19.12.13 - Sie sind genervt, verunsichert und gewaltig verärgert. Die Mieter, die in den betroffenen Häuserblocks der Jenaer und Salzunger Straße am Bad Hersfelder Helfersgrund wohnen, wissen nicht mehr ein noch aus. Die Grünflächen und die Außenanlagen rund um die Immobilien werden seit Monaten nicht mehr gepflegt. In den Hausfluren türmen sich Schmutz und Staub. An Schneefall und Eisregen möchten die Bewohner gar nicht erst denken. „Wenn sich in unserem Haus ein Wasserrohrbruch ereignen oder der Strom ausfallen sollte, tritt quasi der Super-GAU ein", schimpft ein Mieter. „Mir ist mittlerweile klar geworden, dass wir im Notfall uns selbst überlassen bleiben, obwohl Monat für Monat ein Teil unserer Miete beispielsweise in die Treppenhausreinigung oder in Hausmeistertätigkeiten fließt."
Hintergrund: Bis Ende September 2012 gehörten die Gebäude in der Jenaer Straße (Hausnummern: 9, 11, 13, 15, 17, 19 und 21) sowie in der Salzunger Straße (Hausnummern: 4, 6, 8, 10, 12, 14, 16, 18, 20 und 22) der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH), die diese zum 1. Oktober des besagten Jahres an die CGH A7 Invest GmbH & Co. KG veräußerte. In einem extrem knappen Schreiben wurde den Mietern am 20. November 2012 seitens der GWH mitgeteilt, wer der neue Eigentümer ist. Mehr als den bloßen Namen des Neubesitzers bekommen die Helfersgründer nicht verkündet. „Ich habe dann gleich mal nach der CGH A7 Invest GmbH & Co. KG gegoogelt und bin auf etwas Dubioses gestoßen: Adresse und Telefonnummer der Firma stimmten nicht überein", erklärt ein langjähriger Mieter. „Während sich die Anschrift auf ein Wohngebiet im südthüringischen Metzels bezieht, führt die Telefonnummer ins 45 Kilometer entfernte Römhild. Typisch Briefkastenfirma, war mein erster Gedanke."
Immerhin seien im GWH-Brief komplette Angaben zum Verwalter der Objekte verzeichnet gewesen. Ansprechpartner für alle Fragen zum Mietverhältnis sei nun die Immobilienservice Kassel GmbH gewesen, die allerdings nach wenigen Monaten, nämlich in diesem Frühsommer, die Zusammenarbeit mit CGH A7 Invest aufkündigte. „Da die CGH A7 ihren Zahlungspflichten an uns nicht nachgekommen ist, haben wir einen Anwalt eingeschaltet und den bestehenden Vertrag aufgelöst", erläutert Joachim Gerhard, Geschäftsführer der Immobilienservice Kassel GmbH. „Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei um reinste Gaunerei, da wir wochenlang unserem Geld hinterherlaufen mussten. Ich kann nur vor den Machenschaften der CGH A7 warnen." Auch ein weiterer Vertragspartner der CGH A7, ein Gebäudedienstleister für Wohn- und Gewerbeimmobilien, ist bereits ausgestiegen. „Wir sind nicht mehr für dieses Unternehmen tätig", bestätigt eine Sprecherin der Immobilien Service Deutschland GmbH, Niederlassung Fulda.
„Neuer Ansprechpartner in Sachen Pflege, Reinigung, Haustechnik, Winter- und Notdienst - so steht es auf einem Aushang in unserem Hausflur geschrieben – ist jetzt ein gewisser Herr Becker, der aber so gut wie gar nicht zu erreichen ist", meint ein aufgebrachter Mieter. In der Tat meldete sich am Ende der Leitung niemand, und nach einer gewissen Zeit wurde der Anruf auf ein Faxgerät umgeleitet. Übrigens ist die Festnetznummer, von den Endziffern abgesehen, identisch mit der Rufnummer der CGH A7 Invest GmbH & Co. KG. Zweiter Versuch auf dem Handy. Die Mailbox schaltete sich ein. „CGH A7, guten Tag. Leider können wir Ihr Gespräch im Augenblick nicht persönlich entgegennehmen... In dringenden Fällen sprechen Sie bitte auf die Mailbox, wir werden Sie dann umgehend zurückrufen", ertönte eine Männerstimme.
„Das ist doch dilettantisch", wettert ein Bewohner des Helfersgrundes. „Wie wollen die denn mit dieser Haltung schnell auf einen Notfall reagieren - und das von Thüringen aus." Außerdem hätten noch nicht einmal alle Parteien die Rufnummern zur Hand, weil die Zettel in den Hausfluren entweder übersehen, abgerissen oder erst gar nicht in allen Häusern verteilt worden seien. „Diese Firma hat es nicht mal für nötig gehalten, uns über den Postweg über die Veränderungen zu informieren", empört sich der Bad Hersfelder weiter. „Stellen Sie sich einmal vor, meine Frau putzt jede Woche den Hausflur, obwohl wir dafür bezahlen." Jetzt wolle er die anstehende Betriebskostenabrechnung abwarten und dann mit seiner Familie entscheiden, „ob wir unseren Anwalt einschalten und ob es nicht besser ist, wenn wir dem Helfersgrund den Rücken kehren".
Auf Anfrage von osthessen-newsde äußert sich eine Mitarbeiterin von der Geschäftsführung der CGH A7 Invest GmbH & Co. KG in folgendem Wortlaut zu den Vorwürfen: „Wir sind seit etwa einem Jahr Eigentümer der betreffenden Wohnanlage. Bei Übernahme einer solchen Liegenschaft gibt es immer eine Übergangsphase, welche auch mit Problemen verbunden sein kann. So haben wir versucht, einen guten, leistungsstarken und kostengünstigen Hausmeisterservice für die Wohnanlage zu finden. Wie die Mieter bestätigen können, waren bereits mehrere Hausmeisterservices an den Häusern eingesetzt. Nach diesem Findungsprozess sind wir nun dazu übergegangen, unsere Anlagen von regionalen Hausmeisterdiensten betreuen zu lassen. Dies sichert regional Arbeitsplätze, die Hausmeister sind kontinuierlich vor Ort und bieten beste Preise, welche sich wiederum in den Nebenkosten bei den Mietern widerspiegeln. Die von Ihnen angesprochene, schlechte Erreichbarkeit ist für uns nicht nachvollziehbar. Hier kann jedoch der Eindruck dadurch entstanden sein, dass der Wohnungsbestand im Wesentlichen von zwei Mitarbeitern betreut wird und durch die Menge der Anfragen nicht immer sofort reagiert werden konnte.
Auch sind aus Effizienzgründen einige Reparaturen nach Standorten und Auftragsart zu bündeln. Ab Januar 2014, zum Teil noch in diesem Jahr, werden wir eine optimale Erreichbarkeit sowie die Versorgung durch Hausmeisterdienste sichergestellt haben. Die Mieterzufriedenheit hat für uns eine sehr hohe Priorität. Wir nehmen Kritik sehr ernst und nehmen diese zum Anlass, allen Mietern Anfang kommenden Jahres ein Rundschreiben mit allen wichtigen Telefonnummern und Email-Adressen zukommen zu lassen, um eine hundertprozentige Erreichbarkeit zu gewährleisten", erklärte die Unternehmenssprecherin. Die Menschen im Helfersgrund hoffen, dass sich dieses Versprechen nicht als Luftblase erweist. (Stefanie Harth) +++