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27.06.12 - Bad Neustadt

Patronin bewusst machen - Wallfahrer pilgern auf Fränkischem Marienweg

„Wallfahrer ziehen durch das Tal mit fliegenden Standarten. Hell grüßt ihr doppelter Choral den weiten Gottesgarten.“ – So singen Wallfahrer im wohlbekannten Frankenlied. Am Samstag machte eine große Gruppe von 160 Wallfahrern auf dem Kirchplatz der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt Rast, um sich auf einem Teilstück des Fränkischen Marienwegs unterwegs zu stärken.  Wandern auf dem Fränkischen Marienweg zu einem besonderen Ort ist heute eine sehr beliebte Form des Pilgerns. Seit 2002 gibt es in Unterfranken den „Fränkischen Marienweg“, einen 900 km langen beschilderten Wander- und Radweg, der 50 Wallfahrtsorte und somit auch eine ganze Anzahl reizvoller Landschaften im Bistum Würzburg miteinander verbindet.

Angeführt wurde die Gruppe von Pfarrer Josef Treutlein, einem gebürtigen Bad Königshofener, jetzt Pfarrer in Würzburg-Grombühl. Er hatte die Idee zu dem Weg, der am 15. August 2002, an Maria Himmelfahrt, eröffnet wurde. Treutlein ist selbst ein begeisterter Wallfahrer und möchte die Patronin von Franken gerade bei jüngeren Menschen wieder mehr ins Bewusstsein rücken. Als Grundlage für die Auswahl der 50 Orte diente Treutlein ein altes Wallfahrtsverzeichnis, das er mit eigenen Wünschen ergänzte. Neben Marienwallfahrtsstätten wie Maria Limbach, Maria Ehrenberg oder Maria Frieden sind auch Heilig-Kreuz-Wallfahrtsorte mit dabei wie der Kreuzberg, der Heilige Berg der Franken. Doch damit hat Treutlein kein Problem, im Gegenteil, denn er sagt: „Maria gehört ja organisch immer dazu. Maria steht unter dem Kreuz, Maria führt zu Christus hin – ein ganz wichtiger Gesichtspunkt, den ich auch immer wieder einbringe, wenn ich solche Pilgerwanderungen gestalte."  

Die Wege sind durchgehend ausgeschildert mit einer eigenen Wegmarkierung: Passend zum Marienweg ist die Gottesmutter mit dem Jesuskind abgebildet - in den fränkisch-bayerischen Farben Rot, Weiß und Blau. Weil sich gerade in Franken noch immer viele Leute mit „Grüß Gott" grüßen, taten dies auch die Wallfahrer, die nun in Bad Neustadt Station machten.  Diesen Gruß hat schon der Würzburger Bischof und spätere Kardinal Julius Döpfner gern gebraucht. Er brachte auf den Punkt, was in Franken geschichtlich gewachsen ist: Die Prägung einer ganzen Region im Herzen Deutschlands durch Zeugnisse der Marienverehrung, so Treutlein. Unterwegs auf dem Marienweg finden sich in Stadt und Land unzählige Madonnen an Hauswänden, Bildstöcke am Weg, Grotten in den Gärten, Kapellchen in Feld und Wald. Ein dichtes Netz von Marienwallfahrtsorten durchzieht das Land zwischen Main, Saale, Streu, Wern, Sinn, Kahl und Tauber. Schlichte Volkskunst und Werke von höchstem, künstlerischem Rang erzählen in allen Variationen von der Mutter Jesu, von Vertrauen und Dank, vom christlichen Glauben der Vorfahren. Als „Herzogin von Franken" wird Maria im Lied besungen. Doch vor ihrem Ständchen zum Abschied aus Bad Neustadt hatten die Wallfahrer erst einmal ordentlich Appetit mitgebracht. Für die kräftige und schnelle Verpflegung zeichneten die Malteser aus Mellrichstadt verantwortlich.

Stadtpfarrer Bernold Rauch begrüßte die Wallfahrer mit einem herzlichen Willkommen. In einem kurzen Abriss beleuchtete er die Entstehungsgeschichte der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. „Bei ihrer Einweihung waren tausende von Gläubigen zugegen. Sie alle hier und heute bilden eine kleine Nachhut“, rief er schmunzelnd in die Runde. Pfarrer Treutlein selbst hielt sich ebenso kurz in seiner Ansprache, denn die Wallfahrer hatten nur etwa eine Stunde Rast, bevor sie weiterzogen. Schon früh am Morgen hatten sie sich in Braidbach eingefunden, ihrem eigentlichen Tagesziel, waren nach der Begrüßung per Bustransfers nach Maria Bildhausen gefahren, um dort einen gemeinsamen Gottesdienst zu feiern. Von dort starteten die Pilger singend und betend den Karolinger Weg entlang nach Salz. Vorbei am Bildstock vor dem Haus des unvergessenen Altlandrats Dr. Fritz Steigerwald, der sich stark für die Entstehung des Fränkischen Marienwegs engagierte. Von Mariä Himmelfahrt ging die Wallfahrt über Brendlorenzen und Lebenhan nach Braidbach. Etwa fünfmal jährlich führt Pfarrer Treutlein persönlich solche Tageswallfahrten auf dem Fränkischen Marienweg, erklärte Organisatorin Ulrike Shanel. Wallfahrer seien ein besonderes Völkchen: Sie nehmen Wetterunbilden in Kauf und harte Strapazen, immer getrieben von einem Feuer, das sich Glauben nennt und erfüllt vom Suchen und Fragen nach dem tieferen Sinne des Lebens.  +++

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