Bei der gestrigen Gegendemonstration zum Aufmarsch der "JN" am Hünfelder Bahnhof hat Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel (CDU) eine grundsätzliche Rede zur Thematik gehalten, die hier zum Nachlesen von "ON" im Wortlaut dokumentiert wird.
"Liebe Freunde der weltoffenen Konrad-Zuse-Stadt Hünfeld,
verehrte Kundgebungsteilnehmer,
ich freue mich und ich sage ausdrücklich „Danke" als Bürgermeister dieser Stadt, dass Sie, dass so viele Menschen heute Abend gekommen sind. Sie bekunden damit Ihre Empörung über den Aufmarsch der Jungen Nationaldemokraten in unserer Stadt.
Wir wollen sie nicht, für die ewig Gestrigen ist in Hünfeld kein Platz. Das ist die klare Ansage, die Botschaft, die von diesem Tag, von dieser Kundgebung ausgehen soll: Hünfeld ist eine weltoffene Stadt! Hünfeld hat den Europapreis 2011 erhalten. Dies ist eine Anerkennung für unser Bekenntnis für Aussöhnung, für Völkerfreundschaft und für Mitmenschlichkeit. Wir dürfen und wir werden es nicht zulassen, dass Neo-Nazis, diese ewig Gestrigen, die Köpfe und Herzen unserer Jugend mit ihren Ideen vergiften.
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Danke sage ich allen Initiatoren, Verantwortlichen und Mitwir-kenden am Aktionsbündnis „Nazifreies Hünfeld", ob aus Hünfeld oder der Region Fulda, aber auch unseren Unterstützern für ihre Solidarität für diese eindrucksvolle Demonstration „Nazis den Raum nehmen – Hünfeld nazifrei"!
Danke sage ich auch unserer Ordnungsbehörde und der Polizei des Landes und des Bundes dafür, dass uns diese friedliche Bekundung unseres Bekenntnisses gegen eine menschenverachtende Ideologie ermöglicht wird. Dank Ihres Kommens, dank dieser Demonstration wird der geplante Vorbeimarsch der Nazis an der in der Reichskristallnacht niedergebrannten Synagoge und damit eine Verhöhnung unserer ehemaligen jüdischen Mitbürger verhindert.
Die Jungen Nationaldemokraten haben mit Hünfeld den falschen Platz für ihren Aufmarsch ausgesucht. Hier hat ihre Ideologie keine Chance, das war gestern im Dritten Reich bei der großen Mehrheit unserer Bevölkerung so und das ist heute noch mehr der Fall.
Im Hünfelder Tagebuch der NSDAP aus dem Jahre 1926 ist nachzulesen: „Trotz regster Versammlungstätigkeit und Aufklärung von Mund zu Mund, scharf organisierter Kleinarbeit war es nicht möglich, in der einheimischen Bevölkerung auch nur den geringsten Resonanzboden zu finden."
Als die Menschen dieser Stadt in den 20er Jahren noch die letzte freie Wahl hatten, hatte die NSDAP in Hünfeld kaum einen Fuß auf den Boden bekommen. Lautstark beklagen die Nazis in ihrer Chronik: Hier seien die Menschen verstockt und von frechen Pfaffen aufgewiegelt. Wir sind nicht nur verstockt, wir sind empört, was die menschenverachtende Ideologie der Jungen Nationalen und ihrer Unterstützer angeht.
Wehret den Anfängen! Ein eindrucksvolles Nein gegen alle, die die Grundlagen unserer Demokratie ablehnen, die zur freiheitlich demokratischen Grundordnung im Widerspruch stehen; dies ist für uns Verpflichtung. Dies sind wir auch jenen schuldig, die ihr Leben eingesetzt haben, um den Nationalsozialisten im Dritten Reich entgegen zu treten. So protestierte ein einfacher Müller und Landwirt Adam Rössner aus Hünfeld gegen die Vertreibung unseres Bonifatiusklosters und wurde in Gestapo-Haft geschunden und nur zum Sterben in seine Heimatstadt entlassen.
Der gebürtige Hünfelder Kaufmann Raimund Biedenbach wurde standrechtlich erschossen und der Oblatenpater Friedrich Lorenz aufs Schafott geführt, nur weil sie mutig der nationalsozialistischen Ideologie entgegen getreten waren.
Wir sind stolz auf Wilm Hosenfeld aus dem Hünfelder Stadtteil Mackenzell, der vielen Juden, Gewerkschaftlern und Widerständlern in Polen das Leben gerettet hat. Er schreibt in seinen Tagebuchaufzeichnungen: „Wir sind alle schuldig geworden, weil wir es zugelassen haben."
Wir wollen nicht, wir dürfen nicht ein zweites Mal schuldig werden.
Ja, wehren wir allen Anfängen. Wir alle haben die Verpflichtung, den Neonazis und allen, die so denken wie sie, mit allen rechtstaatlichen Mitteln entgegen zu treten. Wir müssen den Nazis den Raum nehmen.
Den Jungen Nationaldemokraten und allen, die so denken, sagen wir: Wir wollen euch nicht in unserer Stadt, nicht in Deutschland, nicht in einem friedlichen Europa und wir wollen euch nirgends in dieser Welt!
Wir rufen ihnen zu: Für uns ist es unerträglich, wenn ihr über die Stolpersteine trampelt, mit denen an die ermordeten Opfer eurer geistigen Großväter erinnert wird. Wir wollen nicht, dass ihr vorbei marschiert an der niedergebrannten Synagoge, diesem Schandfleck nationalsozialistischen Unrechts. Wir wollen nicht, dass ihr auf der Straße marschiert, auf der 1945 die Nazi-Schergen den Todesmarsch für die ehemaligen Zwangsarbeiter der Adler-Werke führten.
Als wir ertragen mussten, dass die NPD hier in Hünfeld vor dem Rathaus im vergangenen Jahr einen Stand aufbaute, ging keiner hin. Ein alter Hünfelder sagte: „Die Sorte kennen wir noch, die brauchen wir nicht."
Das war damals so, das ist heute so und dies muss auch in Zukunft so bleiben. Dafür wollen wir gemeinsam kraftvoll eintreten. Dank sage ich allen, die den Neonazis die rote Karte zeigen!" +++
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