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Markus Pfromm im Gespräch mit Holk Freytag - Fotos: Gudrun Schmidl

Guido Spohr (rechts) und Hans Hageneuer stellen erste Schritte beim Umweltschutz rund um die Festspiele vor

05.08.13 - BAD HERSFELD

Die allerbeste Nachricht zuerst. Holk Freytag bleibt Intendant der Bad Hersfelder Festspiele - entsprechend seiner vertraglichen Verpflichtungen bis 2016.  Die Sorge bei vielen Festspielfreunden besonders aus der Region, dass der Intendant aus den auch öffentlich ausgetragenen Querelen mit der Festspielverwaltung, Vertretern aus den politischen Gremien und Bürgermeister Thomas Fehling Konsequenzen zieht, war groß - aber jetzt vom Tisch. Das Interesse an der gestrigen Veranstaltung „ungeschminkt" im Lounge-Zelt direkt neben der Stiftsruine, war ebenfalls groß. Darüber freute sich Markus Pfromm (links), Geschäftsführer der Hersfelder Zeitung, der im Gespräch mit Holk Freytag (im Bild rechts) die Gäste mit Sachkenntnis und Humor bestens unterhielt.

"Verdammte Diskussion um Festspiele muss aufhören"

Eine Forderung stellt der Intendant gleich zu Beginn: „Eines muss aufhören. Die verdammte Diskussion um die Festspiele. Die haben eine lange Tradition und sind nicht an meine Person gebunden. Aber Festspiele kann man machen, wenn alle mit Begeisterung dabei sind". Obwohl mehrmals verbale Gewitterwolken aufzogen, gab es nicht eine Regenvorstellung in dieser Festspielsaison, was sich natürlich positiv auf den spontanen Kartenverkauf ausgewirkt hat. Vor allem aber die hohe Qualität der angebotenen Stücke zog Festspielgäste aus nah und fern nach Bad Hersfeld, für Kulturliebhaber eine allererste Adresse in Deutschland.

„Show-Boat", bisher die aufwändigste Produktion der Festspiele mit großartigem Orchester und auf hohem Gesangsniveau, wurde zum Selbstläufer. „Die drei Musketiere" begeisterten mit großem Theater und Action, „Der Name der Rose" entwickelt sich zu Bad Hersfelds „Jedermann", für das Wagnis Familientheater, dieses Jahr mit „Der Sturm", will Holk Freytag kämpfen. „Für das Konzept stehe ich. Kindertheater in der Ruine ist falsch, weil der Raum zu groß ist", vertritt er seine Meinung. Vor allem will der Intendant die Position der großen Klassiker stärken. „Nathan, der Weise", von ihm inszeniert, ist der beste Beweis, dass es funktioniert.

"Kulturelle Substanz ist nicht kaufbar"

Stephan Schad, der für seine Darstellung der Titelrolle mit dem Großen Hersfeldpreis und dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, macht klar: „Kulturelle Substanz ist nicht kaufbar. Hier geht es um tiefe, ernste Fragen des Lebens, substanzielle Themen und Probleme". Die Zusammenarbeit mit Holk Freytag, der den „Nathan" bereits zum vierten Mal inszenierte, betrachtet der Schauspieler als Glücksfall. Seine Bühnentochter Recha, gespielt von Charlotte Puder, war ihrer Aussage nach positiv überrascht, wie das Publikum in jeder Vorstellung an den Gedanken dran ist beziehungsweise war.

Gestern wurden die beiden bei der letzten Vorstellung frenetisch gefeiert. Über ihre Erfahrungen als Darstellerin der Anne Frank in der mobilen Produktion „Das Tagebuch der Anne Frank" berichtete Maddalena Noemi Hirschal. Zuvor gab sie noch eine Kostprobe aus dem Stück, das bei den geplanten Vorstellungen und nötigen Zusatzvorstellungen in der Bad Hersfelder Martinskirche und an vierzehn weiteren Orten hessenweit Kritiker und Publikum gleichermaßen begeisterte. „Die Festspiele sind keine Einbahnstraße. Wir kommen auch zum Publikum", betont Freytag.

„Bad Hersfeld müsste Bad Herzfeld heißen"

Zu Gast war auch Walter Reynolds, der mit „Ol Man River" den Ohrwurm der diesjährigen Festspiele gesungen hat. Er äußerte sich zum Thema Rassismus in „Show-Boat" und ist sich sicher: „Das ist eine Produktion wie keine andere. Die könnte man so nie in den USA machen wegen der Wahrheit". Ein Kompliment für die Bevölkerung gab es auch, weil er sich vor Ort so gut aufgenommen gefühlt hat und inzwischen weiß, wenn man das Gesagte ehrlich meint: „Bad Hersfeld müsste Bad Herzfeld heißen".

Natürlich wurde auch die wirtschaftliche Bedeutung der Festspiele für die Stadt angesprochen, die vom Hotelier und gleichzeitig Vorsitzenden des Stadtmarketingvereins, Achim Kniese, mit statistischen Zahlen unterlegt wurde. Seine Kernaussage lautet: „Am Ende sind es auch betriebswirtschaftliche Zahlen, die den Erfolg der Festspiele mitbestimmen". Während Guido Spohr und Hans Hageneuer den Umweltschutz rund um die Festspiele im wahrsten Sinne des Wortes beleuchteten, stand natürlich eine ganz andere Frage im Vordergrund. „Wie sehen die Festspiele der Zukunft aus"? Dabei geht es vor allem um die Bemühungen, Schauspiel, Oper und Musical „unter ein Dach zu bringen".

"Diskussionen sollten nicht auf dem offenen Markt ausgetragen werden"

„Der Vertrag mit dem Arbeitskreis für Musik knebelt die Festspiele", berichtet Holk Freytag und verweist auf die durchdachten Anstöße von dem Vorsitzenden der Freunde der Stiftsruine, Helgo Hahn, die Oper einzubinden. Erster Stadtrat Rolf Göbel gibt zu: „Wir sind hier erst am Anfang des Weges. Die Diskussion sollten wir nicht auf dem offenen Markt führen, dann ist sie schon verloren". Er dankte Holk Freytag für eine fantastische Saison mit einem hochrangig ausgerichteten Spielplan. „Die Diskussion im Vorfeld war nicht fruchtbar. Zurückhaltung üben, um zu sehen, was auf der Bühne aus den Stücken gemacht wird", empfiehlt er für die Zukunft.

Bei den künftigen Stücken wird Holk Freytag weiter auf hohe Qualität setzen, denn der Reiz für die Gäste, wiederzukommen, verbindet sich damit. Dabei setzt er bei der Auswahl der Regisseure und musikalischen Leiter auf Kontinuität. Holk Freytag würdigt das finanzielle Engagement der Stadt, der es gelungen ist, die Festspiele 63 Jahre lang zu halten. Die genauen Zahlen der diesjährigen Festspielsaison kennt der Intendant noch nicht, will es aber Bürgermeister Thomas Fehling überlassen, die Bilanz zu veröffentlichen. Der Spielplan für die Festspielsaison 2013/14 wird Anfang bis Mitte September der interessierten Bevölkerung präsentiert. (Gudrun Schmidl) +++


Gutschein für zwei Kugeln Eis. Eine nette Idee von Markus Pfromm.

Stephan Schad (links) und Charlotte Puder berichten über ihre Eindrücke rund um die Inszenierung von „Nathan, der Weise“.


Walter Reynolds war gern in Bad Herzfeld. Die Herzlichkeit der Bevölkerung lobte er ganz besonders

Dr. Rolf Göbel (2.v.li) freut sich, dass die Bad Hersfelder Festspiele „absolut an der Spitze stehen“. Im Bild ganz rechts: Achim Kniese

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