, zu dringend benötigt man Punkte, um das Abstiegsgespenst zu vertreiben. Durch den ungefährdeten Sieg gegen Mitaufsteiger Gräfelfing hat Herne inzwischen mit den Brüder-Grimm-Städtern nach Punkten gleichgezogen und liegt nur noch aufgrund des schlechteren Spielverhältnisses hinter diesen. Und mit zwei Punkten Rückstand ist auch das Schlusslicht aus Bayern noch nicht abgeschlagen.

Gute Leistungen – wie in Saarbrücken gezeigt – sind prima, doch was man braucht, das sind einfach Punkte und endlich einmal das zum Sieg nötige Quäntchen Glück. Da Frickenhausen so gut wie sicher aufsteigen wird und die Jülicher, derzeit Tabellenführer in der 2. Bundesliga Nord, erklärtermaßen auch wieder direkt nach oben wollen, muss mit zwei Absteigern gerechnet werden. Somit zählt für die Hampl-Truppe in der Eliteliga nichts anderes als Platz acht im „verflixten zweiten Jahr“.

Auf der Werder-Homepage wird die psychologische Ausgangslage der Grün-Weißen einfühlsam beschrieben: „Den verunglückten Rückrundenstart aus dem Kopf bekommen – mit dieser Mission treten Werders Tischtennis-Herren am kommenden Sonntag zum Heimspiel gegen die TG 1837 Hanau an. Vor allem der Kopf spielte in den letzten Begegnungen nicht mit, von Trainer Cristian Tamas wird in dieser Trainingswoche also hauptsächlich psychologische Arbeit abverlangt. Die Werderaner werden alles daran setzen, ihre eigenen Leistungen endlich auch in einen zählbaren Erfolg umzusetzen. Einen Großteil der Begegnungen bestritten die Hanseaten zuletzt über die volle Distanz von fünf Sätzen, bei den wenigsten hatten Werders Profis die entscheidenden Punkte dabei auf ihrer Seite. Ein Erfolgserlebnis könnte sich in der Psyche des Teams bemerkbar machen – und nicht zuletzt auch auf dem Punktekonto. Denn auch wenn sich die ersten vier Plätze momentan nicht in erreichbarer Nähe befinden, mit einer Siegesserie könnte man den Traum von Play-Off-Spielen an der Weser weiter erhalten.“

TGH-Trainer Helmut Hampl kann noch nicht wieder mit Steffen Mengel rechnen, hält seine Truppe jedoch nicht für chancenlos an der Weser: „Bremen ist Favorit, aber wir werden alles versuchen, um eine Überraschung zu schaffen. Steffen Mengel wird noch nicht zum Einsatz kommen. Er wird noch einige Zeit brauchen, wir hoffen - wenn alles gut läuft - ihn Mitte bis Ende Februar wieder einsetzen zu können.“ Thomas Keinath rechnet sich etwas aus für sein Team: "Die Bremer liegen uns eigentlich ganz gut. Die Jungs sind angeschlagen und haben viermal in Folge verloren. Ich glaube, da ist etwas zu machen." (DTTL-Mediendienst; Dr. Stephan Roscher). +++

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