Als einen dreisten Versuch von der eigenen Verantwortung und dem eigenen Versagen abzulenken, bezeichnete Bürgermeister und Kreistagsabgeordneter Hans-Jürgen Schäfer die Einlassung des FWG-Kreistagsfraktionsvorsitzenden Friedel Kopp zum Schlitzer Hallenbad. Es habe nie einen einvernehmlichen Beschluss der früheren Kreiskoalition gegeben, dass sich der Kreis mit 800.000 Euro an der Sanierung des Schlitzer Hallenbades beteilige, es an die Stadt übertragen werden solle und diese den Rest, damals von 700.000 Euro, selbst bezahlen solle. Dieses seien die alleinigen Vorstellungen von Herrn Kopp gewesen.
Die CDU, Landrat Marx und er selbst, so Schäfer, seien stets dafür eingetreten, das Bad auf Kreiskosten zu sanieren und es dann voll saniert an die Stadt zu übertragen mit der Auflage, dass die Stadt das Bad weiter betreibt und die Schüler es weiter benutzen können. Dazu habe der Landrat 400.000 Euro im Haushalt ausgabewirksam und 400.000 Euro als Verpflichtungsermächtigung als Anlaufsumme eingestellt. Die Restsumme sollte im Nachfolgejahr veranschlagt werden. Das habe Friedel Kopp nicht mitgemacht und sich jeder Einigung widersetzt. Er habe dies sogar zur Koalitionsfrage erhoben mit der Folge, dass gemäß Koalitionsvertrag die Probleme, über die man sich nicht einigen könne, auf Eis gelegt und nicht behandelt würden.
Geradezu abenteuerlich sei die Behauptung, erklärt Schäfer, die Stadt Schlitz habe die bereit gestellten Mittel nicht abgerufen. Dafür habe es weder eine vertragliche noch rechtliche Grundlage gegeben. Das wisse Kopp als Bürgermeister sehr genau, und es sei traurig, dass er heute so argumentiere statt einfach zuzugeben, dass er stets gegen die Sanierung des kreiseigenen Hallenbades auf Kreiskosten gewesen sei.
Die Umstände, die zur Schließung des Hallenbades jetzt führten, seien durchaus sehr fragwürdig, stellt Schäfer fest. Die Schließung gehe auf einen Bericht der Fachkraft für Arbeitssicherheit vom 28.10.2011 zurück. Die Schließung wurde am 22.12.2011 verfügt. Der Kreis habe also rund zwei Monate gebraucht, um festzustellen, dass eine Gefahrenlage vorhanden sei. Wenn die Gefahrenlage tatsächlich so groß gewesen sei, warum habe der Kreis nicht unmittelbar nach dem 28.10.2011 das Bad geschlossen, fragte Schäfer.
In einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ sei das Auswechseln der Schlösser angeordnet worden, ohne die Stadt, die Schulen, die Schwimmabteilung und die Behindertenschwimmgruppe zu informieren. Die Stadt sei erst auf Nachfrage informiert worden. Das seien doch in der Tat „Wildwestmanieren“ und werfe ein bezeichnendes Licht auf den Umgang des Kreises mit seinen Gemeinden.
Als völlig abwegig bezeichnete Schäfer die jetzt erhobene Forderung, die Stadt Schlitz müsse sich „signifikant“ an der Sanierung des kreiseigenen Hallenbades beteiligen. Warum sollte die Stadt sich an der Sanierung einer kreiseigenen Einrichtung beteiligen, die in erster Linie dem Schulsport diene? Das sei allein die Aufgabe des Kreises. Die Bereitschaft der Stadt, das Bad nach Sanierung zu betreiben, sei schon ein sehr großes Entgegenkommen.
Völlig außer Acht lasse Kopp die Bedeutung des Schwimmsports für den Schulsport. Statt stolz darauf zu sein, dass rund 95 Prozent der Schlitzer Grundschüler schwimmen könnten, während dieses woanders nicht einmal mehr die Hälfte der Kinder könne, und der Vogelsbergkreis eine solche Einrichtung habe, neide Friedel Kopp den Schlitzer Schulen diese Einrichtung. Gemessen an dem gesundheitlichen Vorteil, den man Schülern zukommen lasse durch die Möglichkeit Schwimmunterricht zu haben, seien die Sanierungskosten im Gesamtkontext des Vogelsberger Haushaltes nicht von großer Bedeutung.
Man müsse sich nicht darüber wundern, dass angesichts solcher Vorgänge in Schlitz die Frage diskutiert werde, ob man im Vogelsbergkreis noch gut aufgehoben sei, meinte Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer. Die Stadt Schlitz setze jetzt auf einen vernünftigen Dialog mit dem künftigen Landrat Görig.
"Ich kenne Görigals einen zielorientierten Pragmatiker, und wir werden mit ihm reden und nach einer Lösung suchen", so Schäfer wörtlich.+++