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- Fotos: Hans-Hubertus Braune

18.06.13 - BAD HERSFELD

"Jetzt ist Schluss. Schluss damit, dass ihr als Arbeiter zweiter Klasse behandelt werdet", schreit ver.di-Chef Frank Bsirske den rund 500 Streikenden in der Bad Hersfelder Schilde-Halle zu. Dabei haut er mit seiner Faust immer wieder aufs Rednerpult. Bsirske redet sich fast in Rage, angestachelt von den begeisterten Mitgliedern, die bei brütender Hitze auf ihren Bundesvorsitzenden gewartet hatten. Jubel als dieser die ehemalige Industriehalle betritt, viele Hände schüttelt und Smalltalk hält. "Auf Euch schaut ganz Deutschland. Ihr kämpft gegen einen Weltkonzern. Die Menschen stehen hinter Euch", sagt Bsirske, wohl wissend, dass so ein Streik auch die Gewerkschaft in den Mittelpunkt stellt. "Ihr schreibt Geschichte, Sozialgeschichte", schiebt der ver.di-Chef nach. Die Masse tobt, kann sich kaum auf den Sitzen halten. Später skandieren sie "Jetzt geht´s los, jetzt geht´s los".

Ohrenbetäubender Jubel - unterstützt mit Trommeln, Drillerpfeifen - solch eine Stimmung hat die ehrwürdige Schilde-Halle wohl selten erlebt. Es machte sich eine Aufbruchstimmung bemerkbar, sie wollen sich nicht unterkriegen lassen und langen Atem beweisen. Dabei bleibt der Internetriese Amazon weiterhin hart - auch wenn ver.di zumindest kleine Erfolge erkennt. Der große Durchbruch scheint weit entfernt.  "Wir ziehen das durch, gemeinsam kämpfen wir für einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels. Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird", schwor Bsirske die Amazon-Mitarbeiter auf einen möglicherweise langen Streik ein. Mit dem ersten zweitägigen Ausstand in der Auseinandersetzung kämpft Verdi für einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels mit höheren Löhnen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Nachtzuschlägen bereits ab 20 Uhr. Das US-Unternehmen lehnt diese Forderungen ab und orientiert sich nach eigenen Angaben an der Bezahlung in der Logistikbranche.

Der ver.di-Chef kam nach Bad Hersfeld, um an der Streik-Front Geschlossenheit und Kampfeswillen zu demonstrieren. Das ist ihm eindrucksvoll gelungen. Ob und wann Amazon seine Blockadehaltung zumindest aufweicht, scheint in diesen Tagen ungewiss. Ein langer, zäher Streik ist vorprogrammiert. Die Gewerkschaft ver.di ist bereit, tief in die Streikkasse zu greifen. Es geht um mehr als Amazon, es gehe nach Angabe von Bsirske um die künftige Kultur der Arbeit in Deutschland. Sie wollen sich von den Managern der Großkonzerne nichts mehr bieten lassen. Damit sei jetzt Schluss. (Hans-Hubertus Braune) +++





















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