Die sportliche Lage der Hanauer Bundesligaprofis ist prekär, zwar nicht hoffnungslos, aber auch alles andere als rosig. Nach gut 75 Prozent der Punktspiele in Europas Eliteliga rangiert man auf Platz acht, dem ersten Nichtabstiegsrang. Man hat bereits 13 Niederlagen kassiert und erst zwei Partien gewonnen. Dicht im Nacken sitzt den Brüder-Grimm-Städtern der TTC Ruhrstadt Herne mit ebenfalls vier Pluspunkten. Am 3. April, dem letzten Spieltag der Saison, könnte es in der Main-Kinzig-Halle zum Abstiegsendspiel gegen die Ruhrstädter kommen. Heute mussten die Hanauer freilich ihre 13. Saisonniederlage kalkulieren – jedenfalls wenn man die Konstellationen vor dem Hessenderby, dem sechsten dieser Art, nüchtern bewertet. Zuletzt schwächelte die in der Rückrunde noch sieglose Hanauer Mannschaft mit drei 0:3-Pleiten in Folge. Auch der Gast aus Osthessen benötigte die Punkte dringend, um nicht den Anschluss im Play-Off-Rennen zu verlieren. Fünf Hessenderbys gab es seit letzter Saison, alle endeten klar und deutlich zugunsten der Maberzeller.
Im "Hessen-Derby" standen sich heute also gleichzeitig auch (großzügig ausgelegt) zwei osthessische Mannschaften gegenüber. In der Main-Kinzig-Halle in Hanau begann um 15 Uhr vor rund 550 Zuschauern die Begegnung zwischen dem TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell und dem Gastgeber TG Hanau.
In der Main-Kinzig-Halle standen sich im ersten Einzel TGH-Youngster Patrick Franziska und der Schwede Robert Svensson gegenüber. Der amtierende Jugendeuropameister ist nur im zweiten Satz obenauf, muss am Ende jedoch dem starken, äußerst konsequent spielenden Maberzeller Linkshänder zum Sieg gratulieren (4:11, 11:8, 5:11, 5:11). Dann hätte Thomas Keinath, der zuletzt arg in der Kritik gestanden hatte, sich mit einem einzigen Match aus der Krise spielen können - doch es sollte nicht sein. 5:1 stand es für den 33-jährigen Hanauer beim Seitenwechsel im Entscheidungssatz gegen Abwehr-Granate Wang Xi, doch dann wollte es "Keini" zwingen und spiele einige zu hastige Bälle - schon war der Chinese wieder da und nahm die ganze Hand anstelle des kleinen Fingers (11:9, 4:11, 5:11, 11:3, 11:8). 2:0 für die Maberzeller, die damit ihren sechsten deutlichen Sieg im sechsten Derby klar ankündigten.
Nach dem Spiel sagte Thomas Keinath: "Ich habe gut gespielt gegen Wang Xi, aber mir fehlt, wie der ganzen Mannschaft, zurzeit einfach auch ein bisschen das Glück in knappen Spielen. Nach dem Seitenwechsel hat Wang, gegen den man nie auch nur einen Moment nachlassen darf, sein Spiel natürlich noch ein bisschen umgestellt und mehr angegriffen, aber ich hätte das Match wirklich gewinnen können." Und Wang Xi meinte: "Es war heute nicht einfach für mich, gegen Keinath zu gewinnen, der ein starker Gegner war. Ich habe mich bei 1:5 im 5. Satz nochmals besonnen, bin etwas ruhiger geworden und habe dann wieder ganz gut ins Spiel zurückgefunden. Außerdem habe ich meine Taktik etwas verändert. Ich glaube daran, dass wir die Play-Offs noch erreichen werden, aber wir müssen dazu möglichst jedes Spiel gewinnen."
Und nach der Pause ließ "Waldi" keine Zweifel daran aufkommen, dass er sich gegen Zi Yang durchsetzen würde. Und so stand es dann nach knapp zweistündiger Spielzeit klar 3:0 für Fulda, die sich damit auch zwei wertvolle Punkte im Kampf um den vierten Play-Off-Platz sicherten.
TGH-Trainer Helmut Hampl sah zwar einige brauchbare Ansätze bei seinen Spielern, kann eine Trendwende jedoch noch nicht erkennen: "Bei Patrick wäre mehr drin gewesen, Thomas hat gegen Wang Xi ein sehr gutes Spiel gemacht, von Yang war ich etwas enttäuscht. Einen Aufschwung sehe ich noch nicht, dazu müssen wir erst mal wieder Spiele gewinnen." Fuldas Präsident Stefan Frauenholz zeigte sich zufrieden: "Letztlich ist alles so wie erwartet eingetreten und wir haben unsere Play-Off-Chance gewahrt. Ich habe nicht am Sieg von Wang Xi gezweifelt, auch als er im 5. Satz mit 1:5 hinten lag. Er kommt am Ende fast immer nochmals stark auf und dreht viele Spiele noch." (DTTL/ma) +++
1. Einzel: Patrick Franziska - Robert Svensson (4:11 / 11:8 / 5:11 / 5:11 ) = 1:3 Sätze oder 0:1 Punke.
2. Einzel: Thomas Keinath - Xi Wang (9:11 / 11:4 / 11:5 / 3:11 / 8:11) = 2:3 Sätze oder 0:2 Punkte
3. Einzel: Zi Yang - Jans-Ove Waldner (11:8 / 8 :11 / 7:11 / 5:11) = 1:3 Sätze oder 0:3 Punkte +++