Hochdramatisch und aus Hanauer Sicht unnötig spannend, aber ein erfolgreicher Jahresabschluss, der die White Wings in der Tabelle klettern lässt. 74:71 zeigte die Anzeigetafel nach 40 Minuten für die Gäste. Die mitgereisten Dunking Swans und die, die es noch werden wollen, ließen ein lautes „Auswärtssieg“ durch die Halle donnern. Hanaus Anhang weiß eben, wie man Siege feiert. Und Ahnung haben die Schlachtenbummler allemal, wie Hardcore Fan Alexander Leuschel eindrucksvoll unter Beweis stellte. „Wir gewinnen mit drei Punkten“, so seine siegessichere Aussage vor der Partie. Er sollte Recht behalten… Aus seinem heimischen Bau der Main-Kinzig-Halle traute sich auch der Biber WhiWi, der leider nicht auf den Licher Basketbären traf, da dieser verhindert war. WhiWi sorgte dennoch für Begeisterung im Publikum.
Doch zum Spiel: Die Gastgeber gingen schnell mit 5:0 in Führung. Jedoch zeigten die Hanauer eine Reaktion von der Dreierlinie. Ilja Ickert eröffnete den Reigen, Anish Sharda und erneut Ilja Ickert sorgten für insgesamt neun Punkte aus der Distanz. Chris Miles erzielte unter dem Korb dann die Punkte zehn und elf, die die erste Gäste-Führung bedeuteten. Das erste Viertel ging trotzdem mit 26:22 an die Hausherren.
Das zweite sollte dann aber klar den White Wings gehören, die nun auch in der Verteidigung eine Schippe drauf legten und nur neun Punkte zuließen. Nach 15 Minuten konnten sich die Schwäne dann erstmals auf fünf Punkte absetzen, bis zum Pausentee gar auf zehn hochschrauben. Dabei schlugen die White Wings die Basketbären mit ihren eigenen Waffen. Sonst ist es das Team aus Lich, das von der Dreierlinie Akzente setzt.
Nach der Pause pendelte sich der Abstand zunächst bei acht Punkten ein, doch Lich kämpfte sich Punkt um Punkt heran. Kurz vor Viertelende nutzten die Gastgeber ein technisches Foul von Jared Cunningham zum Auftakt eines 8:0-Laufes, der Lich bis auf einen Zähler heranbrachte. „Jared weiß jetzt, welche Worte in Deutschland nicht gerne gehört werden“, sagte Headcoach Hans Beth nach der Partie mit einem Augenzwinkern. Und auch Cunningham konnte die Szene - im Nachhinein - mit Humor nehmen. Auf die Frage, ob er das „F“-Wort benutzt habe, antwortete er trocken: „Ja, ich habe gesagt, ich bin f…rustriert.“
Im Schlussviertel bot sich den Zuschauern zunächst ein zerfahrenes Spiel mit Ballverlusten und Fehlwürfe auf beiden Seiten. Drei Minuten vor Ende drohte die Partie zu kippen. Die Bären übernahmen mit 63:60 die Führung. Die Antwort kam aber prompt. Sebastian Köhnert traf – wie sollte es an diesem Abend auch anders sein – von der Dreierlinie zum 63:63. Ehe Scharfschütze Köhnert den nächsten Distanzwurf traf, durfte Anish Sharda seine Treffsicherheit gleich zwei Mal von der Freiwurflinie und dann noch aus dem Spielverlauf heraus unter Beweis stellen. „In dieser Phase waren wir hellwach, haben aggressiv verteidigt und konnten so schnelle Punkte erzielen“, resümierte Hans Beth. „Damit haben wir verhindert, dass die Begegnung kippt“, ergänzte er und zeigte sich mit der Reaktion der Mannschaft auf die Niederlage in der Vorwoche zufrieden.
Da die Hanauer in Persona von Jared Cunningham und Anish Sharda sich weitere Chancen von der Freiwurflinie nicht entgehen ließen, fuhren die Hanauer am Ende einen glücklichen, aber verdienten Sieg ein. Auch wenn Tyrone Bradshaw der Schlusspunkt mit einem sehenswerten Dunking gegönnt war. Die White Wings klettern damit auf Rang sieben in der Tabelle, ziehen an Lich aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs vorbei und überwintern somit auf einem Play-off-Platz.
Thorsten Wünschmann vom Management spielte nach dem Spiel auf die Einlaufmusik an. „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“, sagte Wünschmann mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Ok, die Zigarre von Hannibal Smith, dem Anführer des legendären A-Teams fehlte, die Zigarillo kam dem Ganzen aber schon sehr nahe. „Die Mannschaft hat eine Reaktion gezeigt, nicht nur weil sie gewonnen hat, sondern weil sie sich voll reingehängt hat und auch unter der Woche hart gearbeitet hat“, sagte Wünschmann, nach dem er nach der Begegnung gegen Bitterfeld eine Trotz-Reaktion gefordert hatte.
Ein Highlight hatte dann auch noch das Team samt Trainerstab für die erneut zahlreich mitgereisten Fans parat. Die Aktion könnte man als „eher untypisch“ einstufen, aber so sind sie halt, die White Wings. Zum Jahresabschluss holte das Team alle mitgereisten Hanauer in die Kabine. „Mit gefühlten 40 Leuten auf 15 Quadratmetern war es doch sehr kuschelig“, wie es Hans Beth formulierte. Das bedankte sich für die „sagenhafte Unterstützung“. Einziger Wermutstropfen: Logan Magnusson sagte nun endgültig „Good bye“.
Nun gehen die Hanau White Wings in die Winterpause. In rund drei Wochen steht dann das Derby gegen den TV Langen in heimischer Halle an. „Dann wird Hanau wieder beben“, versprach Jens Gottwald. +++