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24.02.13 - NACHGEDACHT (8)

Der neue Papst und die Zukunft der Kirche - von Christina LEINWEBER

Die gewichtige Entscheidung des Papstes, sein Amt aufzugeben, liegt nun schon ein paar Tage zurück. Nächste Woche ist seine Amtszeit offiziell vorbei und was kommt dann? Als ich einem Bekannten erzählt habe, dass ich zum Konklave nach Rom reisen möchte, fragte er mich: „Warum fährst du denn nach Rom, wenn ein Papst gewählt wird, und nicht nach Berlin, wenn der Bundestag gewählt wird? Das hat doch mehr Auswirkungen auf dein Leben als der Vatikan." Natürlich hat er Recht, wenn er darauf hinweisen möchte, dass die staatliche Politik erst einmal einflussreicher auf das Leben einwirkt wie eine Papstwahl. Jedoch ist man doch nicht nur ein Staatsbürger, sondern auch ein Christ.

Mit der fast einmaligen Geschichtshandlung von Papst Benedikt passiert etwas Neues: Da sagt ein Papst, der oberste Amtsträger der Kirche, dass „genug genug ist". Damit macht er einen Platz frei und da muss man nicht drumherum sprechen: Dieser Platz ist eine Machtposition. Der Papst kann wichtige Entscheidungen treffen, an denen letztendlich die Zukunft der Kirche hängt. Und die Zukunft der Kirche hängt momentan nicht am sichersten Faden. Kirchenkritische Stimmen werden mehr und mehr laut – das ist aber erst einmal normal. Jede Institution muss sich Kritik stellen und wird kritisiert. Jedoch geht es bei der Kirche momentan um mehr: Wenn ein neuer Papst gewählt wird, dann setzt das Hoffnungen frei. 

Besonders für diese Christen, die die Kirche schon länger als zu „verstaubt" oder „rückständig" ansehen. Was aber kann der neue Papst für eine „neue Kirche" tun, die auch wieder mehr Mitglieder findet? Die Ehe von homosexuellen Paaren, die Wiederverheiratung und der Ausschluss von der Eucharistie, die Debatte um Abtreibung und so weiter – das sind nur Ansätze, die die Gesellschaft interessiert und zu denen ein neuer Papst Stellung beziehen muss. Dafür muss er seine Kardinäle aber auch „mit ins Boot" holen. Er wird viel zu tun haben, wenn er die Hoffnungen vieler Christen auf eine aktuellere und zeitgemäßere Kirchenpolitik erfüllen will. Es wird sich zeigen, inwieweit dies überhaupt möglich ist und ob der neue Papst dies überhaupt will. (Christina Leinweber) +++

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ZUR PERSON: Christina Leinweber, 1988 geboren in der osthessischen Bischofsstadt Fulda, neun Jahre katholisch-private Schulausbildung – so war der Weg zum Theologiestudium für sie vorbestimmt und beschlossen. Es ging dann für vier Jahre Studium in die nächste Bischofsstadt Paderborn - und derzeit bereitet sie sich auf ihr 1. Staatsexamen vor. Gleichzeitig ist sie freie Mitarbeiterin bei osthessen-news.de, bezeichnet sich selbst als liberal-theologisch und kommentiert (meist an Sonntagen) in der neuen Serie "NACHGEDACHT" Dinge des Alltags aus ihrer persönlichen Sicht.  +++

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