Nach der verpatzten Chance am vergangenen Sonntag in Bremen bot sich am heutigen Sonntag den Profis der TG Hanau vor heimischer Kulisse die Chance zur Rehabilitierung, deren Nutzung gleichbedeutend mit einem wichtigen Schritt nach vorne im Abstiegskampf gewesen wäre. Die Situation der TGH im „verflixten zweiten Jahr“ in Deutschlands Eliteliga ist prekär, man benötigt Punkte, Punkte und nichts als Punkte, um einer einjährigen „Ehrenrunde“ im Unterhaus zu entgehen, die das ambitionierte Konzept der TGH-Macher um Helmut Hampl empfindlich zurückwerfen würde. Gräfelfing, Herne und Hanau – aus diesem Trio wird es wohl zwei Kandidaten erwischen.
Im Hinspiel am 26. September in Grenzau hatten die Hessen eine gute Leistung gezeigt, ohne jedoch mit Punkten belohnt zu werden (2:3). In der Vorsaison hatte man die Westerwälder sogar gleich zweimal mit 3:1 besiegen können. Für den Play-Off-Kandidaten Grenzau, der zurzeit den vierten Platz belegt, hatte es am Freitagabend beim 0:3 gegen Saarbrücken in eigener Halle einen heftigen Dämpfer gegeben. Man war gespannt, ob und wie Gardos & Co. diesen weggesteckt hatten.
Doch das war alles null und nichtig, die Wahrheit spielte sich - wie immer - nur am Tisch ab und dort waren die Grenzauer vom ersten Ball an hellwach und gierig auf den Erfolg, während die Hessen eher fahrig und nervös wirkten. Yang Zi, von Trainer Helmut Hampl heute als Einser nominiert, hatte sich soviel vorgenommen - doch es reichte wieder nicht: Gegen den Japaner Kenji Matsudaira gewann der Mann aus Singapur die ersten beiden Sätze deutlich und gab das Match dennoch aus der Hand (11:6, 11:6, 7:11, 6:11, 9:11). Nervenstärke - seit Wochen ein Fremdwort für Yang - sieht anders aus. Dieser Punkt war eigentlich eingeplant, zumindest aber angestrebt. Kommt er dann trotz guter Chancen nicht, gibt dies einer mental angeschlagenen Mannschaft wie den Hanauern, im Jahr 2011 noch ohne jeden Pflichtspielerfolg, das Gegenteil von Selbstvertrauen, nämlich einen empfindlichen Stoß, der schwer wegzustecken ist. Mit diesem Match hatten die Grenzauer alle Zweifel abgeschüttelt und waren wieder ganz die Alten, während die TGH vor 433 zahlenden Zuschauern in der Main-Kinzig-Halle einmal mehr mit dem Rücken zur Wand stand.
Und es bestätigte sich anschließend der Eindruck, den kürzlich auch Jörg Roßkopf geäußert hatte, dass der Hanauer Mannschaft derzeit das Selbstvertrauen fehlt und die Spieler sich mit ihrer Nervosität gegenseitig anstecken. Thomas Keinath - in der Woche bei einem Einladungsturnier der TGH-Ausrüsterfirma Joola in Langenselbold noch Finalsieger über keinen Geringeren als Chen Weixing - präsentierte sich auch diesmal nicht als Ruhepol und ließ gegen einen äußerst konsequent agierenden Robert Gardos den zweiten Gegenpunkt zu (7:11, 12:10, 5:11, 7:11). Es sah bereits zur Pause eindeutig danach aus, als sollten sich die Grenzauer eindrucksvoll für die Klatsche gegen Saarbrücken rehabilitieren, während bei der TGH die Tendenz weiter nach unten zeigte - jedenfalls schien man bereits meilenweit davon entfernt zu sein, irgendeinen Nutzen aus der nach dem Freitagabend-Debakel beim Gegner fraglos vorhandenen anfänglichen Verunsicherung zu ziehen. Mit einem 0:2 im Rücken ist es dann natürlich gerade für einen jungen Spieler wie Patrick Franziska schwierig, das Blatt noch zu wenden. Der amtierende Jugendeuropameister nutzte seine durchaus vorhandenen Chancen - wie etwa zwei Satzbälle in Durchgang zwei - nicht und zog gegen den stämmigen Tschechen Tomas Pavelka in drei Sätzen den Kürzeren (6:11, 13:15, 8:11).
Nach einer Netto-Spieldauer von zwei Stunden und fünf Minuten war Gratulation angesagt - jedoch nur für die Truppe aus dem Brexbachtal, die sich eindrucksvoll zurückgemeldet hat. Bei einem Spiel mehr als Rivale Fulda weist man derzeit ein Plus von vier Punkten auf der Haben- und zwei Zählern auf der Soll-Seite aus - durch ist man aber noch längst nicht. Die Grenzauer Aktien sind aber wieder merklich gestiegen, was man von denen der Hanauer ganz und gar nicht behaupten kann, die sich derzeit nicht in der Verfassung präsentieren, die nötig ist, um den Klassenerhalt zu schaffen. Das Problem scheint nicht so in der spielerischen Qualität zu liegen, sondern sich vorwiegend im mentalen Bereich abzuspielen.
Hanaus Trainer Helmut Hampl konnte natürlich mit dem neuerlichen 0:3 nicht zufrieden sein, wollte aber auch nicht den Stab über seinen Spielern brechen: „Die Leistung von Yang Zi und Thomas Keinath war heute schon etwas besser als in Bremen, aber sie sind leistungsmäßig lange noch nicht da, wo sie eigentlich hingehören. Yang hat heute wieder 2:0 nach Sätzen geführt und es noch abgegeben und bei dem Spielsystem hängt halt schon sehr viel vom ersten Spiel ab. Dadurch war die Ausgangsposition von Thomas im zweiten Spiel deutlich schwieriger. Er will gerade in Hanau seinen vielen Leuten, Freunden und Bekannten alles zeigen, ist zurzeit aber nicht in der Lage, dem Druck standzuhalten."
Seinen Youngster, Patrick Franziska, nahm Hampl in Schutz: „Patrick hat gut gekämpft und alles gegeben, aber mit einem 0:2 der Mannschaft im Rücken ist es gerade für so einen jungen Spieler nicht leicht. Wenn er den zweiten Satz gewonnen hätte, hätte sich das Spiel vielleicht nochmal drehen können.“ Natürlich hofft der TGH-Chefcoach auch auf eine baldige Rückkehr des verletzten Steffen Mengel: „Steffen hat inzwischen wieder mit leichtem Training begonnen, Nächste Woche findet eine ärztliche Nachuntersuchung statt. Wenn der Arzt grünes Licht gibt, können wir dann das Training wieder etwas anziehen. Ich hoffe, dass er spätestens Ende Februar wieder spielen kann.“ +++