Diese Woche kehrte Marco Trabert von der 30. Weltmeisterschaft der Waldarbeiter aus Weißrussland in die Rhön zurück. Dem 43jährigen Forstwirtschaftsmeister aus Hausen und seinen deutschen Teamkollegen ist bei der WM zwar nicht der gewünschte große Coup geglückt, dennoch kann sich Trabert über eine Goldmedaille und einen neuen Weltrekord freuen.
Nachdem die Deutschen 2008 bei der WM in ihrem Heimatland den Titel geholt hatten und diesen vor zwei Jahren an die Österreicher hatten abgeben müssen, war es natürlich der große Traum, heuer wieder auf dem Siegerpodest zu stehen. „Wir waren sehr gut vorbereitet", sagt Trabert angesichts der zahlreichen Trainingscamps des Kaders und der guten Ergebnisse, die er und seine Teamkollegen in den vergangenen Monaten bei verschiedenen Länder- und Regionalmeisterschaften erzielen konnten. „Und so sind wir auch mit einem guten Gefühl nach Weißrussland gereist", so der Rhöner Erfolgs-Holzfäller.
Das deutsche Team, bestehend aus Marco Trabert und seinen bayerischen Forstkollegen Gerhard Briechle und Dirk Schmidt sowie dem U24-Teilnehmer Florian Huster (Sachsen) unter der Teamführung von Teamchef Markus Wick und Wolfgang Junglas (technischer Leiter) sowie Mannschafts-Betreuer und Ersatzmann Marco Berghöfer machte sich am 22. August auf die Reise nach Belarus, wo vom 23. bis 26. August auf dem Nordischen Olympia-Stützpunkt Raubichi die Wettbewerbe ausgetragen werden sollten.
Großveranstaltungen sind in den ehemaligen Sowjet-Staaten immer noch anders als in den westeuropäischen Ländern, wie das deutsche Team feststellen musste. „Es herrschte ein ziemlicher militärischer Drill und die Kontrollen und Sicherheitsvorkehrungen waren enorm, überall war Polizei aufgeboten", berichtet Trabert. So waren die Athleten auch weitgehend abgeschirmt von den Zuschauern. „Die Wettkampf-Stationen waren großräumig abgesperrt und so konnten die Fans das Geschehen leider nur aus der Ferne verfolgen", bedauert der Rhöner.
Die besten Holzfäller der Welt, etwa 130 Athleten aus 28 Nationen, waren am Start. Am ersten Tag stand der Parcours auf dem Programm und nacheinander wurden die drei Disziplinen Kettenwechsel, Kombinationsschnitt und Präzisionsschnitt abgenommen. Das deutsche Team präsentierte sich in guter Form, beim Kettenwechsel gab es für den dreifachen Weltmeister Gerhard Briechle dieses Mal Silber und Marco Trabert glänzte mit einem fehlerfreien Kombinationsschnitt, holte in dieser Disziplin die Goldmedaille und stellte mit 200 Punkten einen neuen Weltrekord auf.
Am zweiten Tag ging es an die Fällung, aber die schwierigen Verhältnisse – Hanglage und Wind – machten vielen Teams zu schaffen, auch der deutschen Mannschaft, sie musste reichlich „Federn lassen" und fiel im Gesamtklassement zurück.
Am letzten Wettkampftag stand als großes Finale noch die Entastung an. Marco Trabert lag bis dato in der Einzelwertung noch auf Platz acht. Bei der Entastung, die eigentlich zu seinen Meisterdisziplinen gehört, legte Trabert zwar die schnellste Zeit hin, hatte aber drei Fehler, was ihm Punkteabzug einbrachte und schließlich auch Plätze kostete. „Gerhard Briechle schaffte jedoch einen neuen Weltrekord und holte Gold und unser Junior Florian Huster glänzte mit Silber", freut sich Trabert aber über die Leistung seiner Kollegen.
Die sonst bei Waldarbeitsmeisterschaften weniger dominierenden Weißrussen und Russen hatten bei dieser WM mit den Finnen die Nase in sämtlichen Disziplinen vorne. Am Ende konnte das deutsche Team die fehlenden Punkte von der Fällung nicht mehr gutmachen und landete auf Platz sieben. Weltmeister wurde Finnland vor Russland und Weißrussland. Marco Trabert belegte als bester deutscher in der Einzelwertung, bei dem sich ein Russe den Titel holte, Rang 17. Florian Huster konnte bei den Junioren mit einem erfreulichen sechsten Platz aufwarten.
Auch wenn die WM nicht so erfolgreich lief, wie gewünscht, ist die Goldmedaille im Kombinationsschnitt für Marco Trabert doch ein kleines Trostpflaster. „Im Nachhinein gesehen, stand die WM-Teilnahme irgendwie von Anfang an unter keinem so guten Stern", sagt Trabert. Immerhin hatte es schon im Vorfeld der Wettbewerbe Aufregung gegeben. Da die Motorsägen der Athleten nicht im Flugzeug transportiert werden durften, wurde der Transport über den Landweg mit Österreich, Schweiz und Lichtenstein organisiert, wobei allerdings Traberts Säge zwischenzeitlich „verschütt" gegangen war und er kurzfristig noch eine Ersatzsäge einsatzbereit machen und verschicken musste. In Raubichi angekommen musste Trabert dann auch noch feststellen, dass er keine Entastungsschiene im Gepäck hatte – glücklicherweise gestattete das Schiedsgericht, dass Trabert das Teil von seinem Kollegen Briechle ausleihen durfte.
„Aber nach der WM ist vor der WM", meint Trabert und sieht den Auswahlwettbewerben, die im nächsten Jahr für die Kaderfindung der Nationalmannschaft stattfinden, schon mit Vorfreude entgegen. Ausgetragen wird die WM 2014 dann in der Schweiz.
Traberts Frau Gabi und die drei Kinder Julian, Kristian und Jasmina hoffen, dass nun langsam wieder mehr Gemütlichkeit ins Familienleben einkehrt. „Die WM selbst ist gar nicht so schlimm, aber die ganze Vorbereitungszeit in den Monaten vorher, da ist Marco kaum ein Wochenende zuhause", sagt Gabi Trabert. Ein bisschen muss die Familie sich aber noch gedulden. Im September ist Marco weiter jedes Wochenende unterwegs, stehen doch noch die Landesmeisterschaften von Thüringen, Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg auf dem Plan. „Aber ab Oktober ist dann definitiv Schluss für dieses Jahr", sagt der 43jährige in Vorfreude auf die Ruhepause.
Marco Trabert ist übrigens mit einer eigenen Homepage mit viel Informationen zu den Waldarbeitsmeisterschaften im Internet unter www.forstprofi-trabert.de präsent.+++