- Archivfotos: Hans-Hubertus Braune

Die Ferienanlage am Seepark Kirchheim...

15.02.13 - BAD HERSFELD

Aufregung um Amazon & Leiharbeiter-Verträge: Security zum Selbstschutz?

Der ARD-Beitrag "Ausgeliefert - Leiharbeiter bei Amazon", welcher am Mittwochabend ausgestrahlt wurde, schlägt hohe Wellen. Der Film dokumentiert die Methoden, wie Aushilfskräfte vor allem im Weihnachtsgeschäft in den Logistikzentren des amerikanischen Internethändlers behandelt werden. Die ARD zeichnet den Weg einer in Spanien arbeitslosen Kunstlehrerin nach, die nach Bad Hersfeld gekommen war, um für einen kurzen Zeitraum bei Amazon in Deutschland zu arbeiten. Im Fokus des Beitrags wurden die Zeitarbeitsfirma Trenkwalder (München), die CoCo Job Touristik aus Leipzig, die „Securityleute" der Firma Hess aus Kassel sowie die osthessischen Unternehmen, der Seepark in Kirchheim und das Niederaulaer Busunternehmen Käberich Reisen beleuchtet.

Die Zeitarbeitsfirma Trenkwalder, CoCo Touristik und die Sicherheitsfirma Hess haben sich bislang zu den Recherchen des ARD-Beitrags nicht geäußert. In erster Linie steht der angeblich rechtsradikale Hintergrund der Kasseler Securityleute im Brennpunkt des Interesses. Die Presseabteilung von Amazon in München  erklärte heute in einer Stellungnahme, dass das Unternehmen "keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung dulde" und derartiges Verhalten umgehend unterbinden wolle. Die Firma Hess wolle sich in Kürze dazu äußern, hieß es am Freitag aus der Kasseler Firmenzentrale. Die Geschäftsführung sei auf einem Auswärtstermin.

Zu den Vorwürfen in dem ARD-Beitrag, die Busse, welche die Amazon-Mitarbeiter von den Unterkünften abholen und wieder zurück bringen, seien oftmals überfüllt, erklärte der Geschäftsführer des im Beitrag mehrmals gezeigten Unternehmens "Käberich-Reisen" gegenüber osthessen-news: "Das war definitiv nicht so und ist nicht vorgekommen. Amazon hat sich das Thema Sicherheit auf die Fahnen geschrieben. Wir sollten und haben vielmehr die Anzahl des Busse verdoppelt", sagte Thomas Reichwein gegenüber osthessen-news. Sein Unternehmen arbeite schon seit Jahren mit dem Subunternehmer CoCo Touristik zusammen. "Durch diese Aufträge können wir unsere Reisebusfahrer auch im Winter beschäftigen und sogar Personal von anderen Busunternehmen während der Wintermonate übernehmen. Sie würden sonst auf der Straße stehen", sagte Reichwein und untermauert, dass die Region natürlich auch durch Amazon profitiere.

Vom Seepark, einer Ferienanlage mit Hotel und Bungalows in der Gemeinde Kirchheim (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) , gibt es bislang noch keine Stellungnahmen. Der Geschäftsführer Andreas Engelhoven weile derzeit in Urlaub, hieß es auf Anfrage von osthessen-news. In der ARD-Reportage wurde über menschenunwürdige Unterkünfte und mangelnde Verpflegung gesprochen. Zudem "schikaniere" das besagte Sicherheitsunternehmen mit vermutlich rechtsradikalem Hintergrund einiger Mitarbeiter die Amazon-Leiharbeiter mit Kontrollen "rund um die Uhr". Die Leiharbeiter von Amazon werden in zahlreichen - vor allem in den Wintermonaten - leerstehenden Einrichtungen untergebracht. Dazu zähle unter anderem der Seepark, das Motel in Kirchheim sowie die Silbersee-Anlage bei Frielendorf (Schwalm-Eder-Kreis).

Der Redaktion von osthessen-news liegen Informationen vor, nachdem es in den Vorjahren - vor dem Einsatz des Sicherheitsdienstes - unter den ausländischen Leiharbeitern aus diversen Nationen immer wieder zu Zwischenfällen gekommen sei. Demnach habe es Trinkgelage, Schlägereien und sogar Fälle von Vergewaltigungen in den Unterkünften gegeben. Die Betreiber der Herbergen hätten daraufhin angeblich das Gespräch mit der Polizei gesucht, um eine Lösung zu finden, um die Leiharbeiter besser zu schützen. Die Ordnungshüter könnten jedoch nur nach Meldung von Gewalttaten eingreifen. Deshalb sei ein Sicherheitsunternehmen verpflichtet worden. Auch bei der Verpflegung der Amazon-Mitarbeiter hätten Mitarbeiter der "ersten Schicht" alles mitgenommen, und die nachfolgenden Schichten nichts mehr zu essen bekommen. Deshalb würden auch dort die Taschen kontrolliert.

Amazon selbst will die Vorwürfe nun überprüfen, auch wenn das Unternehmen etwa das Kasseler Sicherheitsunternehmen nicht beauftragt habe. Vor allem die Vermutungen, dass Neonazis die ausländischen Leiharbeiter schikanieren würden, sorgt bundesweit für Aufruhr. Offiziell hat Amazon noch keine Details genannt. Aus dem Umkreis der Mitarbeiter von Amazon in Bad Hersfeld war zu hören, dass die ARD-Doku natürlich das Gesprächsthema Nummer eins in den beiden Logistikzentren in der Festspielstadt gewesen sei und dass der amerikanische Internethändler nun reagieren müsse. (Hans-Hubertus Braune) +++

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