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Das Podium mit den Referenten Peter Guhl und Dr. Karin Jürgens den Vorstandsmitgliedern des BDM-Hessen Dieter Müller, Stefan Mann und Klaus Vetter sowie Martin Haab aus der Schweiz (von links)

Rund 200 Landwirte waren zur Veranstaltung des BDM-Hessen gekommen
03.03.13 - ROMROD
Zukunftschancen für Milchbauern? - Preis deutlich unter den Herstellungskosten
Gleich drei hochrangige Referenten hatte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), Landesverband Hessen, in der vergangenen Woche zur Veranstaltung „Zukunftschancen der Milcherzeugung in Hessen nach 2014" im Bürgerhaus Romrod aufgeboten. So informierte Martin Haab, Gründungspräsident des Milchproduzentenvereins BIG-M aus der Schweiz die über 200 anwesenden Landwirte und Milcherzeuger über die Erfahrungen der Eidgenossen nach dem Wegfall der staatlichen Milchkontingentierung seit dem 1. Mai 2009. Statt staatlich garantierter Abnahme-Mengen für die Bauern sollte ab diesem Zeitpunkt der freie Markt Angebot und Nachfrage regeln. Viele Bauern fürchteten schon damals steigende Liefermengen und sinkende Milchpreise und dies habe sich bewahrheitet, so Haab. Die Zahl der Lieferanten sei ebenfalls gesunken. Seien es Mitte 2009 noch rund 27.000 gewesen, so betrage die Zahl Ende 2012 nur noch etwas 24.370. Als fast heute unvorstellbar hoch, bezeichnete er die Zahl der Milcherzeuger im Jahre 1950 mit rund 137.400.
Ausführlich beschäftigte sich der Referent mit dem Lebensmittelhandel der in der Mehrheit zu 34 Prozent von der Handelskette Migros, 32 Prozent von COOP und 13 Prozent von Discountern getätigt werde. Interessantes war auch von der Käseproduktion zu hören. Es gebe hier keine Hochpreisstrategie, sondern der „Schweizer Käse" etabliere sich eher im Billigsegment: „Er ist im Export mehrheitlich billiger, wie im Import".
„Wer verhandeln will, muss seine Kosten kennen"", betonte Dr. Karin Jürgens vom Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft in ihrem Referat zu den Erzeugungskosten der Milchproduktion. Es sei ein vielfacher Wunsch nach einer fundierten und fachlich anerkannten Basis in Preisverhandlungen gewesen, um zu einem faireren Ausgleich der Risiken zwischen Milcherzeugern und Milchverarbeitern zu gelangen, denn eine erhöhte Transparenz und kollektive Aushandlung von Milchpreisen werde zukünftig in europäischen Mitgliedsländern eine größere Rolle spielen. Zusammen mit der MEG Milch Board und dem European Milch Board habe deshalb ihr Büro die Milcherzeugungskosten beleuchtet. Für Hessen seien dabei für Oktober 2012 Gesamtkosten mit 58 ct/kg Milch errechnet worden. Ziehe man eine Beihilfe von 7,70 ct/kg ab, lägen die Erzeugungskosten immer noch bei 50,30 ct/kg Milch. Der durchschnittliche Milchpreis im Bewertungszeitraum Oktober 2012 habe allerdings nur bei 32,5 ct/kg gelegen. Die Kostenberechnungen soll alljährlich aktualisiert und auch auf weitere EU-Mitgliedsstaaten ausgeweitet werden. Frankreich stehe kurz vor dem Abschluss und die Miederlande hätten Interesse angemeldet.
„Als Milcherzeugergemeinschaft verfolgt die MEG Milch Board das Ziel, die Marktposition der Milcherzeuger in Deutschland nachhaltig zu stärken. Im Kern setzt sie sich für die faire Gestaltung von Marktregeln ein" so Peter Guhl, Vorstandsvorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milchboard w.V. und der MEG Nordpool. Im Kern setze sich die MEG Milchboard für die faire Gestaltung von Marktregeln ein. Nach den Vorträgen schloss sich eine rege Diskussion an. Landrat Manfred Görig, als Schirmherr der Veranstaltung, wie in seinem Grußwort auf die Bedeutung der Lebensmittelherstellung im Vogelsbergkreis hin. Für hochwertige Waren könne aber auch ein vernünftiger Preis erwartet werden. Görig riet zu einer verstärkten Werbung bei den Verbrauchern, damit diese mehr regionale Produkte kaufen würden. Auf die Milchwirtschaft eingehend merkte er an, dass von 364 Milchkuhhaltern im Kreisgebiet rund 127 Millionen kg Milch produziert würden. „Ein Cent mehr pro kg/Milch bedeutet, 1,27 Millionen mehr oder weniger für den Vogelsberg", so der Kreischef, der den Landwirten die Hilfe des Vogelsbergkreises im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten zusicherte.
Vom BDM-Landesverband Hessen standen Vorsitzender Stefan Mann/Ebsdorfer Grund und die Vorstandsmitglieder Dieter Müller/Marburg sowie Klaus Vetter/Breitenbach/Herzberg Rede und Antwort. Aus terminlichen Gründen hatten die Hessische Staatsministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Lucia Puttrich sowie der Präsident des Hessischen Bauernverbandes Friedhelm Schneider die Teilnahme an der Veranstaltung abgesagt.+++gr

Dr. Karin Jürgens

VB-Landrat Manfred Görig (SPD)

Über die Auswirkungen nach dem Wegfall der Milchkontingentierung informierte der Eidgenosse Martin Haab