Die erste Mannschaft souveräner Meister der Fußball-Verbandsliga, die Zweite im Aufstiegsrennen der Gruppenliga und die Dritte Meister der B-Liga sowie von den A- bis C-Junioren im JFV Viktoria Fulda in den Junioren-Hessenligen vertreten - beim TSV Lehnerz könnte die Fußballwelt nicht besser sein. Doch auf diesen Erfolgen ausruhen ist nicht die Sache der Lehnerzer. Am Mittwochabend präsentierten sie in der "guten Stubb von Lehnerz" - dem Leipziger Hof - ihre Vorstellungen und Visionen der nahen und mittelfristigen Zukunft. "Wir wollen, dass die Region uns gerne hat", sagte Michael Hamperl mit einem Augenzwinkern. Wohlwissend, dass sportlicher Erfolg schnell auch Neid hervorrufen kann.
Im sportlichen Bereich konnte die Vereinsführung bereits zwölf Neuzugänge präsentieren: Sebastian Bartel (20,gebürtig aus Schlüchtern) kommt von Eintracht Frankfurt, aus Neuhof kommen Kemal Savran (24), Benedikt Kaiser (21) und Sven Wiesner (23). Dazu wechseln Julian Pecks (20) aus Bronnzell und der Hünfelder Cino Schwab (25) zum künftigen Hessenligisten. Dazu kommen sechs A-Junioren aus der erfolgreichen Bronnzeller Fußballschmiede. Seit knapp einem Jahr kooperieren die Lehnerzer mit den Bronnzellern in dem neu gegründeten Jugendförderverein JFV Viktoria Fulda. Drei weitere Akteure - sie haben alle Junioren-Bundesliga-Erfahrung - sollen dazukommen. Namen wollte Geisendörfer nicht verraten, da die Verträge noch nicht unterzeichnet sind.
Mit dieser Basis soll der Weg des TSV auch in den kommenden Jahren nach oben Führen. "Wir wollen mittelfristig vielleicht höherklassig angreifen und in der Hessenliga oben mitspielen", sagte Fußball-Abteilungsleiter Martin Geisendörfer. Die Region hat höherklassigen Fußball verdient, sagte Geisendörfer, der sich noch an die glorreichen Zeiten von Borussia Fulda im Borussen-Stadion erinnert. Der TSV Lehnerz sieht sich derzeit - verständlicherweise - nicht in Augenhöhe mit dem Traditionsclub Borussia Fulda. Dieser kickt derweil noch in der Gruppenliga. Aber auch dort will man den Weg in erfolgreichere Zeiten einschlagen. "Wir kennen uns gut und sind teilweise eng befreundet. Allein schon wegen unseren gemeinsamen Aktivitäten bei der FKG", sagte Hamperl, Mitglied der Lehnerzer Fußball-Abteilsleitung.
Messen müssen sich die Lehnerzer künftig mit den beiden anderen osthessischen Hessenligisten Hünfelder SV und Buchonia Flieden. "Wir freuen uns besonders auf die Derbies gegen Hünfeld und Flieden. Dort wird seit Jahren gute Arbeit geleistet", sagte Geisendörfer. Bei allem Respekt wollen die Lehnerzer im Duell um die Nummer eins in Osthessen künftig ein gewichtiges Wörtchen mitreden.
Auch in Sachen Infrastruktur stehen Änderungen ins Haus. Die Tribüne soll auf 400 Sitzplätze erweitert, die Barrieren und der Zaun ausgebessert werden. Ein Anbau für das Sportlerheim und ein VIP-Zelt sind in Planung. Noch Zukunftsmusik aber ebenfalls fest im Visier: Der Bau eines Kunstrasensplatzes - vorallem auch, um den Juniorenmannschaften ein bessere Spiel- und Trainingsmöglichkeit zu bieten. Den wachsenden Aufgaben im Umfeld stellen sich künftig weitere Macher in der sportlichen und strukturellen Leitung. Thorsten Czynski und Dirk Schütrumpf kommen im sportlichen Bereich dazu. Die Geschäftsleute Gerd Dänner, Mervin Heil und Jürgen Ressel erweiteren das administrative Team im Background.
Neben den umfangreichen Personalplanungen stellten die Verantwortlichen mit dem benachbarten Autohaus atzert:weber einen neuen Trikotsponsor vor. "Wir unterstützen die Philosophie des Vereins und planen eine längerfristige Zusammenarbeit", sagte Geschäftsführer Philipp Atzert. Der Etat für die kommende Saison sei bereits nahezu gedeckt, die Unternehmen in der Region akzeptieren den TSV Lehnerz. 20 neue Sponsoren haben bereits zugesagt, zehn bis 15 weitere Unternehmen kämen dazu, erklärte Geisendörfer. Beim TSV Lehnerz herrscht Aufbruchstimmung, der Verein ist auf der Überholspur. In der Hessenliga sind sie angekommen. Und damit auch der Name "Fulda". Sie fühlen sich als Teil der Stadt und wollen künftig den Stadtnamen auch in ihren Vereinsnamen aufnehmen.
Gut möglich, dass die Spieler künftig den Namen "TSV Lehnerz-Fulda" auf ihren Rücken tragen. Die Entscheidung darüber liegt aber in den Händen der Mitglieder. "Sie sind stolz beim TSV Lehnerz zu sein und tragen dessen Namen im Herzen", sagte Geisendörfer zu den Plänen.
Die Neuzugänge haben allesamt heimische Wurzel, der Verein will sich mit der Region identifizieren und so die Fans für den TSV Lehnerz begeistern. "Fleissig sein, ordentliche Arbeit abliefern und sein Bestes geben", sagte Hamperl und ließ sich einen markigen Spruch in Richtung der osthessischen Konkurrenten nicht nehmen. "Hünfeld und Flieden haben wir schon gelobt. Bei allem Respekt, aber wir wollen die Nummer eins werden. Jetzt wird es Zeit." Selbstbewusst sind sie in Lehnerz - bei den derzeitgen sportlichen Erfolgen kein Wunder. Die "Unaufsteigbaren" sind Meister. (Hans-Hubertus Braune) +++