01.12.12 - REGION

Unklare Zukunft! BRAUEREI ALSFELD AG meldete am Donnerstag Insolvenz an

Die seit 154 Jahren bestehende Alsfelder Brauerei mit über 40 Arbeitsplätzen hat am  Donnerstag  beim Amtsgericht Gießen durch ihren Vorstand Dieter Resch (Foto)  Insolvenz angemeldet (Aktenzeichen 6 IN 241/12 ). Nach einer Information des Gerichtes wurde der Antrag gestellt, über das Vermögen der Alsfeld Brauerei AG ein Insolvenzverfahren zu eröffnen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Frankfurter Rechtsanwalt Dr. Jan Markus Plathner bestellt. Wie es in der Mitteilung des Gerichts heißt, wurde der Schuldnerin verboten, Forderungen einzuziehen, sie abzutreten oder auf andere Weise darüber zu verfügen. Der Schuldnerin wurde ferner verboten, ohne Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters Anlage- oder Umlaufvermögen oder sonstiges Eigentum zu veräußern, zu verpfänden oder in sonstiger Weise zu belasten. Der vorläufige Insolvenzverwalter wird ermächtigt, Bankguthaben und sonstige Forderungen einzuziehen sowie eingehende Gelder entgegenzunehmen. Die Zukunft der Vogelsberger Traditionsbrauerei ist damit unklar, denn am Freitag waren weder von der Brauerei noch dem Insolvenzverwalter eine Stellungnahme zu erhalten.

Die Brauerei Alsfeld AG hat ihren Sitz in der malerischen Kleinstadt Alsfeld. Im Jahr 1858 übernahm Leopold Wallach von der Bäckerzunft den Braubetrieb, nachdem die Stadt ihr Brauhaus und ihr Braumonopol aufgegeben hatte. 1935 wurde aufgrund politischer Ereignisse die von Karl Wallach geführte Brauerei von einer neu gegründeten Genossenschaft übernommen. Ende der achtziger Jahre wurde die Entscheidung getroffen, eine Mineralwasserquelle zu bohren. Man wurde fündig und entwickelte alkoholfreie Getränke unter dem Namen VOGELSBERGER. Seither werden auch die ALSFELDER Biere mit Mineralwasser aus dem eigenen Brunnen abgefüllt. In 1993 wurde die Brauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und Mitglied der RhönSprudel-Gruppe. Seit 2008 ist die Brauerei Alsfeld AG wieder konzernunabhängig und selbstständig. In diesem Jahr wurden erstmals Biobiere produziert. In 2009 wurde das ALSFELDER BIO LANDDINKEL mit dem European Beer Star Award in Bronze ausgezeichnet. In 2011 begann die Zusammenarbeit mit heimischen Landwirten, um heimische Gerste zu Alsfelder Bier zu verarbeiten.

RhönSprudel verkaufte 85 %-Aktienpaket der Alsfelder Brauerei an Dieter RESCH

Genau 15 Jahre nach der Übernahme durch den Kauf eines 85-prozentigen Aktienpaketes hatte die osthessische RhönSprudel-Gruppe 2008 die Brauerei Alsfeld im oberhessischen Vogelsbergkreis an den bisherigen Brauhaus-Geschäftsführer Dieter Resch (48) verkauft. Diese Entscheidung kam eigentlich nicht überraschend, denn in den vergangenen Monaten hatte es zahlreiche Gerüchte um Neustrukturierungen des Brunnenbetriebes im Besitz der Familie Schindel gegeben. Man wolle sich "in schwierigen Zeiten auf dem Mineralwasser-Markt ganz auf seine Kernkompetenz konzentrieren" hieß es damals in einer Erklärung der RhönSprudel-Geschäftsleitung, wobei keine Angaben zum Verkaufspreis gemacht wurden.

Seit 1781 werden die Quellen des MineralBrunnen RhönSprudel genutzt, seit 1911 ist der Brunnenbetrieb im Besitz der Familie Schindel. Die RhönSprudel-Gruppe gehört nach eigenen Angaben zu den Top 12 der genau 223 Mineralbrunnen in Deutschland. "Diese Position unterstreicht die Qualität unserer Produkte, belohnt das weitsichtige Management sowie den Mut zu Innovation und Expansion" heißt es in einer Selbstdarstellung des Unternehmens, das seit 1989 von Egon Schindel als Firmenchef in dritter Generation geführt wird.

Sowohl die Alsfelder Brauerei als auch RhönSprudel sind wichtige Sponsoren in der Region Osthessen, als Hauptsponsor etwa beim Bundesliga-Tischtennisverein TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell. Neben dem verkauften Aktienpaket befinden sich noch weitere 15 Prozent im "Streubesitz" von etwa 200 Aktionären - das sind überwiegend Gastwirte in der Region. Frei gehandelt werden die Firmenanteile nicht.

Allerdings - und das macht ein Blick auf das persönliche Umfeld des neuen Brauerei-Eigentümers deutlich - bleibt die Brauerei Alsfeld quasi im "Familienbesitz". Resch ist seit Jahren Lebensgefährte von Gabriele Nitz, der Schwester von RhönSprudel-Chef Egon Schindel und Miteigentümerin von RhönSprudel. Und Frau Nitz machte auch gegenüber Medienvertretern deutlich, dass "ein Verkauf an eine fremde Brauerei" nie zur Diskussion gestanden habe, sondern man das Unternehmen immer "in der Familie" behalten wollte. Mit bis zu 60 Mitarbeitern und einem Ausstoß von 120 000 Hektolitern - davon 65 000 Hektoliter Alsfelder Bier, 35 000 Hektoliter Mineralwasser und Limonaden der Marke »Vogelsberger« und 20 000 Hektoliter Fremdabfüllungen - zu den kleineren Brauereien in Hessen.

Im Frühjahr 2008 brachte die Alsfelder Brauerei als erstes Brauhaus in Hessen mehrere Bio-Biere der Sorten Landpils, Landdinkel, Landemmer und Landbock als "Bier mit einzigartigem Geschmack" auf den Markt gebracht. Die Alsfelder Brauerei kann auf eine sehr lange Tradition zurückblicken. Bereits aus dem Jahre 1414 gíbt es verbriefte Zeugen der Alsfelder Braukunst. Ein großes Brauhaus wurde 1533 errichtet, es gab den bekannten "Alsfelder Braukrieg" Mitte des 17. Jahrhunderts und 1904 wurde die Brauerei am heutigen Standort errichtet. 1993 wurde die Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und war seitdem als Brauerei Alsfeld AG Mitglied der RhönSprudel-Gruppe. +++


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