"Ein großartiger Mensch und großer Motorsportler wurde von der Bühne des Lebens abberufen" heißt es in einem Nachruf. Herbert Lingmann starb im Alter von 61 Jahren in der Uni-Klinik Würzburg. Sein grenzenloser Optimismus und sein großes Kämpferherz vermochten es nicht, die heimtückische Krankheit zu besiegen, die ihn im Sommer des letzten Jahres aus heiterem Himmel heimgesucht hatte.
Nachdem er kurz vorher die Teamleitung an seinen "Ziehsohn" Christian Leutheuser übergeben hatte, wollten die Lingmanns im Wohnmobil auf Reisen gehen. Doch das Schicksal machte einen dicken Strich durch die Lebensplanung von Herbert und Marion Lingmann.
Herbert Lingmann wurde am 05. Mai 1951 in Mellrichstadt geboren. schon in seiner Kindheit faszinierte ihn alles, was mit Motoren zu tun hatte. So lernte er den Beruf Kfz.-Mechanikers bei der damaligen Firma Fuchs in Mellrichstadt. Nach Gesellenprüfung und Wehrdienst, war er von 1973 bis 1975 als Außendienstmonteur bei der Firma Blaurock in Salz tätig. Der Einstieg in den Motorsport erfolgte 1972 auf einem NSU TTS, auf dem er bis 1974 erfolgreich Slalom und Bergrennen fuhr. Danach erfolgte der Umstieg in den Alfa-Sud-Pokal, den er 1976 (in diesem Jahr fuhr er sein erstes 24h-Rennen auf dem Nürburgring) und 1978 gewann, während er 1977 Zweiter wurde.
An Heiligabend 1976 heiratete er seine Frau Marion, wobei sich beide das schönste Weihnachtsgeschenk ihres Lebens machten. Nach seiner Meisterprüfung 1978 zogen die Lingmanns nach München, wo er bei der Firma Auto-König eine Meisterstelle annahm. Danach war er Werkstattleiter bei der Alfa-Romeo-Niederlassung München, bevor er sich 1982 mit einer Shell-Tankstelle mit Werkstatt selbständig machte.
Motorsportlich ging es weiter steil bergauf. Nach einem kurzen Ausflug in die Deutsche Formel 3 Meisterschaft, fuhr er wieder Alfasud und feierte tolle Erfolge bei Bergrennen und Europapokal. Auf Toyota fuhr er mit "Lucky Hölzl" von 1985 bis 1987 die Tourenwagen Europameisterschaft und 1988 erstmals auf BMW M3. Mit diesem Auto fuhr er 1989 sein erstes VLN-Rennen. Seitdem ist er dieser Serie als Fahrer und später als Teamchef treu geblieben.
Im Jahr 2001 ging es wieder zurück in die Heimat. In Bad Königshofen übernahm er mit seiner Frau, die die ganzen Jahre im Motorsport und im Kampf gegen die Krankheit seine große Stütze war, in Bad Königshofen eine Tankstelle mit Werkstatt. Seither baute er das Team Lingmann kontinuierlich professionell auf. Hier schätzten die Fahrer nicht nur die unglaubliche Fachkompetenz von Herbert Lingmann, sondern die unvergleichliche menschliche Art, die er im Team zusammen mit seiner Frau ausstrahlte und die so viele Erfolge möglich machte.
"Ein prima Freund und Kamerad, der immer Ruhe und Kompetenz ausstrahlt und auf dem immer Verlass ist", hörte man immer aus seinem Umfeld. Auch sein unerschütterlicher Humor wird vermisst werden. Man konnte mit Herbert Lingmann so herzlich lachen. Trotz seiner knapp bemessenen Zeit fuhr er Hilfstransporte nach Shitkowitschi, um den Tschernobylopfern, besonders den Kindern, ihre Not ein bisschen zu lindern. Auch als Tierfreund wird er vermisst werden. Manche streunende und verletzte Katze hat er wieder aufgepäppelt und liebevoll gepflegt.
Herbert Lingmann hat mit seinem viel zu frühen Ableben eine große Lücke hinterlassen. Alle die mit ihm verbunden waren, werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren und den Menschen und Motorsportler Herbert Lingmann nicht vergessen. Seiner Frau Marion gilt in diesen schweren Stunden unser ganzes Mitgefühl. +++