Dr. Markus Miller, Direktor von Schloss Fasanerie lobt den Fortgang der Sanierung.

19.08.13 - EICHENZELL

"Nicht mehr so ein trauriges Gefühl" - Schloss Fasanerie macht sich

„Am besten ist es für den Denkmalpfleger, wenn Besucher sagen: Hier sieht man ja gar nichts" - dann wurde alles richtig gemacht", urteilt der hessische Landeskonservator Prof. Gerd Weiß über die Sanierungs- und Restaurierungsfortschritte im großen Antikensaal von Schloss Fasanerie. Während die „erhellenden" Veränderungen an der Fassade an Hessens schönstem Lustschloss schon weithin sichtbar sind, kann der Laie im Inneren nur ahnen, wie viel Arbeit in den großen Sälen, an Decken, Gemälden bis zu den Fußböden tatsächlich schon geleistet wurde. „Ihnen vom Wert dieses Schatzes erzählen zu wollen, hieße Eulen nach Fulda tragen", befand Prof. Weiß beim heutigen Presserundgang über das Barockensemble.

Schon vor vier Jahren wurde mit den umfassenden Restaurierungsarbeiten begonnen – und bis die letzte goldene Ananas auf dem sanierten Dach wieder an ihrem Platz ist, werden noch wenigstens zwei weitere Jahre ins Land gehen. Die umfassenden Instandsetzungsmaßnahmen konnten nicht länger warten, nachdem man massive Schäden an der Bausubstanz festgestellt hatte. Von abgesenkten Decken, die einzustürzen drohten bis zu vom Schwamm befallenen Wänden reichte die Mängelliste nach der Bestandsaufnahme. Glücklicherweise herrscht über die Bedeutung des denkmalgeschützten Ensembles von Schloss und Park Fasanerie Einigkeit bei Bund und Land. So wurde es vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Frühjahr 2009 als „unbewegliches Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung" anerkannt. Und das ohne längere Debatte – wie sonst üblich, plauderte Prof. Weiß aus dem Nähkästchen.

Verbunden mit dieser Anerkennung war eine Förderzusage von Bund und Land für eine großangelegte Sanierung des Baudenkmals in insgesamt sieben Bauabschnitten. Fünf davon sind bereits bewältigt, zur Zeit ist der Südflügel in Arbeit. Die Kosten wurden „vorsichtig" mit rund 7,5 Millionen Euro veranschlagt. Je ein Drittel davon tragen Bund, Land und die Kulturstiftung des Hauses Hessen. Sowohl bei der veranschlagten Sanierungsdauer als auch bei den angenommenen Kosten sei aber mit einem „Mehr" zu rechnen, waren sich alle Verantwortlichen einig. Restauratorische Maßnahmen seien nun einmal schwer zu kalkulieren, die Schadensbilder seien sehr unterschiedlich und meist nicht von außen einzuschätzen. Die Mehrkosten lägen aber immer noch im Rahmen. „Wir haben es hier nicht mit einer Elb-Philharmonie zu tun", beruhigte Donatus, Landgraf von Hessen als Hausherr.

Die gebotene Sorgfalt der Arbeiten koste Zeit, aber Geduld und Gelassenheit sei besser als die strikte Einhaltung eines Zeitplans, betonte Prof. Weiß. Das „neue" Innere des Schlosses zeige die Behutsamkeit und Wertschätzung bei den Ausführenden. „Wir wollen nichts „in neuem Glanz erstrahlen lassen", sondern die Substanz mit ihrer Patina erhalten", ergänzte Dr. Markus Miller. „Wir leben mit gewissen Rissen und Makeln." Das lässt sich bei einer solchen Groß- und Dauerbaustelle auch gar nicht vermeiden. "Man hat aber nicht mehr so ein trauriges Gefühl wie bei anderen Schlössern", konstatierte Donatus.

Der Fuldaer CDU-Bundestagsabgeordneter Michael Brand sprach hinsichtlich der historischen Substanz von einem Juwel und einer Perle, deren Glanz weit über die Region hinaus strahle. Die Investition in die erhaltenden Maßnahmen seien gut angelegt, nicht um vergoldete Klinken gehe es hier, sondern um eine notwendige Gemeinschaftsleistung für ein Kulturdenkmal. Die Einsicht in die Notwendigkeit der umfassenden und teuren Maßnahme sei auch in der Bevölkerung weithin vorhanden, waren sich die Denkmalpfleger einig. Das zeige unter anderem die allgemeine Akzeptanz der veränderten Fassade. Das bisher gewohnte Ockergelb von Schloss Fasanerie war in den 1970er Jahren den Barockbauten Fuldas zuliebe über das ursprüngliche gebrochene Weiß aufgebracht worden - jetzt strahlen die Schlossmauern wieder wie einst vom Bauherrn gedacht. Die allermeisten Reaktionen auf diese Veränderung seien rundweg positiv, erklärte Dr. Miller .+++Carla Ihle-Becker


Prof. Gerd Weiß, Landeskonservator und Präsident des hessischen Landesamtes für Denkmalpflege will keine "Eulen nach Fulda tragen"

Auch bauleitender Architekt Manfred Reith (links) und CDU-MdB Michael Brand nahmen die Sanierung in Augenschein.



Verhüllte Fassaden, hinter denen eifrig gearbeitet wird.


Hausherr Donatus, Landgraf von Hessen

Der Turm der Schlosskirche ist bereits fertig gestellt - hier ist der Unterschied von alter Fassade links gegen weißen Anstrich rechts gut zu erkennen.











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