"Diese Schale ist nur ausgeliehen. Ein Jahr ohne Titel ist kein gutes Bayern-Jahr. Das darf einmal vorkommen, nicht zweimal." Uli Hoeneß ist kein Freund schwammiger Aussagen, sondern ein Polarisierer, der unverblümt und deutlich seine Meinung sagt. Und das nicht nur zum Thema Fußball. Der erfolgreiche Präsident des Fußball-Bundesliga-Aushängeschilds FC Bayern München und ebenso erfolgreicher Nürnberger Würstchen-Fabrikant redete am Donnerstagabend über Wirtschaft, Unternehmensführung und Politik. Sein 90-minütiges Wortspiel mit Star-Kommentator Marcel Reif honorierten die 3.100 Zuhörer in der ausverkauften Esperantohalle mit minutenlangem Applaus. Es war eine Uli Hoeneß-Show der Extraklasse, informativ und unterhaltsam. Die Sparkasse Fulda hatte Hoeneß und Reif zum 25. Sparkassen-Forum eingeladen.
Glamourös der Empfang: Von hinten schritten Hoeneß und dahinter der Sparkassen-Vorstand unter dem Applaus der Zuschauer in die Halle.
Uli Hoeneß zum Thema Wirtschaft und Unternehmensführung
"Strategie, Moltivation, Führung - Zwischen Profisport und Unternehmertum am Beispiel des FC Bayern München" lautete das Thema des Abends. Hoeneß hatte 1980 zusammen mit einem Freund aus alten Nürnberger Tagen eine Wurstfabrik aufgebaut. Ihnen war ein Vertrag mit Aldi gelungen, die Nürnberger Würstchen in ihr Sortiment aufnahmen. Heute floriert das Geschäft weltweit, Sohn Florian (32) ist Geschäftsführer und stieg mit 22 Jahren bereits ein. "Ich habe ihm gesagt, ich bin nicht mehr dein Vater, sondern dein Freund". Man müsse jungen Leute eine Chance geben. "Learning by doing. Sie dürfen Fehler machen und daraus dann lernen", erklärt Hoeneß. "Heute verkaufen wir 5 Millionen Stück am Tag", gab der Unternehmer Einblicke und fordert, dass "wir alles wieder familiärer machen müssen". Die Wirtschaft müsse umdenken. Nicht die Aktionäre sondern die eigenen Mitarbeiter und Investitionen in den Betrieb müssten an oberster Stelle stehen. Die Mitarbeiter müssten das Gefühl haben, dass sie wichtig sind. "Ich lobe häufig den Platzwart, denn wenn der Rasen top ist, ist es die Grundlage für unseren Erfolg", führte Hoeneß ein Beispiel beim FC Bayern München auf. „Loben und sachliche Kritik. Und man muss sich jeden Tag hinterfragen – egal ob mit 20 oder 60 Jahren“. Den Unternehmern empfahl Hoeneß, frühzeitig ihre Nachfolge zu regeln. Viele wären stur, wollen immer nur selbst entscheiden und fallen mit 70 oder 80 Jahren dann vom Stuhl. Die Jungen sollten frühzeitig heranwachsen und unterstützt werden.
Als er mit 27 Jahren Manager des Münchener Fußballklubs wurde, waren die "Blauen" (TSV 1860 München) die Nummer Eins in der bayerischen Landeshauptstadt. "Wir hatten Schulden. Ich bin Karl-Heinz Rummenigge ewig dankbar, dass er damals nach Mailand gegangen ist. Mit diesen elf Millionen D-Mark Ablöse haben wir unter anderem unsere Schulden abgebaut. Heute generieren die Bayern einen Jahresumsatz weit jenseits der 350 Millionen Euro-Marke. "Ich will nicht mit den Kreditabteilungen der Banken verhandeln, wenn wir Spieler verpflichten wollen", so Hoeneß. Braucht er auch nicht. Der FCB holt seine Neuen mit dem Geld von der Festgeldabteilung. Medienberichten, denen zufolge die Bayern im Sommer 60 Millionen Euro für neue Spieler ausgeben wollen, erteilte Hoeneß am Abend in Fulda eine klare Absage. „Völliger Schwachsinn“, entgegnete er auf die Frage eines Journalisten.
Die wirtschaftliche Basis sei entscheidend. Gerne spiele er in der Champions League, aber nur auf gesunder wirtschaftlicher Basis. Der wirtschaftliche Erfolg in München stehe auf den Säulen Zuschauer („sind extrem wichtig, machen aber nur 18 Prozent der Gesamteinnahmen aus“). „Einen Frank Ribery gibt es nicht für sieben Euro auf dem Stehplatz“, sagte Hoeneß. Marketing und Merchandising („Ich habe mir vieles beim American Football und Baseball abgeschaut“) sind weitere Schwerpunkte.
Die sportliche Situation beim FC Bayern München
"Es wäre katastrophal, wenn wir nächste Saison nicht in der Champions League spielen. Das Endspiel ist nächstes Jahr schließlich in München", erklärte Hoeneß. Keiner seiner Spieler beim FCB wolle in der Europe-League spielen. Derzeit kämpfen die Bayern zumindest um Platz drei. Der Meisterschaftszug ist sieben Spiele vor Saisonende abgefahren. Platz drei müsse es aber noch werden. Mit Jupp Heynckes verpflichteten die Bayern einen langjährigen Freund von Hoeneß als Trainer für die kommende Saison. "Leverkusen hat einen Fehler gemacht. Sie haben gesagt, dass sie eine 1b-Lösung haben, wenn Heynckes gehen würde. Ich lese morgens zwischen sechs und sieben Uhr Zeitungen und weiß, dass Heynkes Frühaufsteher ist. Ich habe ihn um halb Acht angerufen und gesagt, dass der FC Bayern nur eine 1a-Lösung hat", schmunzelte Hoeneß. Nichts Neues verriet der Bayern-Präsident zum Thema Neuverpflichtungen. "Wir werden uns mal informieren, wie die Schweinepreise sind", spielte Hoeneß auf Schalke-Prsäident Clemens Tönnies , einen Fleisch-Fabrikanten, an. Die Bayern hätten weiter Interesse an Nationaltorwart und Schalke-Keeper Manuel Neuer.
Eines aber hat der umtriebige Bayern-Präsident bereits fest geplant: "Wir werden im Mai nach Japan reisen und dort kostenlos spielen", sagte er und unterstrich, dass der gesamte Vorstand und Aufsichtsrat mitreisen werde. Allerdings warte man noch ab. "Gibt es nur ein Prozent Restrisiko, dann reisen wir eben erst im Dezember nach Japan".
Rund 90 Minuten dauerte das Wortspiel zwischen Uli Hoeneß und dem bekannten Fußball-Kommentator Marcel Reif. Der Fußballexperte zeigte sich erstaunt, dass so viele Menschen kamen. "Das konnte ich gar nicht glauben. Fulda liegt ja nicht gerade im Einzugsgebiet von München", sagte Reif zu Beginn des Gesprächs. Rund 20.000 Euro dürfte Hoeneß für diesen Auftritt erhalten haben. Zumindest habe er dies nach Medienberichten bei vergleichbaren Events etwa in Landshut bekommen. Der Bayern-Präsident erklärte, dass er die Honorare komplett für soziale Zwecke spende, etwa für die Brunner-Stiftung.
Die osthessen-news Reporter Hans-Hubertus Braune und Sascha Poldrack sprachen nach der Veranstaltung in Fulda mit Uli Hoeneß. Sehen Sie dazu unser Video-Interview mit dem Präsidenten des FC Bayern München (einfach auf den orangefarbenen Button oberhalb des Artikels klicken). (Hans-Hubertus Braune) +++
3.100 Zuhörer in der Esperantohalle
Sparkassen-Vorstand Alois Früchtl mit Uli Hoeneß
Autogramme, Autogramme....
..und ein Exklusiv-Interview von Hans-Hubertus Braune (re) für "osthessen-news"
ON-Kameramann Sascha Poldrack (r.) fing die bewegten Bilder ein.
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