Handballschiedsrichter gehören zu den am meisten beanspruchten Schiedsrichtern im Sport. Viele Verbände verzeichnen seit Jahren rückläufige Schiedsrichterzahlen. Jeder Verein hat, je nach Anzahl der gemeldeten Mannschaften, eine bestimmte Anzahl an Schiedsrichtern zu stellen. Wird diese Zahl unterschritten, so verhängen verschiedene Verbände Strafen gegen die betroffenen Vereine. Im Hessischen Handballverband werden im Wiederholungsfall Geldstrafen von bis zu 800 Euro pro Saison und fehlendem Schiedsrichter verhängt. Zusätzlich erhält die Mannschaft des Vereins, welche in diesem Verband in der höchsten Spielklasse spielt, pro fehlendem Schiedsrichter einen Strafpunkt nach Abschluss der Saison. Die Problematik rückläufiger Schiedsrichterzahlen und die von den Verbänden ausgesprochenen Strafen sind nicht handballspezifisch. Dieses Phänomen ist bei vielen Sportarten, wie beispielsweise Fußball, Basketball und Eishockey zu beobachten.
Die Gründe, warum die Verbände unter dem Schiedsrichtermangel leiden, sind vielfältig. Verbale Entgleisungen und Verunglimpfungen durch Spieler, Funktionäre und auch Besucher gegen die Schiedsrichter haben dem Ansehen und der Motivation der „Männer und Frauen in Schwarz“ erheblichen Schaden zugefügt. Und auch die Medien haben zum Teil Mitschuld. Im Fernsehen wird erst in der 5 Wiederholung erkannt, dass eine Entscheidung nicht richtig war. Dem Schiedsrichter bleiben aber nur Bruchteile einer Sekunde um die richtige Entscheidung zu treffen. Jedes Wochenende liest man in der Zeitung wie schlecht ein Schiedsrichter wieder gepfiffen hat. Dass er der Schuldige ist, warum eine Mannschaft verloren hat. Lob? Das Wort scheint man nicht mehr zu kennen. Und sie bekommen dafür eine eher symbolische Aufwandsentschädigung - aber sind trotzdem fast jedes Wochenende unterwegs in den Hallen der Region.
In einer Saison werden in Deutschland rund 2.000 Handballschiedsrichter ausgebildet. Ca. 60% davon hören im ersten Jahr auf. Die mittlere Dauer der Schiedsrichtertätigkeit beträgt lediglich ca. 18 Monate. Ohne die Unparteiischen ist auch im Bezirk Fulda kein Spielbetrieb möglich.
12 junge Männer und Frauen konnten trotzdem vom Bezirksschiedsrichterwart und Lehrgangsleiter Alfred Mann begrüßt werden. An 2 Wochenenden, jeweils von Freitag bis Sonntag, wurden in 40 Stunden intensiv die Regeln und deren Interpretationen gelernt. Unter der Leitung von Egon Wehner wurden in der Sporthalle praktische Übungen mit den Neulingen erarbeitet. Auch das Thema Gewaltprävention nahm einen großen Platz ein. Referatsleiter Carlo Schulz, ehemaliger Oberliga und Regionalligaschiedsrichterlehrwart sprach über verbale Gewalt gegen Schiedsrichter und dass gerade jüngere Schiedsrichter mit diesem großen Problem nicht zurechtkommen. Seit langen weiß man, dass hauptsächlich die Eltern der Jugendspieler für die unqualifizierten Äußerungen gegen Schiedsrichter verantwortlich sind. Hier wird vergessen, dass auch ein Handballspieler am Anfang seiner Kariere nicht perfekt war.
Alle Teilnehmer bestanden zum Abschluss die Bezirksprüfung und werden ihren Schiedsrichterausweis in Kürze vom Landesverband erhalten. Um den „Neuen“ den Start in eine erfolgreiche Schiedsrichterkarriere zu erleichtern, bekommen alle einen erfahrenen Sportkameraden als Betreuer an die Seite gestellt. Nicht zum bloßen Kontrollieren, sondern als Mentor. „So geben wir den jungen Leuten von Beginn an die notwendige Sicherheit“, weiß Schiedsrichterwart Alfred Mann. Nach der Hinrunde wird noch eine Gespannausbildung erfolgen. Danach ist dann die Hauptprüfung durch den Hess. Handballverband. Mit den neu dazu gekommenen SportfreundInnen verfügt der Bezirk Fulda über 108 Schiedsrichter. Davon pfeifen 16 im Gespann, 4 Gespanne sind in der Landesliga im Einsatz.
Die "Neuen":
Vulkan Vogelsberg:
Lukas Daberkow, Johann König,
Hünfelder SV:
Philipp Wald, Adrian Sobotka,
TSG Schlitz:
Thorsten Stumpf, Nebiye Sarpasan, Genevieve Rehberg, Rica Forberich,
TV Alsfeld:
Uwe Ratz, Luisa Bonn, Artur Kelbert, Dominik Janner. +++