Restauratorin Stephanie Schmitt am etwa 400 Jahre alten Epitaph in der Tanner Niklaskirche - Fotos: Limpert

Zur Freude von Pfarrer Kai Kleina (Mitte rechts) kommen auch während der Restaurierungsarbeiten Besucher in die Niklaskirche, um durch das Baugerüst einen Blick auf das über 400 Jahre alte Epitaph zu werden.

08.06.12 - TANN

Renovierung des Turms der Niklaskirche - "Zweite Glocke wäre i-Tüpfelchen"

Die wurmstichigen und teils ganz verfaulten Eichenholzbalken, die aus dem Glockenturm der Tanner Kirche Sankt Nikolaus stammen und kurzzeitig an dessen Fuß zwischengelagert wurden, lassen keinen Zweifel an der Sanierungsbedürftigkeit des Gebäudeteils aufkommen. Die Kirchenrenovierung befindet sich in der zweiten Bauphase: Nachdem vergangenes Jahr die Reparatur des Dachs, der Orgel und der Heizung abgeschlossen werden konnte und die Fassade einen neuen Anstrich erhalten hat, liegt der Fokus nun auf dem Glockenturm, der vor zwei Jahren notgesichert worden war. Die Kostenschätzung dafür konnte von 178 000 Euro auf 120 000 Euro gesenkt werden. 75.000 Euro – Finanzmittel des Kirchenkreises Fulda, der Tanner Kirchengemeinde sowie Spenden – fanden bereits Verwendung.

Während sich oben im Turmgebälk Zimmermänner zu schaffen machen, untersucht im Kirchenraum Restauratorin Stephanie Schmitt das Epitaph. Dessen Restaurierungskosten wollen die evangelische Landeskirche Kurhessen-Waldeck und das Landesamt für Denkmalpflege gemeinsam übernehmen.  

„Dieses Grabmal Melchior Arnaks von der Tann und seiner Gemahlin Agnes zählt zu den wichtigsten Kunstwerken der Region: Es stammt von 1606, also noch aus der Vorgängerkirche. Nach deren Abriss wurde 1741 die Nikaskirche um es herum gebaut“, erklärt Stadtführerin Carola Nicolaus.

Während die eigentliche Grabeskirche der Familie derer von der Tann ab 1564 die neugebaute evangelische Stadtkirche Sankt Georg war, hatten sich Melchior und seine katholische Frau Agnes in der vor der Reformation erbauten Kirche beisetzen lassen.   Doch nicht nur aufgrund seines Alters handelt es sich bei dem Epitaph um eine Besonderheit. Restauratorin Schmitt verweist auf die Größe und die hohe bildhauerische Qualität des Werkes, das in der unteren Hälfte das Ehepaar Melchior Arnak und Agnes sowie im oberen Teil die Auferstehung Jesu darstellt.  

Als Pfarrer Kai Kleina vor zwei Jahren die Stelle in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Tann antrat, hatte er gerade eine Kirchenrenovierung in Waldeck am Edersee hinter sich. „Aber hier machte ich ganz neue Erfahrungen: Das Engagement der Tanner, egal ob Firmen oder Privatpersonen, ist einmalig. 60 000 Euro an Spenden wurden für den ersten Bauabschnitt gesammelt und 2000 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet.“ Er hofft, dass die Tanner den zweiten Bauabschnitt, obschon weniger spektakulär, mit dem gleichen Enthusiasmus begleiten.  

„Ich nenne sie bewusst Niklaskirche statt Friedhofskirche“, sagt der Pfarrer. Er freue sich, dass sie immer öfter „nicht nur für Trauerfeiern, sondern auch für reguläre Gottesdienste genutzt wird“. Sie lasse sich einfacher heizen als die große Stadtkirche. Und während des diesjährigen Tanner Musiksommers findet dort am 14. Juli ein Oboenkonzert statt. Für November ist ein Benefizkonzert geplant, dessen Einnahmen für die weitere Renovierung gedacht sind. Immerhin fehlen nach derzeitigen Kalkulationen rund 50 000 Euro, um die Arbeiten zu einem Abschluss zu bringen.  

„Wenn wir mit dem Turm fertig sind, haben wir erst einmal Ruhe und das gute Gefühl, auch etwas für die nachfolgenden Generationen geschaffen zu haben“, meint der Pfarrer. Je nachdem, wie weit der Eifer seiner Gemeindemitglieder reicht, hat er ein ehrgeiziges Ziel vor Augen: „Wenn wieder - wie bis zum Zweiten Weltkrieg - im Turm eine zweite Glocke hängen würde, dann wäre dies das I-Tüpfelchen unserer Bemühungen.“   +++

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