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Der neue Lingmann-BMW (188) behauptet die Führung. - Fotos: Höhn

14.06.11 - MOTORSPORT

Lingmanns gelungene Generalprobe - das „Lingmann-Baby“ sorgt für Furore

Einmalig in der 35-jährigen Geschichte der Langstreckenmeisterschaft Nürburgring, dass Rennteams fünf verschiedener Automobilhersteller in der ersten Hälfte der beliebtesten Rennserie in Europa, den Gesamtsieg unter sich ausmachten. Erstmalig konnte sich der Audi R8 LMS mit Mattias Ekström/Timo Scheider (beide aktuelle DTM-Spitzenpiloten) und Frank Stippler, von Phoenix-Racing, in die Gesamtsiegerliste der VLN eintragen. Nach den ersten vier Saisonrennen hatten Modelle der Marken BMW, Mercedes-Benz, Ferrari und Porsche die Nase vorn.

Mit einem Vorsprung von 1:31,954 Minuten verwiesen sie dabei das stark auftrumpfende Frikadelli-Team im Porsche 911 GT3 R, mit Sabine Schmitz und Klaus Abbelen (Barweiler), die von der Pole aus ins Rennen gingen, auf Platz 2. Platz 3 eroberten sich im Manthey-Porsche 911 GT3 Cup Wolfgang Kohler, Frank Kräling und Christian Menzel. Bei einsetzendem Regen und Hagelschauern im Bereich Flugplatz, entschloss sich die Rennleitung zwölf Minuten vor Rennende, das Rennen aus Sicherheitsgründen abzubrechen.

Das unter der Bewerbung des MSC Rhön (Bad Neustadt) startende Team Lingmann-Motorsport aus Bad Königshofen, nutzte das Rennen um nochmals ausgiebig für die anstehenden 24h Nürburgring zu testen, welches in knapp zwei Wochen, vom 23.06.-26.06., über die Bühne gehen wird. Ulli Packeisen und Hubert Nacken fuhren ihr bewährtes Renngerät, den BMW M3 der Klasse H3 (bis 3000ccm). Packeisen nutzte die Probleme des Ex-DTM-Mercedes von Schall/Schall und stellte den Lingmann BMW mit starken 9:22,486 Minuten auf Pole in ihrer Klasse.

Den M3 der Klasse V6 (seriennahe Fahrzeuge bis 3500 ccm) pilotierten die beiden Österreicher Richard Purtscher und Johannes Huber mit ihrem französischen Kollegen Fabrice Reicher. In einem überaus starken Teilnehmerfeld waren sie mit Platz 11 im Training zufrieden. In der Klasse SP5 (VLN-Spezialfahrzeuge bis 3000 ccm Hubraum) brachte Herbert Lingmann zwei Fahrzeuge an den Start. Zum einen, den bewährten M3 und das von den Insidern „Lingmann-Baby“ genannte 1er Coupé.

Den M3 fuhren wieder das Hessen-Trio mit den Dreieichern Norbert Schneider und Stephan Köhler mit ihrem Partner Axel Hörger (Königstein). Gewohnt zuverlässig stellten sie ihren M3 auf Platz 3 im Training ab. Das neue Lingmann Auto sorgte bereits im Qualifying für Furore, als Alex Schula (Hattersheim) mit einer Fabelzeit von 8:57,018 Minuten den gewohnten Spitzenleuten Sorgenfalten auf die Stirn zauberte. Im Rennen übernahm er auch den Startturn. Nun waren alle Zeugen, welches Potential in der Neuentwicklung von Herbert Lingmann und Christian Leutheuser steckt. Obwohl dem Auto auf den Geraden noch etwa 20 km/h Spitzengeschwindigkeit fehlt, hielt Schula in einem bravourösen Rennen die Verfolger gebührend auf Distanz.

In Runde 10 wurde er eine Runde früher als geplant zum Nachtanken an die Box geholt, weil man noch keinerlei Erfahrung mit dem Verbrauch hatte und nicht riskieren wollte, auf der Strecke stehen zu bleiben. Nun übernahm Wolfgang Kudrass das Auto. Durch den Boxenstopp war natürlich der engste Verfolger vorbei gezogen. Die Strategie sah nun vor, den Abstand halten und mit einem Tankstopp weniger die Führung zu übernehmen. Kudrass löste die Aufgabe auf dem neuen, für ihn noch ungewohnten Gerät gut und übergab in Schlagdistanz liegend an Christian Leutheuser. Dieser ließ keinen Zweifel daran, dass er dieses Rennen mit dem neuen Auto gewinnen wollte. Gnadenlos hetzte er das führende Auto vor sich her und überholte schließlich kurz vor Schluss den Kontrahenten unter dem Jubel der Lingmann-Crew.

Die Freude war aber leider nur von kurzer Dauer. Kaum war Christian in Führung gegangen, wurde das Rennen abgebrochen. Da das Ergebnis der Runde vor dem Abbruch zählt, hatte er auf der Strecke zwar gewonnen aber per Reglement mit Platz zwei das Nachsehen. Trotzdem war die Freude groß. Das Auto hatte bewiesen, aus eigener Kraft die Klasse gewinnen zu können. Bei der zurück gelegten 4-Stunden-Distanz wurde zwar nur ein sechstel der 24h zurückgelegt aber so rund wie das Auto lief, darf man für die härteste Prüfung im Motorsport, dem 39. ADAC Zurich 24h-Rennen auf dem Nürburgring, auf eine gute Platzierung hoffen.

Das Schwesterauto in der SP5 hielt mit einer konstanten Leistung vom Start bis zum Ziel seinen Startplatz und wurden als verdiente Dritte abgewinkt. In der Klasse H3 hatten Ulli Packeisen und Hubert Nacken einen schweren Stand. Nachdem der Schall-Mercedes wieder wie gewohnt lief, nützte aller Einsatz nichts, um den etwa 150 PS stärkeren Gegner nieder zu ringen. Nach einem starken Rennen,ein verdienter 2. Platz.

Im V6 fuhren die beiden Österreicher mit ihrem französischen Partner ebenfalls ein bravouröses Rennen. Von Startplatz 11 ins Rennen gegangen, lieferten sie sich spannende Duelle und konnten sich, Dank eines wie ein Uhrwerk laufenden Lingmann-Autos, in der Endabrechnung auf Platz 5 vorkämpfen. Nun richtet sich der Fokus von Team und Fans auf das Highlight des Jahres in zwei Wochen (kh). +++

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