Ein Hauch von Alaska weht am Wochenende durch Bermuthshain im Vogelsberg, während dort zum 20. Mal das Schlittenhundewagenrennen durchgeführt wird. Während das Rennen im letzten Jahr den kältegewohnten Hunden zuliebe abgebrochen werden musste, weil die unter der Wärme litten, ist dieses Jahr alles ganz anders: bei geschlossener Schneedecke taten sich die Musher - so heißen die Hundeführer mächtig schwer, denn einen Schlitten hatte keiner dabei. Stattdessen ziehen die Hunde einen Wagen, dessen Räder im Schneematsch steckenblieben und eine große Kraftanstrengung bei Tier und Mensch abverlangten. Doch eine Riesengaudi war es trotzdem. Den Hunden macht die Plackerei nämlich sichtlich Spaß.
Der Schlittenhund gehört zu den ältesten Gebrauchshunden der Welt. Sein Ursprung sind die nördlichen Regionen der Erde. Arktische Wölfe wurden rassebedingt genetisch verändert. Schlittenhunde waren und sind auch heute noch wichtige Begleiter der Menschen dieser Klimazone. Mit seinem Leistungswillen, seiner Widerstandfähigkeit, seiner Genügsamkeit, der damit verbundenen hohen Energiefreigabe und seinem freundlichen Wesen half der Schlittenhund dem Menschen beim Überleben in Eis, Schnee und extremer Kälte. Für die Urvölker des Nordens und die späteren Siedler waren Schlittenhunde zugleich wichtige Jagdgehilfen und familienfreundliche Begleiter.So entstand die Rasse der Samojeden durch das Nomadenvolk der Samojeden in den Weiten Sibiriens. Der Grönlandhund hatte seinen züchterischen Ursprung in Grönland. Der Alaskan Malamute wurde in Nordamerika gezüchtet und der heute sehr bekannte Siberian Husky bei den Tschuktschen. Durch Hundezuchten in Nordamerika auf der Grundlage des Siberian Husky mit Jagd- und Windhunden entstanden die Alaskan Husky.
In der Geschichte der Schlittenhunde gab es Ereignisse, die das Leistungsvermögen dieser Hunde und ihrer Musher (Schlittenhundeführer) sehr deutlich aufgezeigt haben. War es 1925 der legendäre Serumtransport von Nenana nach Nome, wo eine Stafette von Schlittenhundegespannen den Transport aufgrund widrigen Wetters übernahm. Mit dieser Leistung konnten die an Diphtherie erkrankten Einwohner von Nome (Alaska) gerettet werden. Heute erinnert das Iditarod-Rennen über 1.000 Meilen an diese Leistung und lässt den Pioniergeist aufflammen. Oder die vielen Nord- und Südpolexpeditionen, wo Schlittenhunde zum Ziehen schwerer Lasten eingesetzt wurden.
Welcher Hund den Schlitten (bzw. Wagen) zieht und konzentriert arbeitet, bleibt jedem Gespannführer selbst überlassen. Er entscheidet über den Einsatz von reinrassigen (FCI-anerkannte Rasse) oder nicht reinrassigen Schlittenhunden. Wenn man mit seinem Gespann über den verschneiten Trail fährt und den Blick in die Landschaft schweifen lassen kann, ist das Naturerlebnis völlig unabhängig von der eingesetzten Rasse der Hunde.
Die Besucher finden eine anspruchsvolle Rennstrecke vor, eingebettet in die reizvolle Landschaft im Vogelsberg.Der HSSC als Veranstalter und die Organisatoren, allen voran der Männergesangsverein „Eintracht" Bermuthshain, aber auch alle Bürgerinnen und Bürger in und um Bermuthshain geben dieser Veranstaltung den nötigen „Kick". Rennleiter Sebastian Mall und seine Mannschaft sorgen für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Für die Verpflegung der Zuschauer und Musher in der Halle sorgt am gesamten Wochenende der Männergesangverein. An beiden Tagen beginnen die Rennen jeweils um 10:30 Uhr, aufgeteilt in die verschiedenen Kategorien. Die Siegerehrung ist am Sonntag ca. eine Stunde nach dem letzten Zieleinlauf geplant. Bitte zu dieser Veranstaltung keine eigenen Hunde mitbringen, mahnt der Veranstalter aus nachvollziehbaren Gründen.+++
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