Nach dem Turnier ist vor dem Turnier und weil beim dreitägigen 28. Sommerreitturnier in Großbardorf alles wie am Schnürchen klappte, können Vorsitzender Wolfgang Mauer und sein Team gleich nach dem Aufräumen schon wieder frohgemut nach vorne blicken. Kein Unfall trübte das Turnier und auch keine unschönen Bilder im Zusammenspiel zwischen Pferd und Reiter. Fairer Sport kennzeichnete das Turnier.
„Reiten ist Suche nach Schönheit, Geradlinigkeit und Wahrheit“ hat sich der Großbardorfer Reit- und Fahrverein das Lebensmotto des portugiesischen Reitmeisters Nuno Oliveira auf die Fahnen geschrieben. Er verstand Reiten als Kunst, wo neben Technik und Gefühl, dem Handwerk und dem Wissen vor allem auch die Liebe einen großen Anteil hat. Als Sport hat er selbst das Reiten allerdings nie betrieben, weswegen er als Turnierreiter nicht bekannt ist. Trotz des durchwachsenen Wetters mit teils heftigen Regenschauern und stürmischen Winden fanden sogar recht viele Zuschauer den Weg ins Grabfelder Reitermekka. Alles gut gelaufen, keine Probleme, wir sind zufrieden, resümierte Karl Hillenbrand als technischer Leiter und Chef der Meldestelle und das, obgleich sich das Niveau der ausgeschriebenen Prüfung heuer deutlich angehoben zeigte. Vielfach äußerten auch Turnierreiter Zufriedenheit mit der Witterung: Lieber kühl und nass als diese extreme Hitze der vergangenen Tage, so deren Resümee. Denn das vertragen die vierbeinigen Athleten sehr viel besser. Dem Sport selbst war das keineswegs abträglich.
Auch Pferde sind nur Menschen, sagt man unter Reitern, unter Kreislaufwetter hätten beide ihre Schwierigkeiten gehabt. Allemal gelohnt hatten sich die heftigen Ausgaben des Vereins im Vorfeld, um sämtliche Außenplätze auch für höchste Ansprüche herzurichten. Auch nach dreitägiger Dauerbelastung und Regengüssen hielten sie durch: Feuerprobe mit Bravour bestanden. Wo sonst fleißige Helfer ständig mit Rechen und anderem Werkzeug im Einsatz sind, um die Flächen rund um die Hindernisse einzuebnen, war dies in Großbardorf absolut nicht nötig. Erfolgreichster Reiter war Sven Fehnl vom Reitclub Eltmann. Der junge Bereiter konnte nicht nur drei von insgesamt vier ausgeschriebenen Springprüfungen der Klasse M, also der höchsten Kategorie des dreitägigen Wettbewerbs für sich entscheiden, er belegte gleich mehrfach noch dazu die vorderen Plätze. Ihm steht aber auch eine stattliche Anzahl von Pferden zur Verfügung. Auch das abschließende Zweisterne-M-Springen mit Siegerrunde, sprich Stechen der Besten um den finalen Sieg zum Ausklang am Sonntag, entschied er mit Platz eins und zwei für sich.
In der zweiten Abteilung des ausgeschriebenen Ein-Sterne-M-Springens am Sonntagvormittag sicherte er sich ebenfalls die beiden ersten Plätze. Das Zeitspringen der mit zwei Sternen als Schwierigkeitsgrad ausgeschrieben Zeitspringens entschied er gar auf Platz eins, zwei und drei für sich. Lokalmatador Holger Bahlo war heuer mit „nur“ zwei verschiedenen Pferden am Start und zwar mit dem erfahrenen Schimmel Cimbalou und dem neuen Crack Cool Casys, konnte aber nicht an vorderster Front mitmischen. Ein neunter Platz im Ein-Sterne-M war das beste Ergebnis von weiteren hinteren Platzierungen. Hervorragende Reiter aus umliegenden Vereinen, wie etwa Stefanie Reichert und Klaus Katzenberger (beide Springen) und Julia Bühner (Dressur) vom Reitclub Rhön in Lebenhan sowie Christoph Herbert aus Querbachshof (Springen) und Jana-Luisa Grösch (Springen) aus Ostheim hinterließen ansehnliche Visitenkarten.
Großer Beliebtheit bei den Zuschauern erfreute sich das lustige Kostümspringen der Kinder und Jugendlichen in der Klasse E. Neben Fliegenpilz, Zauberfee, Clown, Pirat und Schlumpf waren Mädels im Dirndl, einen Tirolerhut sogar auf der Stirn des Pferdes platziert, ebenso unterwegs wie verwegene Indianer und Cowboys. Rund 300 Reiter tummelten sich mit etwas mehr als 500 Pferden an den drei Tagen auf der Vorzeige-Anlage in Großbardorf. Demzufolge mussten die ersten schon sehr früh am Morgen ran: Bedenkt man, dass die Vierbeiner zuvor gefüttert und zurecht gemacht sowie entsprechend reiterlich vorbereitet werden wollen ist Frühaufstehen ein Muss. Und auch des Abends sah man schon Mond und Sterne am Firmament aufziehen. +++