Nachdem der Zweckverband Abfallwirtschaft Vogelsberg (ZAV) 2010 die Biotonne aus „Kostengründen“ abgeschafft hat, bekomme er nun Gegenwind durch die Umsetzung der Europäischen Abfallrahmenrichtlinie in deutsches Recht, erklärte Dr. Erik Siefart von den Vogelsberger Grünen. Diese sieht u.a. die flächendeckende Einführung einer getrennten Sammlung von Bioabfällen vor. Das begrüßen die Grünen im Vogelsbergkreis ausdrücklich, ebenso wie die verpflichtende Einführung einer Wertstofftonne. Jetzt rächt sich die kurzsichtige Müllpolitik des ZAV, der ohne Alternativen zu prüfen, den Kostendruck auf die Bürger des Vogelsbergkreises durchreichte und uneinsichtig auf der Gebührensatzung beharrte, statt diese den gewünschten Ziel anzupassen.
Als die Firma Schad, die früher den Müll beseitigte, von dem europaweit agierenden Mischkonzern Veolia aufgekauft wurde, wollte man im ZAV keine Konsequenzen daraus ziehen, sondern schloss mit dem Käufer den Entsorgungs-Vertrag, der u.a. zu den ärgerlich großen, neuen Mülltonnen führte. Jetzt solle über eine Resolution im ZAV verhindert werden, dass private Konkurrenz mögliche Einnahmen zu Gunsten der Kommunen bzw. des ZAV schmälerten, heißt es in einer Grünen-Presseerklärung. Tatsächlich seien die Neuordnung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechtes und die Einführung einer Wertstofftonne für die Verbraucher eher von Vorteil. Dann könnten die Bürger alle Wertstoffe und Verpackungsmaterialien gleichzeitig in einer Tonne entsorgen, da die Trennung später maschinell stattfinden würde.
Bisher wurde dies vom ZAV immer als missbräuchliche Nutzung der gelben Tonne bewertet. Hintergrund ist, dass er das eigene Getrennt-Sammlungssystems vor langer Zeit an das Duale System Deutschland verkauft und andere, weit reichende Verträge mit großen Entsorgungsunternehmen geschlossen hat. Damit hat der ZAV bereits damals die Weichen falsch gestellt und sich jeden Spielraum für eine eigene neue Gestaltung der Müllentsorgung im Vogelsbergkreis genommen. Bundesweit hat sich über alle Parteigrenzen hinweg die Einsicht durchgesetzt, dass es besser ist, Müll zu vermeiden als diesen kostspielig und risikoreich zu entsorgen. Stattdessen hat der ZAV die Biotonne wieder abgeschafft und die Müllentsorgungsrechte kurzsichtig verramscht.
Statt nun von der Bundesregierung die Beibehaltung der längst überholten Entsorgungsgedanken zu fordern und die Ende 2011 auslaufenden Entsorgungsverträge zu verlängern, sollte der ZAV nach Meinung der Grünen sofort die Planung für eine eigene flächendeckende, kommunale Wertstofftonne aufnehmen und die Entsorgung des Mülls wieder selbständig und in eigener Regie übernehmen. Längst ist Müll zum begehrten Rohstoff geworden, der heute anderen große Gewinne beschert. Deshalb sollte die Verwertung des Mülls möglichst weitgehend im Vogelsbergkreis bleiben, und damit auch neue Arbeitsplätze schaffen.
Statt noch Verwertbares zu zerstören, müsse die Wiederverwertung Vorrang haben und damit gleichzeitig die Verringerung der Kosten, betonte Dr. Siefart. Dazu hätten sich viele Ideen anderenorts entwickelt und bereits bewährt. Nur der ZAV im Vogelsbergkreis hinke gegen jede Vernunft und gegen den Willen viele Bürger der Entwicklung hinterher. Ein praxisnahes und attraktives Angebot für die Bürger und Kunden des ZAV könnte beispielsweise die Einrichtung einer Müllbörse auf dem Bastwald sein, bei der Bürger ausgemusterte Möbel und andere wieder verwertbare Waren abgeben können, die dann andere Menschen abholen und gegen geringe Gebühr weiter nutzen könnten. +++