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16.06.13 - ON NACHGEDACHT (23)

Gehen Türen von alleine auf? - Gedanken von Ch. LEINWEBER

Wenn eine Tür zu geht, geht dafür immer eine andere auf? Den Gedanken finde ich schön, allzu oft sagt jemand diesen hoffnungsvollen Satz und will damit andeuten: Es geht weiter, wenn du aus einem Raum raus bist, kommt der nächste – wenn du einen Abschnitt durchlaufen hast, entwickelst du dich weiter.  Besonders froh macht dann der Gedanke, dass der nächste Raum hinter der Tür noch bunter, noch schöner ist als vorher. Vielleicht kommt man ja gerade aus einer Kammer des Schreckens und braucht so einen Raum – zum Auftanken, zum Innehalten.

Trotzdem habe ich den Satz als Frage formuliert, denn ganz ehrlich: Es ist nicht immer so, dass eine neue Tür sofort aufgeht und uns Einlass gewährt. Oft sitzen wir noch direkt hinter dem alten Raum und trauern darum, dass diese Tür geschlossen wurde. Und außerdem, warum geht denn nur eine neue Tür auf? Sind es nicht viel mehr als eine? Eine freie Wahl an vielen Türen, eben viele mögliche Lebenswege.

Davon sind wahrscheinlich Türen dabei, hinter denen eine Sackgasse verborgen ist, hinter anderen vielleicht das Paradies. Und wie einfach kommen wir da rein? Wenn ich mir Beispiele aus dem Alltag überlege, merke ich eigentlich schnell: Für jede Tür brauchte ich bisher einen Schlüssel, von allein ist die nie aufgegangen. Und den Schlüssel musste ich mir zumeist hart erkämpfen. Man bekommt nicht einfach eine Ausbildung geschenkt, eine Freundschaft, eine Familie, eine Beruf. Diese ganzen Türen sind mühsam zu öffnen und was dahinter wartet, sollte man bedächtig pflegen. Nichts im Leben, das sich zu haben lohnt, fällt einem in den Schoß. Deswegen finde ich den Gedanken, dass da einfach eine Tür aufschwingt, fast ein wenig zu einfach.

Sicher ist, viele Türen gehen von alleine auf, aber die wichtigsten müssen wir uns selbst öffnen – den passenden Schlüssel finden und dann rein ins Abenteuer, das in dem Raum dahinter wartet. Dass das nicht einfach ist, braucht aber trotzdem nicht zu heißen, dass es hoffnungslos ist. Vielmehr wissen wir danach auch, dass wir es aus eigenen Kräften geschafft haben. (Christina Leinweber) +++

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ZUR PERSON: Christina Leinweber, 1988 geboren in der osthessischen Bischofsstadt Fulda, neun Jahre katholisch-private Schulausbildung – so war der Weg zum Theologiestudium für sie vorbestimmt und beschlossen. Es ging dann für vier Jahre Studium in die nächste Bischofsstadt Paderborn - inzwischen hat sie ihr 1. Staatsexamen in der Tasche. Gleichzeitig ist sie Mitarbeiterin bei osthessen-news.de, bezeichnet sich selbst als liberal-theologisch und kommentiert (seit 23 Wochen) in der neuen Serie "NACHGEDACHT" Dinge des Alltags aus ihrer persönlichen Sicht. +++

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