Der nächtliche K.O.-Tropfen-Anschlag auf die Gäste des Fuldaer Turnermaskenballs hat Veranstalter, Besucher und die weite Öffentlichkeit geschockt. Das Negativ-Ereignis sorgt für bundesweite Schlagzeilen. Hermann-Josef Trabert gehört seit 18 Jahren zum Veranstalterteam der "Förderer des Handballsports" und sagte am Sonntag zu osthessen-news.de: "Wir wurden von der Situation überrascht. Besonders schlimm ist die Hilflosigkeit - man kann nichts dagegen tun." Seit der Wiederbelebung des "Balls" als große Fastnachtsparty im Jahr 1996 sei nie irgendetwas passiert. Die Sicherheitsvorkehrungen waren schon immer hoch: Security, Feuerwehr und Sanitätsdienst wurden engagiert - "immer angepasst an die wachsende Besucherzahl".
Es war die Mega-Karnevalsparty am Fastnachtssamstag in der Fuldaer Esperantohalle. 3.500 Gäste tobten sich beim legendären Turnermaskenball aus. Es wurde getrunken, was das Zeug hielt. Die Stimmung war spitze, brach allerdings abrupt ab. Denn unter den Gästen waren ein oder mehrere Täter: heimlich kippten sie vermutlich K.O.-Tropfen in die offenen Getränke - wahrscheinlich nur bei Frauen. Die erschreckende Bilanz der Polizei: sieben Damen im Alter zwischen 22 und 40 Jahren (alle aus dem Kreis Fulda) mussten im Klinikum Fulda behandelt werden - in einem Fall bestand sogar Lebensgefahr. Nach der Medienberichterstattung meldeten sich noch drei weitere Geschädigte, sodass die Zahl der Betroffenen jetzt bei zehn Opfern liegt.
"Die Ermittlungen dauern weiter an - das Ergebnis von freiwillig abgegebenen Urin- und Blutproben der Betroffenen steht noch aus", sagte Polizeiführer vom Dienst Peter Lang (Polizeipräsidium Osthessen) zu ON. Am Sonntagmorgen hätten sich eine weitere Geschädigte und eine Zeugin bei der Polizei Hilders gemeldet. Die Polizei vermutet den Einsatz von K.O-Tropfen, denn die betroffenen Personen gehörten nicht einer bestimmten Clique an, sondern feierten in verschiedenen Bereichen der Halle.
"Die Substanz ist lebensgefährlich und kann bis zum Atemstillstand führen", sagte Lehrrettungsassistent Ludger Emmerling vom Malteser Hilfsdienst (MHD) Fulda. Er war mit einem fünfköpfigen Sanitätsdienst-Trupp in der Nacht vor Ort. "In einem sehr kurzen Zeitraum verzeichneten wir eine zunehmende Patientenzahl." Schnell wurde eine Krisensitzung mit Veranstalter, Hallenmanagement, Sicherheitsunternehmen und Polizei einberufen. Das Ergebnis: aus Angst vor weiteren Fällen wurde der Großevent um drei Uhr abgebrochen - eine Stunde vor dem geplanten Ende. "Das Risiko war einfach zu groß", erklärte Hermann-Josef Trabert.
Was in der Nacht zum Sonntag in der Esperantohalle passierte, war kein Einzelfall - immer wieder werden hessenweit bei Konzerten und Partys K.O.-Tropfen heimlich "verteilt". Nach diesem Anschlag sieht das Veranstalterteam das Image des Fuldaer Turnermaskenballs beschädigt. Hermann-Josef Trabert sowie seine Mitstreiter Christoph Quell und Stefan Hahner hoffen allerdings, dass es ein Einzelfall bleibt.
Für Hinweise zur Ergreifung des oder der Täter ist am Sonntag von den "Förderern des Handballsports" (Veranstalter) eine Belohnung von 1.000 Euro ausgesetzt worden. Die Polizei hofft auf weitere Zeugenaussagen unter Telefon 0661 / 105-0. (Christian P. Stadtfeld). +++
Ludger Emmerling vom MHD-Sanitätsdienst im o-tv-Interview ...
Polizeiführer vom Dienst Peter Lang vom Polizeipräsidium Osthessen ...
Es war eine super Party am Samstag in der Esperantohalle - aber mit einem bitteren Beigeschmack.
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