Der Gründautalring hat am Pfingstsonntag den schwärzesten Tag in seiner langen Autosport-Geschichte erlebt. Bei den Läufen zur Deutschen Rallycross-Meisterschaft und zur Autocross-Trophäe ereigneten sich mehrere schwere Unfälle. Zweimal mussten Schwerverletzte mit dem Rettungshubschrauber in die Uniklinik Frankfurt geflogen werden. Auch für Lokalmatador Steven Laubach war der Renntag im zweiten Qualifikationslauf der Buggys zuende. Der amtierende Deutsche Meister erlitt bei einem Crash in die Betonmauer glücklicherweise nur Prellungen im Brustbereich und war nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt wieder auf der Rennstrecke. „Die Verletzungen waren nicht so schlimm. Da ich aber nur einen Qualifikationslauf absolviert habe, war ich für das Rennen nicht mehr zugelassen. Das Auto läuft wieder. Ich werde weiter angreifen", so Steven Laubach.
Schlimme Folgen hatte dagegen der Rennunfall von Dieter Dieselkämper (Mettingen) im Finale der Crossbuggys. Der Mettinger zog sich bei einem Überschlag nach der Startkarambolage eine schwere Handverletzung zu. Glück im Unglück hatte ein Zuschauer, den ein Reifen an Schulter und Rücken traf, der sich im dritten Rennen der Super Nationals vom Seat Ibiza des Grebenauer Uwe Hausners löste. „Dem Mann geht es besser. Die Befürchtungen, dass er sich an der Wirbelsäule schwer verletzt hat, haben sich nicht bestätigt. Auf Dieter Dieselkämper wartet dagegen eine schwierige Operation", berichtete ein betroffener Rennleiter Horst Laubach. „In 59 Autocross- und 30 Rallycross-Rennen musste niemals der Rettungshubschrauber kommen", war Laubach froh, dass weitere Unfälle nach einem starken Regenschauer glimpflich verliefen.
Leidtragende der Regencrashs waren die deutsche Vizemeisterin bei den Supernational, Silva Winterhoff aus Hamburg, die ihren Buckel-Volvo nach starker Vorstellung in der Qualifikation in einer Kurve gegen die Fahrtrichtung pilotierte, und Björn Barkhoff aus Morschen, dessen Polo in der Kurve nach Start- und Ziel die Mauer küsste. Auch der Grebenhainer Renault-Pilot Erwin Schmidt durfte sich in der DRX Rallycross-Trophy nur kurz über Platz zwei im Finale freuen, denn Sieger Philipp Leipold rasierte mit seinem Mercedes die Stoßstange des R5 Turbos ab. So hatte an diesem Katastrophentag nur der Merneser Tourenwagenfahrer Marco Paulowitsch Grund zum Jubeln. Erst grillte er in der Pause gemütlich Steaks, dann gewann der 41-Jährige zum ersten Mal einen Lauf der Rallycross-Meisterschaft.
„Schon im Training war ich vorne dabei und habe gewusst, mit einem guten Start aus der zweiten Reihe ist heute was drin", berichtete der Sieger, der es vor allem mit einem starken Tobias Esser (MSC Wittgenborn) zu tun hatte. Dessen komplett neu aufgebauter Honda lief noch mit gedrosseltem Motor, so dass Paulowitsch schon in Runde zwei vorbeizog und einen überlegenen Sieg einfuhr. Rang drei ging an den Bellingser Andreas Teske. Über einen Besuch auf dem Treppchen freute sich auch der Schlüchterner Junior Buggy-Pilot Manuel Jäger als Dritter hinter dem überragenden Hauke Weber aus Drandstedt und Max Schanen aus Hüttingen, der am Samstag mit einem Überschlag das schwarze Rennwochenende eingeleitet hatte. Rang fünf ging an Dylan Donat vom MSC Gründautalring.
„Ich wollte unter die besten Fünf kommen", freute sich der Luxemburger. Sein Bruder Damien Donat war über Platz sechs bei den Cross Buggys bis 650 Kubikmeter ebenso nicht zufrieden wie der Erlenseer Alfa-Fahrer Bartlomiej Ruszczynski, der im Finale der Super National-Klasse auf Rang vier hinterher fuhr. Keine Akzente konnte auch der amtierende Deutsche Meister dieser Klasse, Hans Kirchhof, setzen. Er startete mit seinem Porsche 911 in der Klasse der Supercars, verpasste aber die Qualifikation für den Endlauf durch einen Elektronikdefekt. Dass im Finale der Division Super Cars und Super 1600 schließlich nur zwei Fahrzeuge an den Start gingen, bestätigte die kritischen Äußerungen des vierfachen Rallycross-Champions, der die Verantwortlichen der Rennserie aufforderte, endlich auf die Fahrer einzugehen und das Regelwerk zu ändern. „Bei den Supertourenwagen haben wir 20 und mehr Starter, bei dem Super Cars nur eine Handvoll. Die ganze Organisation stimmt nicht mehr." (Dietmar Kelkel) +++