Wenn die Rhön neben wunderschönen Aussichten und grünen Landschaften für etwas bekannt ist, dann für die wunderbaren Radwege und Touren, mit denen man sie entdecken kann. Der historisch bedeutende „Via Regia“-Radweg im Landkreis Fulda, der von Flieden bis Wenigentaft führt, gehört nun offiziell dazu. Er wurde am Samstag auf einem Teil des hessischen Verlaufs eingeweiht. Rund 30 Radler trafen sich 10:00 Uhr am Hünfelder Rathaus, um von dort aus die neue Strecke nach Rasdorf zu erkunden. Die Hünfelder Stadträtin Matrina Sauerbier begrüßte die Sportbegeisterten auf dem Rathausplatz. „Der Via Regia-Radweg ist ein tolles Projekt, das Einheimischen und Touristen noch viel Freude bereiten wird. Es liegt nun an uns, diesen Radweg in Besitz zu nehmen. Also dann, auf die Räder“, verkündete die Stadträtin.
Der Radweg führte die Sportler von der Stadtmitte Hünfelds aus durch den Bürgerpark vorbei am Haselsee nach Großenbach. Die Radfahrer konnten am Samstagvormittag auf ihrer Tour den Blick auf das Hessische Kegelspiel genießen und vorbei an Neuwirtshaus über den Hübelsberg nach Rasdorf fahren. Die neun gleichförmig angeordneten Bergkuppen, die sich in der Region um Hünfeld, Burghaun, Eiterfeld und Rasdorf finden, entstanden vor vielen Millionen Jahren durch langsam abkühlende Lava. Der Sage nach spielten hier Riesen einst Kegeln, was der Gegend den Namen des Hessischen Kegelspiels gab. In Rasdorf angekommen, erhielten die Radfahrer eine Führung durch den Ort und trafen sich mit den Sportskos RadHeinze, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den Erlebnisradweg „Via Regia“ von Frankfurt nicht nur bis Krakau, sondern sogar bis Moskau abzuradeln.
Tatsächlich ist die „Via Regia“ eine Straße mit langer, historisch wichtiger Vergangenheit. Die ehemalige „Hohe Straße“ ist eine der wichtigsten europäischen Verkehrsanbindungen vom frühen Mittelalter bis weit in die Neuzeit hinein. 1252 wird sie in einer Urkunde des Markgrafen Heinrich von Meißen das erste mal als „Königsstraße“ („strata regia“) erwähnt, allerdings beginnt ihre Geschichte wahrscheinlich schon im 8./9. Jahrhundert.
Mit der Herausbildung des Thüringer Königreichs könnte die Straße entstanden sein und ein wesentliches Handelsnetz gebildet haben zwischen den Siedlungsgebieten westslawischer Stämme. Der sich seit dem 10. Jahrhundert rasch entwickelnde Fernhandel, das Pilgerwesen und zahllose Kriegszüge um Machtsphären ließen die Bedeutung der „Via Regia“ über die Jahrhunderte hin ständig wachsen. So wurde die Straße auch durch die Truppen Napoleons auf ihren Eroberungsfeldzügen benutzt. Mit dem Bau der Eisenbahn seit 1835 verloren solche Wege schließlich an Wichtigkeit und wurden jahrelang vernachlässigt.
Trotzdem war die Straße seit etwa 200 Jahren eine europäische Magistrale von entscheidender wirtschaftlicher, kultureller, politischer und militärischer Bedeutung. So wurde sie 2005 durch den Europarat zur „europäischen Kulturstraße“ ernannt. Sie verknüpft nun regionale deutsche und polnische Radwege, die sich möglichst nahe an den Verläufen der historischen „Via Regia“ orientieren. Ein sportlicher Ausflug auf der Hohen und ehemaligen Königsstraße, bietet somit auch einen Ausflug in tolle Landschaften mit viel Historie. (ba) +++

Trotz Wind und Wolken trafen sich die motivierten Radler.

Die "Via Regia" von Hünfeld bis Rasdorf...

... verläuft parallel zur Bundesstraße 84.

Am Hünfelder Rathaus ging es für die Radler los.

Stadträtin Monika Sauerbier begrüßte die Gäste.

Als gebürtige Rasdorferin ist es für sie "Pflicht" mitzufahren.

Passend zum Tourstart kam auch die Sonne raus.