"Fulda ist doch ein verschlafenes Städtchen in der hessischen Provinz". Zack. Das ist zumindest die Meinung eines jungen Studenten aus Berlin, den es nach Fulda zum studieren zog. Ihm gefalle die Stadt, die Uni sei in Ordnung und er habe viele Freunde gefunden. Feiern gehört natürlich auch zum Studentenleben. Doch da ist es mit dem "verschlafen" vorbei. Die mögliche Sperrzeitenverkürzung in der fuldischen Kneipenwelt sieht er nicht als Lösung beim Streit um das nächtlichen Treiben im Bermudadreieck und Co. an. Klar, dass Vandalismus, grölendes Partyvolk und viel Dreck in den Straßen der Innenstadt nicht akzeptabel seien, doch mit der Schließung der Kneipen um drei Uhr seien die Schweinereien nicht aus der Welt.
So wie der junge Berliner sehen das viele junge Menschen während einer Podiumsdiskussion am Donnerstag im Parzeller-Verlagshaus. Die Redaktion des Szenemagazins "move36" hatte Gastronomen, Fuldas Bürgermeister und Ordnungsdezernenten Dr. Wolfgang Dippel (Foto oben) sowie den Vizepräsidenten der osthessischen Polizei Günther Voß und den stellvertretenden Dienstgruppenleiter der Polizeistation Fulda Holger Weinrich gemeinsam mit jungen Partygängern an einen großen Tisch geholt. Vertreter der betroffenen Anwohner waren ebenfalls eingeladen, jedoch nicht erschienen.
Über die Probleme zur nächtlichen Stunde waren sich alle einig. Doch wie lässt sich dies gemeinsam lösen? Mehr Polizeipräsenz? Mehr Kontrollen der Ordnungshüter? Härtere Strafen? Oder eben die Schließung der Betriebe um drei Uhr? Bislang dürfen die Kneipen, Clubs, Imbissbetriebe und Discotheken in Hessens zweitjüngster Stadt (Durchschnittsalter rund 42 Jahre) bis fünf Uhr ihre Gäste bewirten. In den meisten Fällen entsteht der Krach und die Verschmutzung bei der frühmorgendlichen Verpflegung etwa an Dönerbuden.
"Ich will keine tote Kneipenwelt", sagte Bürgermeister Dippel. Er machte aber auch deutlich, dass er die Interessen Vieler zu vertreten habe und sich vor allem die Akten mit Anzeigen, Verfehlungen und Lärmbelästigungen tendenziell häufen. "Wir investieren jedes Jahr 300.000 Euro, um Vandalismusschäden auszugleichen. Das kann es nicht sein", machte Dippel deutlich. Es sei die Summe einzelner Probleme. "Wir prüfen derzeit die rechtlichen Möglichkeiten, die Sperrzeit auf drei Uhr zu verlagern", sagte Dippel. Dies sei ein schwieriger Prozess. Er habe sich zudem mit Amtskollegen in vergleichbaren Städten in Hessen und den Nachbarbundesländern unterhalten. Die Ansätze dort seien unterschiedlich.
"Bisher ist nichts entschieden", sagte Dippel. Bevor die Sperrzeitenverordnung geändert werde, will Dippel die Interessensvertreter wieder an einen Tisch holen und mit ihnen darüber diskutieren. Derzeit seien die 18 Ordnungshüter der Stadt auch am Wochenende und nachts in den Kneipenvierteln präsent. Ebenso die Polizei. "Die Polizei schläft nicht. Wir werden den Dienst weiter verstärken", sagte der Leitende Direktor der Polizei Günther Voß. Allerdings müssen sich die Beamten der Polizei um die ganze Stadt kümmern. "Die Frage ist, wie wir es hinkriegen, dass die Anwohner in den Kneipenvierteln zwei Stunden länger schlafen können", sagte Voß und unterstrich, dass die Vertreter von Polizei und Ordnungsamt schon seit dem Jahr 2009 an einer Lösung pfeilen.
Eine Möglichkeit, die derzeit auch geprüft werde: Den Straßenverkauf von alkoholischen Getränken und Essbarem zwischen 23 und 6 Uhr zu untersagen. Doch laut Gerüchten wollen künftig zumindest zwei Lebensmitteldiscounter im stadtnahen Bereich ihre Ladenöffnungszeiten bis 24 Uhr verlängern.
Wunsch aller Beteiligten ist es, künftig weiterhin gemeinsam zu diskutieren und nach der schwierigen Lösung zu suchen. Vielleicht hilft es einfach, wenn sich die grölende, gewaltbereite und kotzende Minderheit einfach ein wenig benimmt. Dann haben alle etwas davon - selbst im "verschlafenen" Fulda. (Hans-Hubertus Braune) +++
...zum Thema Fuldaer Kneipenwelt...
...die Stadt prüft...
...die Sperrzeitenverkürzung...
...Bürgermeister Dr. Wolfgang Dippel will offen und transparent mit Allen diskutieren...
...die Verkürzung auf 3 Uhr bringt nichts, sagen die jungen Menschen...
Schwierige Situation für die Gastronomen...
...den Hut mit der Lösung hat noch niemand auf...
Redakteur Bernd Loskant vom Magazin "move36"...
...hatte zur Diskussion eingeladen: Holger Weinrich (stellv. Dienstgruppenleiter Polizeistation Fulda) Günther Voss (Leitender Direktor Polizeipräsidium Osthessen) und Bürgermeister Dr. Wolfgang Dippel (von links).
Felix Wessling vom Löwen.
Günther Voß in der Bildmitte...
Viele Fragen...
...und Anregungen...
...aber auch viel Skepsis...
Gastronom Jochen Köhler (li) von der "Altstadt"...
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