Es war durchaus ein beeindruckendes Bild, als am Samstagnachmittag am Sportplatz in Ostheim 133 Kopter in die Luft stiegen, um einen Weltrekordversuch zu wagen. Es ging dabei darum, so viele Kopter wie möglich in die Luft zu bringen und dort für einige Minuten zu halten. Was viele für unmöglich hielten, gelang und so darf man nun auf die Entscheidung der Guinessbuch-Experten gespannt sein, ob der Weltrekordversuch gelungen ist. In Ostheim hatten sich am Wochenende an die 150 Kopterfreunde aus ganz Europa getroffen. Sie trugen auf dem Platz Wettbewerbe aus. Der Initiator dieses Treffens ist Klaus Büttner aus dem Ostheimer Stadtteil Unterwaldbehrungen. Er hat solch einen Kopter, ein kleines Fluggerät, gebastelt, an dem man sogar eine kleine Filmkamera anhängen kann. Mit dem Kopter ist es möglich Bilder aus der Sicht eines Vogels oder eines Insekts zu machen.
Was sich am Wochenende am Sportplatz in Ostheim anhörte wie ein riesiger Bienenschwarm, das waren größere und kleinere Fluggeräte, die über den Sportplatz in Ostheim schwirrten. Einige so groß wie eine Hand, andere mit einem Durchmesser von mehr als einem Meter. Ein Kopter ist ein Modellfluggerät, das von oben wie eine große Spinne aussieht oder wie ein Alukreuz mit vier oder mehreren Armen und an den Enden sind ein paar Motoren. So erklärt Klaus Büttner das Fluggerät, das man als Schwebeplattform benutzen kann, indem man eine Kamera drunterhängt. Büttner verweist darauf, dass diese Kopter verwandt mit den Drohnen sind, die das Militär einsetzt. In Ostheim ging es aber nicht um Überwachung, sondern um den "Spaß an der Freud".
Man braucht schon ein bißchen einen technischen Spleen, sagen die Teilnehmer, während sie noch die letzten Vorbereitungen für einen Wettbewerb treffen. Klaus Büttner selbst hat vor wenigen Jahren sein Hobby im Internet entdeckt. " Da hab ich das Ding gesehen und da kam so dieser Des will ich jetzt haben-Impuls". So fing alles einmal an. Heute kennt sich Klaus Büttner, mit dem Spitznamen "Akku" aus, hängt auch mal eine Kamera dran und schießt Luftbilder. Gerne hilft er auch Nachbarn aus, wenn die einmal ihr Dach inspizieren wollen. "Da fliegt man mit der Kamera drüber, wenn der Kopter gelandet ist guckt man die Bilder an und weiß ist es in Ordnung oder nicht." Für den Oberwaldbehrunger ist das Kopterfliegen Spaß und auch der Ausgleich nach der Arbeit.
Ganz anders bei dem Berliner Andreas Buchholz. Er hat mit seinem Kopter sogar schon einmal in dem Kinofilm die Frisöse mitgespielt. Das waren Szenen, wo er mit seinem Kopter, an dem eine kleine Filmkamera hing, an einer Hausfassade entlang geflogen ist und schließlich zum 11. Obergeschoss, zum Balkon aufstieg. Dort spielte die Darstellerin ihre Szene. Danach flog der Kopter über das Gebäude mit dem Blick Richtung Einkaufszentrum. Dort nämlich spielte die Handlung des Filmes. "Diese Verknüpfung, daß man von der Wohnung der Darstellerin bis hin zur Arbeitsstätte fliegen und so eine filmische Verknüpfung schaffen kann, das war das Besondere für die Filmcrew," sagt Andreas Buchholz.
Beim Treffen in Ostheim, da gab es nicht nur Fachgespräche unter den Teilnehmern, sondern jeder sollte auch einmal zeigen, was man mit solch kleinen Fluggeräten alles anstellen kann. Die Flieger sind nämlich enorm wendig. Das zeigte sich, als die Fluggeräte durch ein schmales Tor fliegen mußten. Gewonnen hatte derjenige, der die meisten Durchflüge ohne Abstürze in einer vorgegebenen Zeit schaffte. Die Teilnehmer kamen aus ganz Europa, aus Deutschland von Norden bis Süden, Österreich, Schweiz, Frankreich, Holland, Dänemark und sogar aus der Türker an der syrischen Grenze. Mit dabei waren in Ostheim aber auch die Die Entwickler der verschiedensten Projekte, allen voran das Projekt "Mikrokopter", der diese Art Schwebeplattform populär gemacht hat. Es gab "Camp-Talks" mit kurzen Vorträgen, passend zum Thema. Unter anderem von einem Profi-Filmer und vom "hackerspace FFM", die zum Thema 3D-Drucken informierten.
"Vom kleinen Hobby-Piloten über den Luftbildfotografen bis zum Profifilmer und Universitätsprojekt zeigen alle ihre Entwicklungen und Nachbauten, um die gemeinsame Faszination der ferngesteuerten Flugroboter zu teilen und die Entwicklung voranzubringen." sagt der sichtlich begeisterte Klaus Büttner. Wer in den Abendstunden zum Sportplatz kam der konnte dort leuchtende, verschiedenfarbige Punkte am Nachthimmel sehen. Viele Kopter waren nämlich mit Leuchtdioden ausgestattet. Damit kleine Reparaturen vor Ort auch schnell erledigt werden, gab es sogar eine Mini-CNC-Maschine, die in einem Auto eingebaut war. "Wir können da immer schnell helfen und defekte Teile neu herstellten." Arbeit hatte das CNC-Team genug, wie sich vor Ort zeigte. Insgesamt bot der Sportplatz bei Ostheim am Wochenende ein imposantes Bild mit den großen und kleinen Zelten und vor allem den zahlreichen Teilnehmern und ihren Fluggeräten. Ob übrigens der Weltrekord gelungen ist und der Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde gelingt, das wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen, wenn eine Jury in England entschieden hat. +++