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NACHGEDACHT (38)

29.09.13 - „Wir feiern das, was wir sonst nie feiern. Wir feiern das Hier und Jetzt, das „Jetzt-erst-recht". Wir feiern, was wir oft übersehen, das „Immer-wieder" und das „Morgen-nochmal". Wir feiern mit Ihnen den wichtigsten Tag, den es gibt: den Alltag." Das ist doch mal ein Werbeslogan. Zurzeit läuft genau dieser für einen großen Lebensmittel-Discounter. Eigentlich mag ich solche Werbestrategien nicht – aber diese hat mich schon überzeugt, weil sie etwas Neues in sich trägt. Ein neuer Gedanke – den Alltag zu feiern. Denn wenn man mal etwas feiert, dann zumeist nur mit Anlass: Tage, die eben nicht alltäglich sind, Tage, an denen man glücklich ist.

Sich jedoch genau einmal das zu Herzen nehmen, was uns da gesagt wird, erscheint mir richtig. Wie oft kommt man abends müde und geschafft zu Hause an, wie oft muss man putzen, Wäsche waschen, einkaufen, kochen – eben immer wieder dasselbe tun. Endlosschleife würden es die meisten nennen. Aber: In dieser Alltäglichkeit ist noch viel mehr als nur Langeweile und Tristesse zu finden. Ein Alltag hat auch etwas Gutes: Er ist beständig und gibt Kontrolle über das Leben. Klar sind außergewöhnliche Feierlichkeiten spannender. Aber es ist ja nicht so, dass der Alltag immer nur von schönen Dingen wie Geburtstagen oder ähnlichem unterbrochen wird. Es gibt auch Ereignisse, die den Alltag unterbrechen und uns traurig machen.

Deswegen erscheint es mir sinnvoll, auch mal abends nach einem „alltäglichen" Tag zu sagen: „Schön, heute war es zwar wie immer, aber es geht mir auch immer noch gut. Mir ist nichts Schlimmes passiert." Das ist ein Freuen über das, was man hat. Denn in dem Moment, in dem alles in Ordnung ist, realisiert man zumeist nicht seine schöne Lage. Wie oft denke ich, wenn ich krank bin: „Man, es ist so schön, gesund zu sein. Ich genieße das viel zu wenig, eine freie Nase und keinen Husten zu haben."

Besonders schön finde ich in dem Werbeslogan „Wir feiern das, was wir oft übersehen." Ohja, wir Menschen übersehen so einiges. Oft übersehen wir auch unsere Mitmenschen – besonders diejenigen, die wir als „alltäglich" wahrnehmen. Das ist wirklich schade, denn sie gehen den „langweiligen" Alltag mit uns, stehen auch so einiges mit uns durch. Genau diese sollte man nicht als selbstverständlich ansehen und vielleicht einmal einladen, zusammen Alltag zu feiern. +++

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ZUR PERSON: Christina Leinweber, 1988 geboren in der osthessischen Bischofsstadt Fulda, neun Jahre katholisch-private Schulausbildung – so war der Weg zum Theologiestudium für sie vorbestimmt und beschlossen. Es ging dann für vier Jahre Studium in die nächste Bischofsstadt Paderborn - inzwischen hat sie ihr 1. Staatsexamen in der Tasche. Gleichzeitig ist sie Mitarbeiterin bei osthessen-news.de, bezeichnet sich selbst als liberal-theologisch und kommentiert (seit 38 Wochen) in der neuen Serie "NACHGEDACHT" Dinge des Alltags aus ihrer persönlichen Sicht. +++


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