Klaus Mertens (Bass) im Vordergrund... - Fotos (41): Hendrik Urbin

Dirigent und Domkapellmeister Franz-Peter Huber

25.11.12 - FULDA

"Monumental, dramatisch und einzigartig" - das QUO VADIS-Konzert im Dom

"Imposant und kraftvoll, gewaltig, monumental, packend, dramatisch und harmonisch". Es gibt eine Vielzahl von Attributen, die auf das opulente Kunstwerk zutreffen, das am gestrigen Samstagabend im Fuldaer Dom aufgeführt wurde. Es war ein Höhepunkt und zugleich Abschluss der Feierlichkeiten zum 300-jährigen Domjubiläum - das Werk "Quo vadis" op 30 von Felix Nowowiejski (1877 - 1946). Vor genau 100 Jahren zum damals 200. Geburtstag der Bischofskathedrale uraufgeführt - mit 150 Sängern und der Kapelle des 71. Infanterieregiments aus Erfurt. Am gestrigen Abend waren es 300 Sänger und Musiker: die Fuldaer  Domchöre (Domchor und JugendKathedralChor) sangen zusammen mit dem Bachchor der Erlöserkirche aus Bad Homburg (Einstudierung und Chororgel: Kantorin Susanne Rohn) und  dazu spielte die Thüringische Philharmonie aus Gotha. Dazu die  Angelika Bamber (Sopran) und Klaus Mertens (Bass). Die Domorgel spielte Prof. Hans-Jürgen Kaiser und die Gesamtleitung als Dirigent hatte Fuldas Domkapellmeister Franz-Peter Huber. 

Es war ein einzigartiges Erlebnis, ein gewaltiger Klangkörper - und die knapp 1.000 Menschen fasziniert und auf ganz besondere in den Bann einer Musik gezogen, von der  Domkapellmeister Huber sagte: "Die Musik ist leicht zu verstehen, auch die Handlung ist leicht mitzubekommen. Es ist für den Chor nicht leicht, aber leicht zu hören für die Zuhörer."

Der Fuldaer Dom war für dieses einzigartige Konzertwerk im Altarbereich völlig umgestaltet worden. Eine riesige Tribüne für die fast 250 Sängerinnen und Sänger mit einer Höhe von etwa acht Metern, davor mehrere Reihen der Kirchenbänke ausgebaut und im hinteren Teil wieder aufgestellt, dazu jede Menge Elektrik und Technik, um diese einzigartie Aufführung für die Nachwelt aufzuzeichnen bzw. Strom für Lampen oder auch die Sitzheizungen der Musiker bereit zu stellen. Um allen Konzertbesuchern eine Sitzmöglichkeit zu bieten, waren in den Seitengängen noch ausreichend Stühle aufgestellt worden.

Um die dramatischen Szenen für Soli, Chor und Orchester nachzuvollziehen, muss man das Zwei-Stunden-Werk buchstäblich miterlebt ja fast mitgefühlt haben. Gewaltige Klangausbrüche -  so beschrieb es Huber gegenüber dem hr4-Radio - wechselten mit zarten, lyrischen Passagen: "Da hört man viel Wagner-Klänge, die farbige und packende Harmonisierung und die Dramatik, die in diesem Stück liegt. Und natürlich auch letztendlich die Wucht und die Masse, die da bewegt wird." Jeder werde sich ganz sicher gefangen nehmen lassen von einer Atmosphäre und einer Dramatik, der sich keiner entziehen könne, so der Domkapellmeister vor der Aufführung, für die monatelang intensiv geprobt worden war.

Es war sicher hilfreich, wenn sich Konzertbesucher schon vor der Aufführung mit diesem monumentalen Stück beschäftigt hatten - auch um die verschiedenen Bilder und Szenen zu verstehen. Da geht es zunächst um den Brand Roms, um den Prätorianer-Marsch und Aufzug der Leibgarde Neros auf dem Forum Romanum, die Nächtliche Versammlung und die Erscheinung Jesu Christi.  Die Geschichte, die das Oratorium erzählt, spielt zur Zeit der Christenverfolgung im alten Rom unter der Herrschaft des Kaisers Nero. Der Apostel Petrus verlässt auf Drängen der jungen Christengemeinde die Stadt, um sein Leben zu retten. Auf der Via Appia begegnet ihm Jesus. Petrus erkennt den Auferstandenen und fragt ihn:" Quo vadis, Domine?"- „Wohin gehst du, Herr?" Jesus antwortet ihm: „Ich gehe nach Rom, um mich abermals kreuzigen zu lassen!"

"Im Erleben dieser Musik aus dem Anfang des 20. Jahrhundert wird vor allem der beeindruckende Gewinn der Konzertaufführung liegen" schrieb der bekannte Kirchenmusikdirektor Martin Bartsch, der im Frühjahr 2013 in Kassel die Matthäus-Passion dirigieren wird.  Ein unbefangener Zugang zu dem textlichen Inhalt dürfte nicht allen Zuhörern leicht gefallen sein, meinte er und bezog sich etwa auf die große Verehrung des Jesus-Jüngers Petrus, die in ihren Ausmaßen nicht immer und selbstverständlich nachzuvollziehen war.

Das Oratorium des polnischen Komponisten war um 1910 weltbekannt. Sein Komponist wurde in der Carnegie Hall in New York als der „neue Messias des Oratoriums" gefeiert. Doch die eigentliche Uraufführung erfolgte schon am 22. Oktober 1909 in Amsterdam, wo Notenmaterial benutzt wurde, das nachweislich 1909 im Verlag Maier in Fulda gedruckt wurde. Und Verleger Richard Maier war der katholischen Kirche in Fulda eng verbunden, hatte über den damaligen Fuldaer Bischof Joseph Damian Schmitt regelmäßige Kontakte zum Vatikan. Komponist Nowowiejski hatte mit diesem Erfolgsstück an einen "literarischen Hit" angeknüpft. 1905 ging nämlich der Nobelpreis für Literatur an den polnischen Schriftschteller Henryk Sienkiewicz für seinen Roman „Quo vadis?", der 1895 erschien und schnell in praktisch alle europäischen Sprachen übersetzt wurde. Es gibt auch eine bekannte Verfilmung.

Es sei die Initiative von Verleger Maier gewesen - so schrieb Kirchenmusikdirektor Bartsch in einem Vorwort zum Programmheft der gestrigen Aufführung - der den Fuldaer Oratorienverein "Caecilia" Fulda dazu brachte, unter Mitwirkung des erweiterten Orchesters des Infantrie-Regiments Nr. 71 aus Erfurt die "Dramatischen Szenen QUO VADIS?" am 12. Mai 1912 im Fuldaer Großen Stadtsaal aufzuführen.

Übrigens: die Aufführung von "Quo vadis" wird durchaus als ein "ökumenisches Projekt" und eine "erfreuliche Kooperation" gesehen, denn: nach der Aufführung am gestrigen Samstag im Fuldaer Dom wird das "monumentale Stück" am heutigen Sonntag noch einmal um 17 Uhr von Bachchor und Domchören in der evangelischen Christus-Erlöserkirche von Bad Homburg aufgeführt (MARTIN ANGELSTEIN) +++


Auch ein monumentales Bild: 300 Sänger und Musiker...





































Die gigantische Bühne im Fuldaer Dom - von hinten...


...aber dieses Bild bekamen Konzertbesucher nicht mit..

...sondern sie erlebten dieses imposante Bild...


Die Fuldaer Domchöre und der Bachchor aus Bad Homburg ....

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