Der demografische Wandel und seine Folgen – ein Thema, dass nicht nur in Medien und Politik stark diskutiert wird. Auch und vor allem ländliche Gebiete, Kleinstädte und Gemeinden machen sich Gedanken über ihre künftigen Entwicklungen. Denn: egal was die Politik beschließt, um eine Bevölkerungsabnahme in ländlichen Raum zu verhindern, damit umgehen müssen am Ende sicherlich die Bewohner der Gebiete. So beschäftigten sich auch die Gemeindemitglieder in Poppenhausen mit dem Thema "Demografischer Wandel" während des Jahresempfanges am Mittwochabend.
„Krämpeln wir die Ärmel hoch und beschreiten das Jahr 2013 mit viel Energie, solange die Politik es zulässt." Mit diesem Appell eröffnete der Vorsitzende der Gemeindevertretung Helmuth Sapper den Jahresempfang. Rund 250 Gäste aus lokaler Politik, Wirtschaft, Geistlichkeit und Ehrenamt waren in das Von-Steinrück-Haus gekommen, um auf das vergangene Jahr zu blicken und zugleich die Ziele im neuen Jahr für den Luftkurort zu definieren. Neben witzigen und musikalischen Darbietungen vom Chor der Poppenhausener Grundschule und gewohnt nachdenklichen Tönen von Pianist und Sänger Frank Tischer, stand dabei vor allem die Rede des Poppenhausener Bürgermeisters im Fokus.
„Wir nutzen diesen Jahresempfang, um Ehrenamtlichen zu danken, diverse Themen anzusprechen, eine Bilanz zu ziehen und Ziele festzuhalten", so Bürgermeister Manfred Helfrich. Wenn man auf das Jahr 2012 für Poppenhausen zurückblicke, so denke man vor allem an den „viel zu milden Winter", der den Liftbetreibern auf der Wasserkuppe und dem Rhöner Tourismus prinzipiell nicht gut tue. Der verlorene Umsatz sei kaum einzuholen, „aber die Skisaison ist ja noch lang", so Helfrich. Dazu habe es viele Höhepunkte im letzten Jahr für das Rhönstädtchen gegeben, wie die kleine Regionalmesse als „Besuchermagnet", die Zweitplatzierung Poppenhausens als „schönster Wanderort Hessens" durch die Zuschauer des Hessischen Rundfunks und den „Poppenhausener Liebesweg", der ein großes Medieninteresse auf sich zog und sichtlich die Tourismus-Wirtschaft ansteigen ließ.
Neben den Erfolgen des Rhönstädtchens wurden auch Probleme und Themen mit hohem Diskussionspotenzial angesprochen, wie das Thema Windenergie. So habe das Regierungspräsidium Kassel festgestellt, dass der Natur- und Vogelschutz in der Rhön und die Mindestabstände zu Siedlungsräumen gewahrt werden müssen, so dass es in der hohen Rhön keine Windkraftanlagen geben werde. „Da unser finanzieller Rahmen eher bescheiden ist, müssen die eigenen Investitionen für dieses Jahr den begrenzten Möglichkeiten angepasst werden", so Helfrich. Diese seien in 2013 geprägt von der Fortführung und Vollendung bereits begonnener Projekte, insbesondere einige Maßnahmen der Dorferneuerung im öffentlichen Bereich.
Im Fokus liege für Gemeinden wie Poppenhausen aber – wie bereits erwähnt – vor allem der Demografische Wandel, der dem ländlichen Raum zu schaffen mache. „Die finanziellen Zuweisungen aus dem Kommunalen Finanzausgleich sind deutlich zu niedrig", was die mageren Gewerbesteuereinnnahmen und die geringen Anteile an der Einkommenssteuer zeigen würden. „Mit der geringen Zuweisung, die wir in Poppenhausen für 2013 bekommen, können wir bei steigenden Kosten und wachsenden Pflichten nicht zurechtkommen. Wir in der Gemeinde Poppenhausen fühlen uns unzureichend versorgt", so der Bürgermeister. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat bereits im vergangenen Jahr diverse Forschungsprogramme auf den Plan gerufen, mit denen die Konsequenzen des Demografischen Wandels für den ländlichen Raum festgestellt werden sollen, damit Politik und Gesellschaft reagieren können. Fest stehe laut Forschungsinstituten und Stiftungen (Quelle z.B.: Hanns-Seidel-Stiftung, www.hss.de) zumindest, dass die Menschen gern auf dem Land leben würden und man diese Vorlieben mit einer umfangreichen Infrastruktur verstärken müsse.
Helfrich sieht die Chancen seiner Rhöngemeinde ganz klar: „Unser Potenzial sind schließlich die Menschen, die heimatverbunden, bodenständig, traditionsbewusst, tüchtig und rechtschaffen sind". Mit diesen Gedanken beendete der Bürgermeister seine Rede und gab Raum für die Speisen der Guckai-Stuben und ein geselliges Miteinander. (ba) +++ 