In der Kreisstadt des Vogelsbergkreises macht man sich konkrete Vorstellungen über den Bau einer weiteren Drei-Felder-Sporthalle, die vor allem von der Vogelsbergschule und dem Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums sowie den heimischen Vereinen genutzt werden könnte. Auch hinsichtlich eines möglichen Standortes haben sich die Vorstellungen schon konkretisiert: Zum einen ist das Gelände des seit Jahren leerstehenden und vor sich hingammelnden ehemaligen Tegut-Marktes in der Lauterstraße im Gespräch, ein weiterer möglicher Standort ist der Festplatz an der „Großen Bleiche“, auf dem gerade der Lauterbacher Prämienmarkt zu Ende gegangen ist.
Aufgrund von Überschwemmungsgefahr durch die vorbeifließende Lauter käme nur der obere Teil der „Großen Bleiche“ an der Lindenstraße in Betracht, der zurzeit als befestigter Parkplatz genutzt wird. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage zur weiteren Nutzung des ehemaligen DRK-Gebäudes. Die Stadt Lauterbach ist nach Auskunft von Bürgermeister Rainer Vollmöller (CDU) nicht in der Lage, die für eine komplette Sanierung erforderlichen 350.000 bis 500.000 Euro aufzubringen Zur Zeit nutzt sie das alte DRK-Haus als Lagerplatz für einen Teil der Bücher der städtischen Bibliothek. Der Antrag der Stadt Lauterbach, das Gebäude abzureißen, wurde von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Vogelsbergkreises allerdings abgelehnt.
Die Stadt Lauterbach habe dem Kreis als Schulträger einen Teilbereich der städtischen „Bleiche“ für den Bau einer neuen Turnhalle angeboten, so Vollmöller auf Anfrage von ON. Konkrete Verhandlungen wird es wohl in Kürze dazu geben. Der Bau einer neuen zweiten Schulturnhalle ist deshalb in das öffentliche Interesse gerückt, nachdem durch den Abriß der ehemaligen Schulturnhalle des Gymnasiums am Goldhelg der Raumbedarf größer geworden ist und die Kapazitäten in der Vier-Felder-Halle „An der Wascherde“ nicht mehr ausreichend sind. Außerdem müssen die Schüler des Gymnasiums zum Sport mit Bussen in die Vier-Felder-Halle gefahren werden. Eine zusätzliche Halle an einem der genannten Standorte wäre sowohl für die Vogelsbergschule als auch für das Gymnasium sehr gut erreichbar und würde den Bustransport erübrigen. Außerdem wäre bei einer Realisierung auf der „Großen Bleiche“ auch eine Nutzung für den Prämienmarkt und andere Veranstaltungen möglich (wie etwa Sanitäreinrichtungen).
Auch der für die Schulen des Vogelsbergkreises zuständige Dezernent Hanns-Michael Diening (FDP) bestätigte auf Anfrage von ON die Notwendigkeit einer weiteren Drei-Felder-Sporthalle, die „in den nächsten Jahren gebaut werden solle“, konkret legte er sich allerdings nicht fest. Diening brachte wie Vollmöller noch einen dritten Standort ins Gespräch, nämlich das im Besitz des Vogelsbergkreises befindliche Rasengelände direkt vor der Vogelsbergschule im Bereich Lindenstraße/Fuldaer Straße. Doch aufgrund des dort früheren befindlichen Eisweihers scheidet für Diening aufgrund des unklaren Untergrundes dieser Standort aus. Der Schuldezernent räumte auch bereits Gespräche mit der Erbengemeinschaft ein, der das Gelände mit dem leerstehenden ehemaligen Einkaufsmarkt gehört.
Doch da es preislich unterschiedliche Vorstellungen gegeben habe, verlangte man dann seitens des Kreises ein Gutachten vom Eigentümer über die Belastung des Geländes. Aufgrund der neuen politischen Mehrheiten im Vogelsbergkreis wolle die neue Mehrheit allerdings neue Verhandlungen, die er auch bereit sei, weiterzuführen. Diening räumte ein, dass er selbst den Standort Lauterstraße bevorzuge, da dort für das Lehrerpersonal des Gymnasiums auch rund 40 Parkplätze geschaffen werden könnten. Im Haushalt des Vogelsbergkreises seien 2010 bereits 500.000 Euro für den Ankauf des ehemaligen Tegut-Geländes zur Verfügung gestellt worden.
Der Schuldezernent machte im Gespräch auch darauf aufmerksam, dass der Kreis für die Befestigung der „Großen Bleiche“ rund 80.000 Euro ausgegeben habe, und dass bei Standort-Gesprächen mit der Stadt Lauterbach auch die „Große Bleiche“ Gegenstand sein müsse. Auch müsse noch geprüft werden, ob dieser Bereich als Baugelände ausgewiesen werden könne. Hanns-Michael Diening, selbst Pädagoge, machte auch darauf aufmerksam, dass sich Behörden bei solchen Deals wechselseitig Gelände übertragen können. Er bestätigte, dass der Vogelsbergkreis die Stadt Lauterbach wegen des Standorts „Bleiche“ für eine neue Sporthalle angeschrieben habe.
Alles in allem ein scheinbar wieder offenes und interessantes „Rennen“ um den Standort einer zweiten Schulturnhalle in Lauterbach, bei dem nach der letzten Kommunalwahl offensichtlich wieder alles offen ist. (Axel Werner Hofmann) +++