Das Traktor Pulling Team Vogelsberg mit ihrem Chef, dem 30jährigen Mike Fölsing, kann stolz sein, denn das Gelände im Herbsteiner Stadtteil Schlechtenwegen gehört zu den Top 3 in Deutschland. Aus diesem Grunde war am Wochenende der Zulauf bei den Deutschen Meisterschaften im Traktor-Pulling (Farm- und Garden Pulling) noch viel größer als ursprünglich angenommen. Am Samstag erlebten etwa 2000 Zuschauer den Event, am Sonntag kamen noch einmal rund 4500 Motorsportbegeisterte, um sich das weit und breit wohl einzigartige Ereignis anzuschauen. Bis auf einem mit einem lauten Knall kaputtgegangenen Turbolader verlief diese Massenveranstaltung ohne jegliche Probleme über die Bühne, weshalb Mike Fölsing den rund 80 eigenen Helfern und den rund 30 Personen der Deutschen Trecker Treck Organisation e.V. (DTTO) nochmals besonders dankte.
Eine Woche Aufbauarbeit im Vorfeld und drei Tage für den Abbau verlangten von den Initiatoren schon eine Menge ab, musste doch im Vorfeld der Deutschen Meisterschaften auf die 100 Meter lange Wettkampfbahn wegen der anhaltenden Trockenheit rund 30000 Liter Wasser abgelassen werden. Immer wieder wurde nach den einzelnen Wettbewerben der Boden maschinell gelockert und mit Wasser besprüht, um optimale Voraussetzungen zu schaffen. Am besten eignet sich nämlich ein Boden mit lehmiger Konsistenz. Dies gelang bei diesen zweiten Deutschen Meisterschaften auch voll und ganz, an denen sich auch etliche motorsportbegeisterte Traktoristen aus dem Vogelsbergkreis beteiligten, insgesamt waren rund 100 Fahrerinnen und Fahrer in knapp 20 Klassen am Start Die beteiligten Feuerwehren aus Schlechtenwegen, Altenschlirf und Steinfurt sowie der Malteser Hilfsdienst Herbstein bekamen trotz 30 Grad Außentemperatur nicht allzu viel Arbeit.
Traktor Pulling kommt ursprünglich aus den USA und ist in Deutschland vor allem in Nord- und Nordwestdeutschland vertreten. Dabei muss in verschiedenen Klassen ein Bremswagen über eine 80 oder 100 Meter lange Strecke gezogen werden. Je näher sich das Fahrzeug dem Ziel nähert, desto schwerer wird der Bremswagen, weshalb sich häufig am Streckenende die Traktoren zur Freude der Zuschauer auch ab und zu vorne in die Höhe stellen. Ziel ist es dabei, den „Full Pull“ also das Ziel zu erreichen, wobei nicht die Geschwindigkeit zählt. Erreichen in einer Klasse mehrere das Klassenziel, gibt es soviel Stechen, bis der Sieger endgültig feststeht. Einmal muss sich für die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften jeder Fahrer vorher qualifizieren, um an dem ranghöchsten Pulling teilzunehmen. In der Sportklasse gab es in Schlechtenwegen bei den 4,5 Tonnen einen Lauf und drei Stechen, bis der endgültige Sieger feststand. In Deutschland werden jährlich etwa 15 solcher Wettbewerbe ausgetragen, in 2011 waren es insgesamt elf. Auch in den Nachbarländern Schweiz und den Niederlanden geht man diesem Sport nach, aus Holland kam auch ohne Wertung ein Teilnehmer. Gewertet wird dabei immer nur die Einzelleistung, wobei ein Traktor durch zusätzliche Gewichte gleich in mehreren Klassen starten kann. So kann ein Fahrzeug zugleich in der Klasse 3,5 Tonnen und mit zusätzlichem Gewicht auch in der Kategorie 4,5 Tonnen an den Start gehen. Am interessanten sind für viele natürlich die Fahrzeuge mit den meisten Pferdestärken, denn solch ein Traktor kommt dann leicht über die 100.000 Euro, sind doch bei den größeren allein die Reifen so hoch wie ein mittelgroßer Mensch. Leistungsstärkere Wettbewerbe als in Schlechtenwegen gibt es nur noch in den offenen Klassen. Abtransportiert bzw. ans Ziel kommen die riesigen Traktoren nur mit Hilfe von Tiefladern. Meist sind es ja Vereine oder Einzelpersonen, die diese Art von Motorsport betreiben, aber manchmal gibt es auch Teams, die einer Firma zugehörig sind, die Produkte im Landmaschinenbereich verkauft.
Mike Fölsing ist auf diese Art von Motorsport durch die Teilnahme an dem 24 Stunden-Rennen im benachbarten Altenschlirf gekommen, das vor vier Jahren gegründete Traktor Pulling Team Vogelsberg mit seinen 32 Mitgliedern hat bei dieser Mammut-Veranstaltung seine Leistungsfähigkeit und sein Organisationstalent eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Im Rahmenprogramm der Deutschen Meisterschaften gab es noch eine Disco, Schlagerparty, Ausstellungen von Pkw eines heimischen Opel-Händlers aus Großenlüder sowie von Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Maschinen sowie Verkaufsstände nicht nur für Getränke und Verpflegung. Einige der Zuschauer waren stilgerecht mit dem Traktor in den Herbsteiner Stadtteil gekommen.
Auch aus dem heimischen Vogelsberg hatten sich einige Teilnehmer für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. Die Wolfs aus Romrod kamen gleich mit vier Traktoren zum Wettkampf nach Schlechtenwegen.
Jeweils die ersten Drei jeder Klasse bekamen einen Pokal.
Ergebnisse Traktor-Pulling der Vogelsberger Teilnehmer in Schlechtenwegen:
Sportklasse bis 3,5 Tonnen 6. Mario Wolf, Romrod, IHC 946
Sportklasse bis 4,5 Tonnen 9. Mario Wolf, Romrod, IHC 946
Bauernklasse bis 4,5 Tonnen 3. Marco Weiß, Herbstein, Fendt; 5. Richard Böttinger, Herbstein, Mercedes Benz Truck; 6. Stefan Böttinger, Herbstein, Hanomag Brilliant; 7. Georg Picker, Herbstein, Fiat 1000 DT;
Bauernklasse bis 5,5 Tonnen 2. Markus Wehner, Hosenfeld, Fendt Vario 310; 3. Jürgen Schneider, Herbstein, Fendt 311; 4. Reinhard Rauber, Grebenhain, Farmer 309;
Bauernklasse bis 6,5 Tonnen 1. Alexander Wolf, Romrod, IHC 1255; 5. Karl-Theo Willmann, Herbstein, Deutz 165; 8. Helmut Rauber, Grebenhain, Daimler Benz MB Truck
Bauernklasse bis 8,5 Tonnen 4. Jan Schad, Wartenberg, John Deere, 6800.
Klasse GP 350 Standard 1. Vanessa Skwor-Lang, Lauterbach, Little Red Baron.+++