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31.08.12 - PARALYMPICS

Hinter jedem Athleten steht ein Physiotherapeut: Ulrich NIEPOTH in London

SCHLITZ/ LONDON. Mit einem nahezu unerschöpflichen Engagement und enormer Passion betreut er die Athleten auch während der Paralympics, an denen er mittlerweile zum fünften Mal  teilnimmt. Zum Zeitpunkt des Interviews ist er schon fast auf dem Weg nach London. „Wenn mein Athlet im Wettkampf steht, bin auch ich im Stadion. Selbst wenn der Präsident behandelt werden wollte – ich bin da, wo mein Athlet gerade ist. Sie wissen alle, dass sie sich unbedingt auf mich verlassen können.“ sagt Ulrich  Niepoth mit Nachdruck.

Er zeigt, dass er mit der Wahl seines Berufes vielmehr ein Leben für die Berufung gewählt hat. Dieser ist er schon früh begegnet. Als Co-Trainer begleitete er im Rahmen seiner Diplom-Arbeit 1991 die Nationalmannschaft für Sitzvolleyball nach Nottingham und schuf damit auch erste Kontakte zum DBS. Direkt nach dem Sportstudium schloss er die Ausbildung als Physiotherapeut an. Selbst Sportler, wusste er, wie elementar Aufbautraining für die Ausübung der jeweiligen Disziplin ist. Zunächst begleitete er die deutschen Sportler noch als Co-Trainer, nach Sydney im Jahr 2000 dann als Physiotherapeut der Nationalmannschaft der Leichtathleten. Seit Beginn seines Engagements für die Sportler des DBS hat er jede EM, WM und auch jedes Trainingslager begleitet. Nur so kann das Team wachsen, das einen Athleten zum persönlichen Erfolg, manchmal sogar bis zur Medallie führt.

Es ist ein diffiziles Miteinander mit dem Athleten an der Spitze. „Als Athlet braucht man ein komplettes Team, um erfolgreich zu sein. Das Team muss perfekt abgestimmt sein und nur wenn man optimal reinpasst, kann der Support auch funktionieren. Ich trage die Athleten mit durch Sieg und Niederlage, da geht es viel um Vertrauen, um Verlässlichkeit über die rein physiotherapeutische Behandlung von Muskeln und Gelenken hinaus. Man ist ganz anders involviert, und auch Kummer und Tränen werden manchmal auf der Liege gleich mitbehandelt.“ Der „Alltag“ während der Paralympics besteht für den Physiotherapeuten aus Schlitz aus sehr langen Arbeitstagen von manchmal über 16 Stunden. Bereits am Tag nach der Eröffnungsfeier beginnt morgens um 8 Uhr sein Dienst in der Medizinabteilung im paralympischen Dorf. Diese ist rund um die Uhr besetzt. 9 Ärzte und 18 Physiotherapeuten sind in Schichten eingeteilt, um alle Athleten zu betreuen. Dazu kommen die Wettkämpfe, das Training, die regulären Behandlungen.

„Abends um 22 Uhr ist Medizinersitzung, aber am nächsten Morgen ist vielleicht dein Athlet dran und der muss um halb sieben raus. Da stehe ich dann mit auf. Und wenn der Athlet Erfolg hat und dich umarmt, dann macht das auch mich glücklich. Mit tollen Kollegen und einem tollen Team ist man zwar erschöpft vom Tag, aber die Zeit ist dann egal. Außerdem ist es oft ein nettes Wiedersehen nach vier Jahren, sonst trifft man sich ja nicht.“ Von der Stadt, in der die Paralympics stattfinden, sieht er kaum etwas anderes als die Sportstätten, das paralympische Dorf und den Flughafen. Aber dennoch empfindet er die Teilnahme an diesem Ereignis in seinem Leben als einzigartige und unvergleichliche Bereicherung. „Es ist die größte Ehre, die man sich vorstellen kann. Die Erlebnisse und Emotionen sind so überwältigend, dass man jede Belastung vergisst. Es sind unsagbare Momente, nicht nur bei den Wettkämpfen, sondern bereits beim Betreten des Stadions, allein beim Einzug der Nationen während der Eröffnungsfeier.“  

Ulrich Niepoth sieht sich aber nicht nur als physiotherapeutischer Betreuer der Sportler. „Ich möchte dabei helfen, dass die Sportler wachsen können, auch über sich selbst hinaus.“ Und er sieht sich als Kämpfer für die Sache. Er ist unter anderem auch deshalb beim DBS geblieben, weil er die Leistungen der behinderten Sportler erstaunlich und bemerkenswert findet. „Es hat mich nie interessiert, dass es anders ist. Es ist deshalb nicht weniger oder mehr hinguckenswert. Es ist die Leistung, die es besonders macht.“ ARD und ZDF berichten dieses Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der Paralympics mit ca. 65 Stunden Übertragungszeit (in Peking 2008 waren es dagegen nur 30 Stunden).

Niepoths Bestreben ist es, dass der Behindertensport mehr Aufmerksamkeit erhält – auch außerhalb der Paralympics. Noch ist es in den nicht-paralympischen Jahren viel zu ruhig um die herausragenden Leistungen der DBS-Sportler. Dabei zeigt er wahrhaft olympischen Kampfgeist, wenn er lachend sagt: „Ich höre nicht eher auf, bis die Paralympics in Deutschland stattfinden“ – und das könnte frühestens 2024 der Fall sein.  (Annette Deibel) +++

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