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14.02.12 - Bischofsheim

Ungewöhnliches Eisklettern: Aus 13 Metern Höhe einen Wasserfall hinunter

Wenn man in diesen Wintertagen mit Temperaturen von bis zu Minus 20 Grad an einem 13 Meter hohen Gestell Wasser herunterlaufen lassen würde, dann wird das zu Eis und sieht aus wie ein riesiger, gefrorener Wasserfall. So kann man sich den Eisturm vorstellen, der an der B 279 bei Bischofsheim steht. Die Idee dazu hatte das Outdoor Geschäft Extrem. Mittlerweile ist der Turm eine kleine Attraktion geworden und bei frühlingshaftem Sonnenschein sah man am Wochenende natürlich einige Kletterer an der ungewöhnlichen Eiswand...

Für Michael Beer aus Haselbach in der Rhön war es das erste Mal, ebenso wie für Anna Hemmert und ihren Bruder Stefan aus Wollbach. Als sie vor der riesigen Eiswand standen und die Informationen erhalten hatten, war jedem klar: Das ist eine große Herausforderung. Langsam steigen sie nach oben, haken sich mit den Eispickeln ins Eis, wobei es immer wieder vorkommt, daß Eiskristalle abbrechen und der Pickel nicht greift. "Es ist enorm anstrengend, aber wenn man ein bißchen klettern kann, gehts. Den Schweinehund, den muß man überwinden. Anders geht es nicht," sagt Michael Beer. Das Eis ist spröde und wenn Behr den Pickel gesetzt hatte, ist ihm oftmals das Eis einfach weggeplatzt. Das Eisklettern könne man nicht mit dem Sommerklettern in den Bergen vergleichen. "Da sind Welten Unterschied."

Die jungen Eiskletterer, die sind begeistert und das ist auch Günter Herbert. Er hat die Idee im vergangenen Jahr bei der Bergwacht in Österreich entdeckt, die an solch einem künstlichen Eisturm trainierte. Als er dann hörte, daß in München so etwas ähnliches gemacht worden ist war schnell klar, daß man das auch in der Rhön ausprobieren könnte. So wurde ein Rohr zusammengebaut, das eine Länge von 13 Metern hat. Von oben wurde dann das Wasser herabgelassen, das sofort gefror. "Wir haben am Anfang neun Kubik Wasser gebraucht, insgesamt sind wir jetzt bei 15 Kubik etwa." Um den Grundstock an Eis zu legen, dauerte das etwa zwei bis drei Tage. Je länger man wässert umso breiter wird es und umso größer vom kompletten Volumen.

Der Unterbau ist eine Stahlkonstruktion, gesichert mit Stahlseilen wie man sie vom Senderturm des Bayerischen Rundfunks am Kreuzberg in der Rhön kennt. An der Spitze befindet sich allerdings in Bischofsheim ein Eisenring, an dem die Sicherungsseile angebracht sind und an dem sich der Eiskletterer festhalten kann, wenn er die Spitze erreicht hat. Nicht jeder kann da gleich loslegen. Man muss schon solche Sachen üben und die Technik lernen, sagt Günter Herbert. Wer Klettererfahrung hat, hat es natürlich einfacher. Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, ist es auch wieder einfacher. Das können die Eiskletterer durchaus bestätigen. Anna Hemmert und ihr Bruder Stefan kennen sich eigentlich im Bergsteigen aus. Das Klettern an der Eissäule ist aber ganz etwas anderes, nämlich "verdammt anstrengend, weil es soviel Kraft in den Oberarmen kostet." sagt Anna Hemmert. Sie klettert ansonsten in der Halle und in der Fränkischen Schweiz.

Besonders der Oberkörper wird beansprucht, sagt ihr Bruder Stefan und um die korrekte Bewegungen, die anders sind als beim normalen Bergsteigen. Vor allem die Unterarme werden stark belastet, aber auch die Hände. "Die Hände müssen wirklich starr um den Eispickel herumgreifen und man meint nicht, was da für eine Kraft notwendig ist," fügt Michael Beer an. Natürlich ist man bei der Kletteraktion über ein Seil abgesichert, das von einem zweiten Mann am Boden gehalten wird. Der muß den Kletterer immer im Auge haben und auf seine Anweisungen hören. An der Eisklettersäule ist auch Roland Zschorn. Er war lange Jahre bei der Bergwacht Rhön und für ihn gehörte das Klettern zur Ausbildung. Aber auch ihm sieht man die Anstrengung nach dem Abstieg an. "War eine recht sportliche Erfahrung." Aufgrund der derzeitigen Witterung ist das Eis sehr spröde, um den Gefrierpunkt herum wäre es weicher. Hier splittert halt sehr viel weg." Es war schon recht anspruchsvoll und recht anstrengend sagt der Kletterer.

Der Eiskletterturm bei Bischofsheim ist in diesen Tagen viel gefragt. Vor Ort bekommt man die entsprechende Ausrüstung und natürlich auch wichtige Informationen zum Eisklettern selbst. Wie lange wird der Eisturm wohl noch halten? Am Outdoor Geschäft Extrem hofft man, daß die Temperaturen noch lange anhalten. Übrigens das Klettern ist kostenlos und jeder kann es ausprobieren. Man muß allerdings eine Haftungsausschlußerklärung unterzeichnen. Wer also schon immer einmal hoch hinauswollte und ein bißchen Klettererfahrung hat, der kann sich am Bischofsheimer Eisturm austoben. (hf) +++


- Fotos: Hanns Friedrich


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