"Dein Kreuz zählt" - so heißt der Slogan für die Kirchenvorstandswahl 2013. Fast 800.000 Gemeindeglieder der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) sind am 29. September 2013 zum Gang an die Urne aufgerufen. Auch die 2.600 Protestanten von Petersberg und dem Fuldaer Stadtteil Ziehers-Süd - sie bilden eine Kirchengemeinde - sollen wählen gehen. Das wünscht sich Pfarrer Christian Pfeifer und deshalb wirbt er schon jetzt - mit prominenter Unterstützung: Fuldas Bürgermeister Dr. Wolfgang Dippel (58) kam in den Sonntagsgottesdienst in die evangelische Kirche Petersberg "An St. Johann". In einem 20-Minuten-Dialog machten Pfarrer und Bürgermeister - beide sind gebürtige Nordhessen, sie verbindet schon seit Jahrzehnten eine Freundschaft - deutlich, warum die Wahl und das Bekenntnis "gemeinsam etwas zu bewegen" wichtig sind.
Drei Fragen an den Politiker, immer der Bezug zum Predigttext aus der Apostelgeschichte und prägnante Antworten. Es war ein interessanter Dialog mit dem wichtigen Aha-Effekt: Wählen gehen und vielleicht auch kandieren um sagen zu können: "Wir sind die Kirche".
An Verantwortlichen werde häufig aus der Öffentlichkeit viel Kritik geübt. Aber: "Ist das nicht ein Spiegelbild unserer Gesellschaft?", fragte Bürgermeister Dippel ganz provokant. Es sind diejenigen, die keine Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen. Deshalb der Appell: "Gehen Sie zur Wahl und machen Sie von ihrem Grundrecht Gebrauch - machen Sie mit." Pfarrer Pfeifer ergänzte: "Wir brauchen ehrenamtliche Menschen, die sich engagieren, sonst wäre unsere Gemeinde nicht so lebendig, wie sie heute ist. Ich denke da an den Kinder-Gottesdienst, die Jungschar oder den Seniorenkreis." Mitmachen - mitbestimmen und mitgestalten - das haben Kommunalpolitik und Kirche gemeinsam. "Ich alleine kann die Kirche nicht zukunftsfähig machen, ich brauche Sie und ganz besonders den Kirchenvorstand", so Pfeifer.
Dippel stellte den Vergleich mit einer Fußballmannschaft an. "Ein Spieler ist gut, aber nur mit seiner Mannschaft ist er erfolgreich." Pfarrer und Bürgermeister bräuchten "diese Mannschaft, die dahinter steht." Doch welche Voraussetzungen braucht so ein Kirchenvorsteher? "Wichtig ist, dass die Aufgabe Freude macht - und wenn man etwas will, dann gibt es keine Vorgaben, die man erfüllen muss. Man kann sich in Dinge hineinarbeiten - eine Profession ist zwar schön, aber nicht zwingend notwendig", beschrieb der Fuldaer Bürgermeister. Und worum geht es im Kirchenvorstand? "Wir wollen nicht verwalten, sondern geistlichen Glauben gestalten", sagte Pfarrer Pfeifer. Ziele setzen, die Menschen mitnehmen und Ideen einbringen - so versteht Dippel die Arbeit. "Haben Sie keine Angst vor der Mitarbeit."
Doch eine Wahl zum Kirchenvorstand ohne Kandidaten geht nicht. Wer also noch Männer und Frauen finden muss, hat bis spätestens 15. Juni - knapp 17 Wochen - Zeit. Zwölf Kirchenvorsteher gibt es aktuell in Petersberg - "und diese Zahl wollen wir auch halten", sagte Pfarrer Pfeifer gegenüber osthessen-news. Die Hälfte werde aus ganz unterschiedlichen Gründen (Alter, Beruf, Familie) nicht mehr kandidieren. Deshalb heißt es nun: aktiv werden und Kandidaten für das besondere Ehrenamt werben. Aber das ist nicht einfach, denn sich für die immer komplexer werdenden Aufgaben frei zu machen, verlangt Zeit und nochmals Zeit.
Wahlen im kirchlichen Bereich sind seit vielen Jahrhunderten bewährt. Pfarrer und Kirchenvorstände leiten gemeinsam die Geschicke der Gemeinden. Alle sechs Jahre wird der Kirchenvorstand einer Gemeinde gewählt. Gemeindeglieder ab 14 Jahren sind eingeladen, ihr Kreuz zu machen. Ab 18 Jahren kann man in den Kirchenvorstand gewählt werden, das 70. Lebensjahr ist eine Grenze nach oben. Neben der Urnen- und Briefwahl kann neuerdings auch online gewählt werden. Wenn die Gemeinden erfolgreich sind, werden rund 8.000 Männer und Frauen aller Altersgruppen und Berufe in den Kirchenvorständen mitarbeiten. (Christian P. Stadtfeld). +++

... am Sonntagmorgen in der evangelischen Kirche Petersberg "An St. Johann".

Fuldas Bürgermeister Dr. Wolfgang Dippel wirbt: "Wählen gehen und Kirche mitgestalten."

Der Petersberger Pfarrer Christian Pfeifer: "Ich brauche den Kirchenvorstand"

Der Gospelchor unter der Leitung von Brigitte Lamohr.

"Dein Kreuz zählt" - diesen Slogan unterstützen auch Bürgermeister Dippel und Pfarrer Pfeifer.

Wichtiger Bestandteil im Gottesdienst: der Gospelchor der Fuldaer Christuskirche zu Gast in Petersberg.