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NACHGEDACHT (40)

13.10.13 - Da hat ein gewisser Herr Tebartz van Elst aber letzte Woche viele Menschen „beeindruckt" – nicht „nur" zehn Millionen, sondern satte 31 Millionen hat sein Amtssitz bereits an Geldsummen verschluckt. Was ist denn da los in Limburg? Zählen dort etwa nicht mehr die wichtigsten, nicht kaufbaren Dinge wie Glauben, Demut und Liebe – sondern Prunk und Materialismus? Alle Einzelheiten und Meinungen zu diesem Fall hier darzulegen, erscheint mir unermüdlich. Außerdem ist der Bischof schon auf dem Weg zum Papst nach Rom (aktueller Stand: Samstagnachmittag). Diese Angelegenheit sollte auch der Chef persönlich lösen. Lieber möchte ich heute auf das Thema „Materialismus" – eine Lebenseinstellung, die nach materiellem Besitz und Wohlstand strebt - zu sprechen kommen – Herr Tebartz van Elst hat lediglich meine Gedanken dazu inspiriert.

Oftmals wird uns gesagt: „Das Wichtigste im Leben kann man nicht kaufen. Man bekommt es geschenkt – Liebe, Gesundheit, Glück." Das stimmt. All dies sind Geschenke von großem Wert - unbezahlbar - nicht käuflich. Dennoch glaube ich, dass man aber auch - neben diesen nicht greifbaren Dingen - ein paar "Sachen" braucht. Eine reine Absage an den Materialismus halte ich für falsch und nicht menschlich. 

Menschen sind sinnlich geschaffen – das heißt sie sind mit fünf Sinnen ausgestattet: Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Tasten. Dann ist doch eigentlich klar, dass wir uns gerne mit Dingen umgeben, die unsere Sinne befriedigen: Dinge, die „schön anzuschauen" sind wie ein Kunstgemälde, die gut riechen wie Parfüms, die gut schmecken wie allerlei Lebensmittel, die sich gut anhören wie die Platte der Lieblingsgruppe, die sich gut anfühlen wie wohlige Kleidung. Also brauchen wir allein um all unseren fünf Sinnen gerecht zu werden, ganz schön viele Dinge. Somit ist der Materialismus eines Menschen quasi hausgemacht. Wir sind dazu angelegt, Sachen anzuhäufen, zu besitzen.

Ich denke, dass es per se nicht verwerflich ist, manche Dinge oder materialistischen Gegenstände gern zu haben. Man bedenke: Wenn man etwa fünf Jahre damit beschäftigt ist, ein Auto zu restaurieren und es dann endlich fertig ist, verbindet man mit diesem Auto Zeit, Geduld, Arbeit und Hingabe. Dann wird daraus nicht nur ein Gegenstand, sondern das Auto steht für einen Lebensabschnitt. Oder ich richte mir meine Wohnung mit schönen Möbeln ein, weil ich hier Geborgenheit suche, einen Rückzugsort. Oder ein schönes Gemälde an der Wand - das kann mir Freude bereiten und ein Glücksgefühl hervorrufen. Demnach können - auch Gegenstände - Lebensqualität geben.

Brenzlich wird es jedoch dann, wenn nur noch Dinge zählen und nichts anderes mehr. Der Konsum quasi überhand nimmt. Zu viel ist eben zu viel. Und das sollte jetzt nicht nur ein Seitenhieb auf den Bischof sein. Nicht umsonst sprechen wir heute über uns selbst von einer Konsumgesellschaft. Scheinbar zählt nur noch das, was man besitzt und wie viel davon. Also: Wir müssen aufpassen, dass der Konsum uns nicht auffrisst. Wir müssen die Dinge zu schätzen lernen, die wir haben. Und wir sollten wissen, dass wir zwar Dinge brauchen und auch gern haben dürfen, aber genauso auch die Menschen um uns herum sowie nicht bezahlbare Güter wie Gesundheit, Glauben und Liebe ein Leben ausmachen. +++

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ZUR PERSON: Christina Leinweber, 1988 geboren in der osthessischen Bischofsstadt Fulda, neun Jahre katholisch-private Schulausbildung – so war der Weg zum Theologiestudium für sie vorbestimmt und beschlossen. Es ging dann für vier Jahre Studium in die nächste Bischofsstadt Paderborn - inzwischen hat sie ihr 1. Staatsexamen in der Tasche. Gleichzeitig ist sie Mitarbeiterin bei osthessen-news.de, bezeichnet sich selbst als liberal-theologisch und kommentiert (seit 40 Wochen) in der neuen Serie "NACHGEDACHT" Dinge des Alltags aus ihrer persönlichen Sicht. +++


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