17.09.13 - FULDA

Wieder Kult im Keller: Die Song & Danceman Band .... "mit Blut bezahlen!"

Der Mann muss 150 Jahre alt sein. Seine Augen brennen. Aus seinen Nasenflügeln strömt Rauch! Bob Dylan ist diesem Mann im Zug begegnet, irgendwo auf der Fahrt von Mexico nach San Diego. Aus dieser Begegnung entstand ein Lied: „Senor – Tales Of Yankee Power". Unheimlich, mysteriös. Wie Nebel wabern nun Klänge und Geigentöne durch den Kulturkeller, weit entfernte Gitarren sind dabei. Und – sind das Sirenengesänge in einer uns nicht verständlichen Sprache? Dann nimmt der Song Fahrt auf. Richtige Frauen singen. Erzählen „Tales Of Yankee" Power. Mit dem Höhepunkt der „Zugladung voller Narren, die in einem Magnetfeld verschwindet".

Mein Gott, wer schreibt solche Lieder? Bob Dylan! Und wer bringt so was auf die Bühne? Die Song And Danceman Band. Nach dem „Senor" kommt „Quinn The Eskimo". Aber „The Mighty Quinn" scheint auch auf Besuch in Mexico zu sein. Menschen, die das Lied eigentlich nicht mögen, singen in der ersten Reihe mit. Mit der Santana-Gitarre und dem Latin-Beat geht der Quinn ins Ohr. Und ins Herz. Wie „Forever Young". Ist das auch von Bob Dylan? Ja logisch. Jetzt kommt plötzlich eine Soulnummer. Der Text aber, den kennt man doch irgendwie?! Und ja, zum Refrain ist auch bei Anfängern der Song & Danceman Band Konzerte der Groschen gefallen: Das ist „Blowin In The Wind"!

Die Laien im Publikum freuen sich natürlich über die Klassiker. „Highway 61" kommt wie ein Erdbeben. Am Ende gibt es auch noch „Knockin’ On Heavens Door". Der junge Leo Schmidt singt auch eine Strophe mit und der Saal alle Refrains. Die Dylan-Kenner im Keller aber warten auf die Spezialitäten. Ich auf der Bühne bin nervös: „Jesus Is The One" – der deutscheste aller Dylan-Songs. In 50 Jahren live auf der Bühne (Bob Dylan spielt tatsächlich schon seit einem halben Jahrhundert live!) hat der Meister selbst diesen Song insgesamt nur zehn Mal gespielt. Davon vier Mal in Deutschland, alle im Sommer 1981. Seitdem ist „Jesus Is The One" in den Tiefen der Musikarchive und der Erinnerung verschwunden. Heute Abend hält er Auferstehung. Nur ein einziger Akkord. Der ganze Song hält sich fest an einem trockenen Gitarrenriff. Bass und Schlagzeug treiben den Mississippi-Dampfer über den breiten Fluss. In der ersten Reihe große Augen. Mehr ist vom Publikum eh nicht zu sehen. Es klappt! Mann, Mann, Mann. Super Publikum.

Und noch eins: Woodstock! Das Konzert war bei Bob Dylan um die Ecke. Dylan wohnte dort in der Gegend. Er selbst aber war beim Konzert nicht dabei. Seine Lieder schon. Einige Dylan-Songs wurden damals sogar mehrfach gespielt. Ein Woodstock-Song ist „Just Like A Woman". Im Publikum in Fulda jubelt nun eine Dame: Sie WAR DAMALS in Woodstock. Und hört jetzt „Just Like A Woman" im Kulturkeller in Fulda. Was sind denn das wieder für Geschichten!

Der Abend läuft. Und strebt seinem Höhepunkt entgegen. Mit 70 Jahren hat Bob Dylan im letzten Jahr eine neue Platte veröffentlicht. „Tempest" ist der Titel, „Sturm". Die Scheibe hat natürlich die Verkaufslisten gestürmt. Nummer eins in Deutschland, wenn auch nur für eine Woche. Alle Welt redet von dem viertelstündigen Titel-Stück über die Titanic. In Strophe über Strophe gehen hier das Schiff, die moderne Welt und all unsere Hoffnungen unter. Kaum einer aber redet von „Pay In Blood". Heute Abend schon. „I pay in blood – but not my own". Wir haben das Stück ganz ans Ende gestellt. Stefan Wagner, der neue zusätzliche permanente Gastmusiker, hat sich von Anfang an in diesen Song verliebt. Er ist in ihn hinein gestiegen, hat ihn aufgesaugt und nicht verstanden. Er hat in ihm gebadet und lebt in nun zum Ende des Konzerts. „I could stone you to death for the wrongs that you done". Was für Zeilen! "Je mehr ich nehme, desto mehr gebe ich. Je mehr ich sterbe, desto mehr lebe ich". Ovid steckt in diesem Lied. Und das alte Amerika und das Alte Testament. Die Leidenschaft der Jugend und der trübe Blick des Alters. Offene Münder sehe ich bei denen, die den Song hören. Kalte Schauer spüre ich selbst am Rücken. Meine Güte. Wir dürfen das hier vortragen! Ein Wahnsinn.

Zugabe, Applaus, Auf Wiedersehen. „Fabelhaft" heißt es in einer Mail am nächsten Morgen, danke für den Abend in einer anderen, und ein dritter will sogar hier und da geweint haben. Dann hat es sich ja gelohnt. Aber! Wir bauen alles selber auf. Ok. Wir verkaufen die Hälfte der Karten selbst. Auch gut. Die Kerzen auf den Tischchen haben die Sängerinnen selbst mitgebracht, drapiert und angezündet. Was macht man halt nicht alles. Jetzt schreibe ich sogar die Konzertkritik selbst. Wenn wir nächstens auch noch selbst im Publikum sitzen müssen, dann hören wir auf. Echt! (Hermann Diel)

Die „Song & Danceman Band" ist ein Projekt. Ein Dylanologe hat hier echte Musiker zu einer Band begeistert und genötigt. Mit dabei sind Dagmar „Mara" Wortberg, Jutta Diel, Martin Günzel, Ralf Thomas, Uli Mayer und Hermann Diel sowie als permanente Gastmusiker Juliane Jorden und Stefan Wagner. Das Projekt läuft bereits über eine Dekade. Manche meinen, das wäre eine dufte Sache. Wer es selber wissen will, der kauft das Album „Pictures Of Dylan" (beim Bilder-Fuchs oder beim Amazon) UND der kommt am Samstag, 30. November 2013 in die Alte Piesel nach Dirlos, zum Benefiz-Konzert für das Antoniusheim.+++









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