Es war der mittlerweile 16. Trailritt beim Reitclub Rhön in Lebenhan. Die Teilnehmer bescheinigten eine faire Streckenführung und einen wirklich sehr ansprechenden, bunten Hindernis-Parcours als Krönung einer doch recht anspruchsvollen Pferdesportveranstaltung. 19 Erwachsene, darunter vier Jugendliche, die jüngste Reiterin Luisa Katzenberger zählte gerade mal sieben Jahre, wies die Statistik aus.
Reiten kann man nahezu in jedem Lebensalter, die Sportart fasziniert viele Anhänger. Reiten ist durchaus auch ein Sport, den man sogar bis ins hohe Alter hinein ausführen kann, wie so mancher Oldie, ein 64-Jähriger im Sattel eines stattlichen Friesen, an Ort und Stelle bewies. Schon früh am Morgen ging es los auf die etwa zehn Kilometer lange Geländestrecke. Einzeln oder in kleine Grüppchen aufgeteilt, verließen die Reiter die Anlage in Lebenhan, die Reiter so bunt gemischt und unterschiedlich wie ihre Pferde. Eine Gruppe führte sogar ein etwa vierwöchiges Fohlen mit sich, das tapfer durchhielt. Pferde sind eben bewegungsfreudig und aktiv von klein auf.
Etwa zwei Stunden waren die Reiter unterwegs, eine zeitliche Vorgabe bestand zwar nicht, doch mussten unterwegs einige „Hindernisse“ gemeistert werden, sonst gab es Punkteabzug. Und die waren nicht ohne. Stehen doch sonst im Wald wohl kaum bunte Hütchen herum, die es im Slalom zu absolvieren galt, noch dazu musste ein großer Ast mitgeschleift werden. Einen Jägerstand unterwegs kennt jedes Ross. Dass da aber eine Zeitung drin versteckt ist und der Reiter diese unbedingt an Ort und Stelle laut vorlesen sollte, war wohl neu und eher langweilig. Rumstehen kann man als Pferd lange genug zu Hause im Stall, das muss wohl unterwegs nicht auch noch sein, dachte sich wohl so mancher Vierbeiner. Unterwegs bei Reyersbach galt es einen Hügel hinabzureiten – Kinderspiel – aber dann dieses himmelblaue Ding mitten auf der Wiese, das so seltsam knisterte und sich bewegte unter den Hufen – also, da könnte man doch leicht drum herum – nein, die Reiter sollten partout drüber reiten, was offenbar nicht jedem Pferd richtig erschien.
Zu Hause angekommen galt es noch kurz vor der Reitanlage, eine Slalomstrecke rückwärts zu absolvieren. Der Rückwärtsgang ist bei den allermeisten Pferden wenig beliebt, er gilt als reine Gehorsamsübung. Noch dazu mussten die Reiter dazu „alle meine Entchen singen“. „So ein Quatsch aber auch“, mag sich so manches brave Ross dabei gedacht haben, das prompt die Gefälligkeit verweigerte. Die Reiter nahmen es gelassen – mitmachen ist alles, ein schöner Tag in fremdem Gelände unter Reiterfreunden ist ja auch etwas Schönes. Noch bunter kam es in der geräumigen Reithalle, bei der abschließend noch ein Parcours aufgebaut wurde mit für Pferde doch seltsamen Wünschen ihrer Reiter. Aber was macht man nicht alles als braves Ross. Selbst ein Hindernis, das eigentlich jedes Westernpferd „drauf haben“ muss, nämlich das Öffnen eines Weidegatters hoch zu Ross, durchreiten und hinter sich wieder schließen, machte nicht jeder Vierbeiner anstandslos mit. Die Stute mit ihrem Fohlen bei Fuß tat dies gelassen, während ihr Kind sich schlicht duckte und unter der Stange durchmarschierte. Geht doch.
„Albernes Spiel“ stand so manchem wackeren Pferd auf der Stirn geschrieben, als es sich einem Podest nähern sollte, auf dem zwar Äpfel und Möhren lockten, es aber nicht davon naschen, vielmehr seitwärts drumherum traversieren sollte. Den Sprung über ein Cavaletti schafften indes alle – auch das Fohlen, das auf eine künftige Karriere als Springpferd verwies. Aber was ist das denn? Zwischen zwei Cavaletti durchmarschieren und über raschelndes Styropor stolpern – nee, das geht außen vorbei doch viel einfach, dachte sich so manches mitdenkende Pferd. Am unweigerlich folgenden Punkteabzug störten sich die Pferde überhaupt nicht. Tierisch ernst sahen es die Reiter dann auch nicht. Dabei sein ist mehr, als verbissen ernst seinen Willen durchzusetzen. Echter Sportgeist ist eine weit verbreitete Tugend unter den Reitern. Schließlich ist ein Pferd ohne Reiter immer noch ein Pferd, ein Reiter ohne Pferd aber nur noch ein Mensch.
Nachfolgend die Platzierung bei den Erwachsenen: 1. Sabine Zänglein auf Aidana, 2. Marie-Therese Geller (Markgräfin), 3. Andrea Wülk (Sandos); 4. Renate Diez (Talamanca), 5. Marie-Therese Geller (Memelruf). Jugendliche: 1. Luisa Katzenberger (7Jahre) auf Nita Suhnke; 2. Yvonne Diez (13) auf Leila; 3. Jana Ritter (14) auf Wwws Ciska und 4. Annabell Eckert (13) auf Merlin. (ger)+++