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Da ist das Wetter Nebensache

Die Promi Truppe mit Altlandrat Karl Eyerkaufer. - Fotos: Dietmar Kelkel

09.09.13 - KINZIGTAL

Regnerischer Radlersonntag: 21. "Kinzigtal total" mit starker Liegerad-Fraktion

Der Radlersonntag hat seinen Reiz noch lange nicht eingebüßt. Zumindest für die Hartgesottenen. Doch durch den vielen Regen am Vormittag nutzten nur mehrere Zehntausende die autofreien Straßen zwischen Sinntal und Maintal, waren es im Vorjahr bei Kaiserwetter fünfmal so viel. Vor allem die Inliner gaben "Kinzigtag total" und den 80 Vereine mit rund 3.000 ehrenamtlichen Helfern, die die Gäste auf den 80 Kilometern entlang der Kinzig beim "längsten ’Straßenfest Hessens" verpflegen wollten, einen Korb. „Heute trifft die alte Radfahrer-Weisheit wohl zu, die besagt: ’Wenn die Radfahrer morgens aus dem Bett schauen und es regnet, drehen sie sich wieder um", befürchtete Wolfgang Lotz, Radfahr-Abteilungsleiter beim TV Schlüchtern.

Als Landrat Erich Pipa am Sonntagmorgen um 9 Uhr in Sterbfritz den Startschuss zu der Großveranstaltung gab - sich bei den vielen ehrenamtlichen Helfern bedankte und das Land kritisierte, dass der Kreis für die Straßensperrung zahlen müsse – und die Promi-Kolonne Richtung Schlüchtern rollte, waren die wahren Helden von Kinzigtal total wie Claus-Peter Walther aus Hanau und Hans-Jürgen Franz aus Dörnigheim schon längst unterwegs. Seit über 15 Jahren fahren sie tags zuvor mit dem Rad nach Sterbfritz und verbringen die Nacht im Matratzenlager der Sterbfritzer Feuerwehr. Bereits zum 17. Mal ist Claus-Peter Walther dabei. „Ich fahre in der Woche regelmäßig gut fünfzig Kilometer Rad und freue mich jedes Jahr auf das Wiedersehen der Wiederholungstäter, mit denen ich mehr als ein Dutzend Grillfeste vor dem Radlersonntag bei der Feuerwehr verbracht habe."

Diesmal war nur Hans-Jürgen Franz von der alten Garde dabei. Der 55-Jährige kann sich ein Leben ohne Rad nicht vorstellen. „ Das bisschen Regen, das angekündigt wurde, kann mich nicht abhalten, die 80 Kilometer durchzufahren. Ich radle täglich von Dörnigheim nach Sachsenhausen zur Arbeit. Kinzigtal total ist für mich immer was ganz besonderes geblieben." Das Matratzenlager der Freiwilligen Feuerwehr Sterbfritz gibt es übrigens so lange, wie es den Radlersonntag gibt. „Leider hatten wir in diesem Jahr ein paar Absagen aus dem Frankfurter Raum. Meist aus gesundheitlichen Gründen und wegen der Wetterprognose", berichtete Vorsitzender Andreas Maienschein.

So übernachteten diesmal nur 30 Radler im Ort an der Kinzigquelle. Einer davon war Peter Noll aus Gelhausen, der auf seinem gelben Leiba-X-Stream Velomobil auf der Strecke für Aufsehen sorgt. Doch Noll, der zum vierten Mal dabei ist, ist nicht der einzige Velolmobilist im Matratzenlager. Sechs Freunde und Bekannte bauen ebenfalls auf das muskelkraftbetriebene Fahrzeug, das aus Liegerädern entwickelt wird. „Die Strecke ist einfach optimal", so der Gelnhäuser.

Die 80 Kilometer von der Kinzigquelle bis zur Mündung in den Main gehörten diesmal den gestandenen Radfahrern wie Jürgen Nowak aus Hanau, der seine 20. Tour bestritt. „Es ist doch besser zu fahren, als wenn es brütend heiß ist." So sah es auch Siegfried Hebenstreit aus Büdingen: „Wo kann man sonst noch mitten auf der Straße fahren?" Und eine Steinauerin resumierte: „Heute sind nur die echten Radler unterwegs. Das Treibholz bleibt daheim." Als sich dann vereinzelt die Sonne zeigte, belebten auch Familien mit ihren Kindern die Straßen. Und Altlandrat Karl Eyerkaufer, der alle Radsonntage durch gefahren ist, sollte Recht behalten, als er beim ersten Stopp in Schlüchtern versprach: „Wir kommen durch." Nach und nach fühlten sich die Gassen mit Radfahrer und in Wächtersbach und Gelnhausen war schließlich dann doch noch einiges los.

Für kulturinteressierte Radler gab es im Kinzigtal ein facettenreiches Angebot. Auf Burg Brandenstein stieg ein Burgfest mit kostenlosen Führungen durch das Holzgeräte- und Siebold-Museum. Beim Schlossfest in Bad Soden gab die Caravan Bigband ein flottes Konzert. Auf dem historischen Marktplatz in Wächtersbach sorgte das 31. Altstadtfest für Staus und gute Stimmung. Im Schloss Wirtheim spielte „Maikel the frog groß" auf. Im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen bestritten die Gelnhäuser Vereine ein buntes Programm. Beim Bauer Würfl in Lieblos kredenzten die Landfrauen Vesper mit Fleischwurst. Im Schlosspark Langenselbold präsentierten sich die heimischen Vereine und in Hanau startete das Bürgerfest auf den Mainweisen durch. (Dietmar Kelkel) +++


Start in Sinntal-Sterbfritz

Drei Hanauer auf dem Weg von Steinau nach Hause


Nur wenige Familien waren unterwegs

Regenbekleidung war heute Pflicht.


Reichlich Platz für Kunststücke auf dem Rad.

Velomobilisten auf dem Vormarsch



Dauergäste im Matratzenlager


Landrat Erich Pipa (Mitte) preist die T-Shirts mit dem Logo „M-net Kinzigtal Total“ an.

Buntes Treiben am Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen

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