FULDA
Nachwuchsarbeit als Kapital
Ziel des TSV Lehnerz für 2014: Klassenerhalt
05.12.13 - Hinter dem TSV Lehnerz liegt ein Jahr der Superlative: Allen drei Senioren-Teams gelang die Meisterschaft in ihren Ligen – die Erste des TSV schloss mit Osthessens Top-Clubs auf und schaffte souverän den Aufstieg in die Hessenliga. Nach der Hinrunde 2013/2014 steht man jetzt gefestigt im Mittelfeld der höchsten Fußballklasse Hessens und darf sich die "Osthessische Nummer Eins" im Fußball nennen. Aber wo soll die Reise des TSV Lehnerz zukünftig hingehen?
"Wir haben gute, junge und vor allem regionale Spieler verpflichtet, um das maximale aus dem Fußball in Osthessen herauszuholen", sagte Michael Hamperl während eines Exklusiv-Gesprächs mit osthessen-news.de. "Wir haben festgestellt, dass aus einer guten Nachwuchsarbeit zu schöpfen, besser und günstiger ist und dass so ein Bezug zu den Spielern entsteht." Man wollte ein Zeichen in der Region setzen und den osthessischen Fußball für Zuschauer attraktiver machen. Aber: "Man muss auch seine Grenzen kennen." Der Fokus liege immer auf den Spieler. Sie alle seien motiviert und engagiert - pro Woche widme ein Hessenliga-Spieler mindestens 15 Stunden dem Fußball. Und dabei verzichtet er auch auf die ein oder andere Party am Wochenende.
Über den Durchmarsch in die Regionalliga denkt man am Eisweiher momentan nicht nach. Das Saisonziel lautet: Klassenerhalt. Ist dieser gesichert, will man sich im Mittelfeld der Tabelle etablieren. "Der Aufstieg in die Regionalliga würde einen unfassbar großen Mehraufwand fordern, der ohne einen überregionalen Sponsor kaum zu stemmen sein wird", sagte Martin Geisendörfer - er ist seit 24 Jahren tragende Säule und Motor im Vereinsmanagement, sein Vater hat den TSV mit gegründet. Konkret heißt Regionalliga: alleine Reise- und Übernachtungskosten im sechsstelligen Bereich. "Die Kosten würden explodieren." Dennoch scheinen die beiden Chefs der Fußballabteilung nicht abgeneigt.
"Wir haben mit dem JFV Viktoria Fulda eine hervorragende Jugendarbeit. Ein goldener Jahrgang und plötzlich sind wir aufgestiegen", prophezeite Geisendörfer mit einem Lächeln. Dann sei aber ein Durchmarsch mit allen Mitteln in die dritte Liga nötig, da man die Regionalliga als "Pleiteliga" bezeichne, machte Hamperl deutlich. "Wenn sich Möglichkeiten ergeben - wieso nicht?"
Doch das ist alles Zukunftsmusik: Im Moment stehe man fußballerisch, organisatorisch mit einem sechsköpfigen Vorstand, aber auch finanziell gut da. "Wir haben 200 Sponsoren - 20 davon lassen sich als Hauptsponsoren bezeichnen und investieren einen höheren vierstelligen Betrag in den TSV", zählte Geisendörfer auf. Die Basis des Kaders stimme, auch die zweite Mannschaft sorge in der Verbandsliga als Tabellenführer für Furore. "Deshalb planen wir auch keine Veränderungen. Wir haben in der Zweiten gute junge und hungrige Kicker, die schon bald Hessenliga-Niveau haben", freute sich Hamperl auf die "Jungen Wilden" - die Nachrücker.
Das Fundament für eine rosige Zukunft ist also gelegt: Die Seniorenteams stehen gut da, die Jugendarbeit gilt als die beste Osthessens und vielleicht finden sich ja in naher Zukunft auch die finanziellen Möglichkeiten, den großen Schritt in den nationalen Fußball zu wagen. Der Region und der Strahlkraft Fuldas wäre es zu wünschen: "Viel wichtiger als Erfolg oder Sponsoren wäre es mir, wenn Fulda unser Herzblut und unsere Leidenschaft noch mehr annehmen würden um als Zuschauer den TSV Lehnerz zu unterstützen." Hamperl sprach von einem "besonderen Kick". Letzte Chance in diesem Jahr: vielleicht am Samstag beim Derby gegen Hünfeld in der Haunestadt - aber nur, wenn das Wetter mitspielt. (JULIUS BÖHM / CHRISTIAN P. STADTFELD). +++ 
Die TSV-Chefs im ON-Interview (v.li.n.re.): Julius Böhm, Christian P. Stadtfeld, Michael Hamperl ... Foto: Martin Angelstein