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17.12.12 - Kleinsassen

Louise LANGGAARD: Kunststation würdigt Ausnahme-Künstlerin

Eine Ausstellung in der Kunststation Kleinsassen dokumentiert das beeindruckende Frühwerk von Louise Langgaard (1883-1974) Bewegung spielte im Leben und Schaffen von Louise Langgaard (1883-1974) eine entscheidende Rolle. Als Künstlerin hielt sie immer wieder den menschlichen Körper in Bildern und Blättern fest, fing Dynamik mit Pinsel und Farbe, mit Kohle oder Stift auf Leinwand und Papier ein. Das intensive künstlerische Ausloten der bewussten, raumgreifenden Bewegungsentfaltung des Menschen vor allem in ihren Akten führte schließlich dazu, dass sie sich der gymnastischen Ausbildung widmete und ab 1912 mit Hedwig von Rohden in Kassel am „Seminar für Klassische Gymnastik" wirkte. Mit ihr zusammen gründete sie nach dem Ersten Weltkrieg die „Loheland Schule für Gymnastik, Landbau und Handwerk" und prägte diese bis zu ihrem Tod 1974. „Louise Langgaard – Leben ist Bewegung" lautet denn auch der treffliche Titel einer mehr als sehenswerten Ausstellung in der Kunststation Kleinsassen, die das fast unbekannte Frühwerk der Künstlerin bis zum 27. Februar 2013 erstmals präsentiert und so einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich macht.2010 wurde in Loheland aus dem Besitz von Louise Langgaard eine alte Truhe mit rund 800 Arbeiten auf Papier gefunden, die seit Mitte der 1920er Jahre nicht mehr geöffnet worden war.

Die Zeichnungen und Bilder, die sich darin fanden und die das Gros der Ausstellung ausmachen, wurden von Elisabeth Mollenhauer-Klüber, Archivarin der Loheland-Stiftung, und Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth Heil gesichtet, beispielhaft ausgewählt und chronologisch den Phasen der künstlerischen Entwicklung Langgaards zugeordnet. Paradigmatisch zeichnen sie den kreativen Schaffensweg nach – beginnend mit frühen Beweisen ihres zeichnerischen Talents über Studien und Skizzen aus ihrer Zeit an Zeichenschulen bis hin zu grandiosen Akten und Porträts. Ölbilder und einige Arbeiten, die im Rahmen der Gymnastikausbildung in Loheland als anatomische Studien entstanden sind, ergänzen die ebenso lehrreiche wie Schau, die sich sensibel einer außergewöhnlichen Frau und ihrer Liebe zur Bewegung nähert.Louise Langgaard, gesegnet mit einem herausragenden Zeichentalent, schlug Anfang des 20. Jahrhunderts allen Widerständen zum Trotz den Weg ein, freischaffende Malerin zu werden.

Da Frauen an Kunstakademien nicht zugelassen waren, perfektionierte sie um die Jahrhundertwende auf den kunstgewerblich ausgerichteten Zeichenschulen in Stuttgart und Dresden ihr Können, war sich aber bereits damals sicher, dass sie nicht die kunstgewerbliche Richtung einschlagen würde. Beispiele für Arbeiten aus jener Zeit sind Muster für Kissen und Fliesen in Mischtechnik sowie in Tusche und Aquarell auf Karton, anmutige Entwürfe für Buchumschläge, Pastellzeichnungen nach ornamentreichen Gipsmodellen und immer wieder in den unterschiedlichsten Techniken festgehaltene florale Finessen wie Lilien – von der Naturstudie bis hin zur Stilisierung im Formenspiel des Jugendstil –, dekorative Stillleben und lebensnahe Naturansichten. Später – so fand Kuratorin Dr. Elisabeth Heil heraus – mied Louise Langgaard Blumenmotive. 1901 legte sie das Zeichenlehrerinnenexamen ab, besuchte die private Malschule von Georg Lühring. Eine kleine Auswahl von Lührings Akten und Porträts bereichert die Schau. Die Arbeiten verdeutlichen, dass sich Langgaard anfangs am akademischen Stil ihres Lehrers orientierte, in den Folgejahren aber mehr und mehr zu einer eigenen Bildwelt fand, in der Bewegung einen immer wichtigeren Platz einnahm.Sie gründete ein eigenes Schulatelier, unternahm Sommerreisen nach Ungarn und Rumänien, wo sie mit anderen Künstlern in Kontakt kam. Immer mehr wendete sie sich dem menschlichen Körper zu. Die männlichen und weiblichen Akte, die bis 1911 entstanden sind, belegen dies eindringlich. Und doch wollte kein Galerist je ihre Werke ausstellen. Langgaards Suche nach einem neuen Frauenkünstlertypus und ihre Beschäftigung mit der Bewegung führten schließlich dazu, dass sie eine Gymnastikausbildung begann und ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem Körper in eine ganzheitliche Betrachtung überging. Bis zu ihrem 25. Lebensjahr hat Louise Langgaard gemalt und danach ihr Leben ganz in den Dienst von Loheland gestellt, verstand Studien der Anatomie und der Bewegung fortan als Teil der gymnastischen Ausbildung.

Auch Beispiele dafür vereint die Präsentation.Wer mehr über diese faszinierende Frau, ihr Leben und ihr Wirken erfahren möchte, der sollte den zur Ausstellung erschienenen Katalog zur Hand nehmen: Der reich illustrierte Band mit exquisiten Reproduktionen der ausgestellten Bilder und Blätter trägt den Titel „Suche nach dem neuen Künstlerfrauentypus – Louise Langgaards künstlerisches Frühwerk 1899-1911. Wegstationen zur Gründung Lohelands" sowie überaus lesenswerte Beiträge. Er wurde für die Loheland-Stiftung herausgegeben von Elisabeth Mollenhauer-Klüber und Dr. Elisabeth Heil, kostet 12,50 Euro und ist an der Kasse der Kunststation erhältlich. Die Publikation dokumentiert auf 112 Seiten die aktuellen Forschungsergebnisse zum Frühwerk Langgaards, dem erst jetzt die längst fällige Aufmerksamkeit zuteil wird – ein gemeinsames Verdienst von Loheland-Stiftung und Kunststation Kleinsassen.+++Klaus H. Orth

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