Moderator Klaus Depta, Bistum Fulda, bei der zweiten Sendung 2012

13.09.12 - FULDA

Hundert Gäste im Café Ideal, für die nicht nur gutes Essen und Trinken, sondern auch Themen auf den Tisch kamen, die mal mehr oder weniger gut „mundeten“: Am Mittwochabend fand zum zweiten Mal in diesem Jahr die Gesprächsrunde „Talk am Dom“ statt und es strahlten die Scheinwerfer konzentriert und direkt auf die fünf Personen auf der Bühne, die etwas zu „verkünden“ hatten. Begleitet vom Moderator Klaus Depta aus dem Bistum Fulda legten sie im Einzelgespräch ihre Themen und Standpunkte dar, die ihr Leben ausmachen.

Das Konzept der Show ist so einfach wie bestechend gut: Klaus Depta erläuterte, dass jeder Gast aus seiner Perspektive und seiner Motivation sprechen solle, es gehe hier nicht um eine Diskussion, denn jeder sei der Experte für sein Thema. Die Menschen, die zur Talkrunde kämen, hätten ein Engagement für eine bestimmte Sache, die motivierend Werbung für den lieben Gott machen könne und nicht unterbrochen werden müsse. Und dieses Showkonzept fand auch besondere Würdigung durch die Gäste. Dr. Reinhard Erös bezeichnete die Show als unprätentiös, da hier keiner durcheinanderquatsche wie bei den üblichen geistigen Tieffliegern im Fernsehen.  

Tränensofa und "Hochzeit online"

Der erste Gast Pfarrer Stefan Krönung hat schon viele Bereiche pastoraler Arbeit neu erfunden: Als Internetpionier startete er die erste Hochzeitsseite online, außerdem eröffnete er die erste Poststelle in einer Pfarrei und stellte ein sogenanntes "Tränensofa" unter die Empore seiner Kirche. Aber der scheinbar größten Herausforderung stellte er sich, als er in den Kasseler Norden berufen wurde. Hier traf er nicht nur in die Diaspora, sondern auch in ein Gebiet mit hoher Arbeitslosenquote und - wie er selbst sagt -  mit etwa 55-57 Nationalitäten. Die Tragödien und Dramen, die sich dort abspielen, konnte und kann der Pfarrer aber bisher gut verkraften und abwenden.

Er berichtete, dass an seiner Kirche Kupferrohrdiebe zugange waren, die er selbst dadurch stellen wollte, dass er sich mit einer Flasche Bier im Gebüsch versteckte. Aber nicht nur Dramatisches spielt sich in seiner Gemeinde „im Brennpunkt“ ab, vielmehr beschreibt er selbst seine Arbeit dort als Kirche, die nah am Menschen sei. Als barmherziger Malteser wende er sich den Menschen besonders wegen ihrer Probleme zu. Kleiderkammern, Mittagstisch und Sozialstundenableistung sind nur Ausschnitte der Arbeit, die Pfarrer Krönungs Gemeinde den Menschen bieten könne.

Kostenlose Umarmungen und Betteln andersherum

Als Urgestein der christlichen Rock-Pop-Musik wurde der zweite Gast Arno Backhaus vom Moderator vorgestellt. Sich selbst und seine Arbeit zu definieren, lag dem sogenannten „E-fun-gelist“ und „Missio-Narr“ aber gestern Abend fern. Sich jedoch selbst als „Sehenswürdigkeit“ zu bezeichnen und zu inszenieren werde seiner Arbeit aber gerechter, erläuterte Arno Backhaus und belegte dies sogleich mit einigen verwirrenden und nachdenklichen Geschichten: Als Arno Backhaus einmal kostenlos Umarmungen verteilte, habe eine 80-jährige Frau dies dankend angenommen. Tränenreich habe sie ihm daraufhin erzählt, dass sie das erste Mal so in den Arm genommen worden sei. Außerdem habe er einmal das Konzept des Bettelns umgedreht: Er wollte kein Geld, sondern verschenkte es stattdessen. Jedoch wollte die Polizei, dass er diese Vorhaben das nächste Mal beim Ordnungsamt anmelde.  

Missbrauch eindämmen mit Selbsterklärungsverpflichtung?

Als dritter Gast kam Anne Schmitz, die Missbrauchsbeauftragte im Bistum Fulda, zu Wort. Sie konnte in erschreckender wie auch eindrucksvoller Weise einen Einblick in die Arbeit mit den Opfern von Missbrauch leisten und erläuterte dazu, dass es in erster Linie für sie darum gehe, das angetane Leid wahrzunehmen und zu würdigen. Erst in dieser angstfreien Atmosphäre könnten die Opfer wieder beginnen, sich langsam wieder aufrecht zu fühlen. Als guten Schritt in eine bessere Zukunft berichtete sie von der Einführung einer Selbsterklärungsverpflichtung für Personen ob Priester oder Jugendleiter, die mit Kindern arbeiten möchten. Mit diesem Papier müsse quasi unterschrieben werden, dass der Respekt einer Person gegenüber nicht durch den Missbrauch von falscher Nähe gefährdet werde. So könne eine neue Kultur entstehen, um die richtige innere Haltung für den respektvollen Umgang mit dem Nächsten zu kultivieren.  

In einer Welt ohne Geräusche und Töne

Als Werner Althaus an die Reihe kam, verstummte der Saal, denn er kommunizierte in Gebärdensprache. Als Gebärdendolmetscher und Sozialarbeiter arbeitet er beim Caritasverband. Zu seiner Arbeit gehören beispielsweise die Begleitung von Gehörlosen zum Behördengang oder er übersetzt Predigten, natürlich eins zu eins. Anschaulich wurde es, als er das Publikum in die Welt eines Gehörlosen einführte: Das akustische Signal eines Weckers wird durch einen intensiven visuellen Lichtreiz ersetzt, was auch bei einem Babyphon funktioniert. Falls man sich jedoch die Decke über den Kopf ziehen würde, könne man den Wecker auch durch eine Kissenvibration ersetzen. Eine Forderung musste der Gehörlosenseelsorger aber ebenfalls aussprechen: Er wies auf den Sachverhalt hin, dass die GEZ ab 2013 auch für behinderte Menschen die Gebühr einführe, jedoch sei dies nicht gerecht, wenn nur zehn Prozent des Programms für Gehörlose übersetzt würden. Deswegen fordere er auch mehr Service für das Bezahlen einer solchen Gebühr.  

Einsatz in Afghanistan 

Der fünfte Gast nahm das Publikum in eine neue Welt mit - in eine, die Gefahr bedeutet: Dr. Reinhard Erös, der einstimmig in den deutschen Medien als „Afghanistan-Kenner“ betitelt wird, erzählte von seinem Leben im Kriegsgebiet Afghanistan. Dass er mit seiner Frau und seinen fünf Kindern so einfach das sichere Deutschland verließ, machte einmal mehr deutlich, wie stark die Motivation gewesen sein muss, in diesem Land zu wirken. Er baut dort seit Jahren Krankenstationen, Waisenhäuser und Schulen auf. Eigentlich brauche man wenigstens ein Drei-Wochen-Seminar, um die Komplexität dieses Landes begreifen zu können, erläuterte Erös.

Er wies in deutlichem Ton daraufhin, dass nicht das richtige Bild von Afghanistan, im Speziellen von der Taliban, vorherrsche, was nicht zuletzt auch durch die Medien verschuldet sei: Beispielsweise habe Dr. Erös, der selbst die Sprache der Paschtunen spricht (etwa 12 Millionen Paschtunen leben in Afghanistan), einmal entrüstet feststellen müssen, dass ein Übersetzer im deutschen Fernsehen das paschtunische Zitat eines Kindes in Afghanistan vollkommen falsch übersetzt habe. Als er den Übersetzer zur Rede stellte, habe er ihm entgegnet, dass er nur das übersetzt habe, was in Deutschland gehört werden wolle.  

So konnten fünf einzigartige Menschen mit ihren spezifischen Themen und Standpunkten zur Rede kommen. Ein weiteres Highlight: Die Sendung wurde nicht nur für den Offenen Kanal aufgezeichnet, sondern auch für den Sender Bibel-TV, sodass sich das Publikum auf circa 44 Millionen Menschen ausdehnen wird.  

Die komplette Aufzeichnung ist zum ersten Mal am 14. September um 20 Uhr im Offenen Kanal zu sehen. Beim nächsten "Talk am Dom" im April 2013 wird Bischof Heinz Josef Algermissen zu Gast sein. (Christina Leinweber)+++


Arno Backhaus

Erös



Pfarrer Stefan Krönung (links), Klaus Depta (rechts)



Gebärdendolmetscher Werner Althaus




Anne Schmitz, Missbrauchsbeauftragte des Bistums


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