30.04.14 - Die Osterferien sind vorbei und mit ihrem Ende fand auch das toskanische Trainingslager des Lauf- und Leichtathletikzentrums LLZ Rhön-Grabfeld seinen Abschluss. Auch in diesem Jahr traf sich wieder der hoffnungsvolle Leichtathletiknachwuchs der Region mit bekannten Größen der Laufszene zur etwas anderen Freizeitgestaltung.
Statt Ausruhen und Nichtstun stand Sport auf dem Tagesprogramm. Beginnend um 9 Uhr mit der sogenannten Morgenrunde waren die Trainingseinheiten über den ganzen Tag verteilt. Das Feriendorf Principina a Mare nahe der toscanischen Provinzhauptstadt Grosseto, im großen Pinienwald am Meer gelegen, ist seit vielen Jahren zentraler Ausgangspunkt des Ostertrainingslagers. Von hier aus führte die morgendliche Laufeinheit in Richtung des Ortes Marina und durch den Pinienwald zurück zu den Ferienhäusern. Nach dem anschließenden Athletiktraining stand das gemeinsame Frühstück im Hinterhof der kleinen Reihenhausanlage an.
Das Who is Who des Rhöner Nachwuchses
Unter den Sportlern, die seit Jahren von dem Ostheimer Ehepaar Jutta und Eberhard Helm betreut werden, fand sich auch der Querschnitt der hoffnungsvollen Rhöner Nachwuchsläufer ein. Unter anderem saß Katharina Topitsch hier am Tisch, ebenso die Sportlerin des Jahres 2012 und 2013 Maja Betz, Jan Eyring aus Urspringen und auch das große Läufertalent Manuel Stöckert, amtierender Deutscher Meister im Halbmarathon, ließ es sich nicht nehmen, für zwei Wochen nach Principina zu fahren, um bei – für Rhöner Verhältnisse – sommerlichen Temperaturen mit den anderen zu trainieren. Manuels Trainingseinheiten unterschieden sich natürlich deutlichen von denen der Jüngeren, denn sein nächstes Ziel ist der Marathon am 4. Mai in Hamburg. Dieses Mal hat er seine Trainingsläufe hauptsächlich in der Ebene der Maremma absolviert, aber bei einem seiner nächsten Besuche wird er versuchen, in der wunderbaren Hügellandschaft des Hinterlandes zu laufen, von der die Radsportler bei ihrer Rückkehr immer schwärmten und tolle Fotos zeigten.
Trainieren und trainiert werden
Seit zehn Jahren ist Sven Perleth dabei, der seine Leidenschaft für den Sport zum Beruf gemacht hat und sein Studium des Sportmanagements demnächst mit dem „Master" abschließen wird. Er hat im Laufe der Jahre quasi die Seiten gewechselt, vom Trainierenden zum Trainer. Er betreute z. B. einige Trainingseinheiten im unbekannten Gelände, in dem die Sportler nach Vorgaben ihre eigene Strecke finden mussten und so Gelerntes in die Praxis des selbstständigen Laufens umsetzen mussten. Eine seiner Hauptaufgaben bestand im Athletiktraining, für den Außenstehenden am besten als eine Art von schweißtreibenden Gymnastikübungen zu beschreiben. Außerdem bekochte er seine Wohngruppe und wurde dafür immer sehr gelobt.
Ebenso wie Perleth studiert mittlerweile Simona Greier mit viel Freude Sportmanagement, auch sie kommt, wenn es ihr möglich ist, während der Osterferien gerne zum Training nach Principina.Begeisterung geweckt: Markus Bach
Trotz seines Alters von 33 Jahren ein Neuling im italienischen Trainingslager, freute sich der gebürtige Stockheimer Markus Bach zu ersten Male an dieser Freizeit teilnehmen zu können. Er gehört zwar nicht zu den geförderten Jugendlichen, hatte aber einen riesigen Spaß am gemeinsamen Training. „Das war ein richtig cooler Urlaub für mich, die ganze Zeit über Sport treiben, so stelle ich mir das idealerweise vor", urteilt der leidenschaftliche Sportler am Ende seines Aufenthaltes in der Toscana. Seit Jahren ist er mit der Ostheimer Familie Helm gut befreundet und ganz kurzfristig entschied er sich, dieses Jahr mit ihnen und den Jugendlichen über Ostern nach Italien zu fahren.
Seit einem Jahr lebt und arbeitet Markus in der Schweiz und kommt aufgrund seines Jobs viel im Land herum. In seinem Auto hat Markus immer Rad und Laufschuhe dabei und trainiert so oft sich die Möglichkeit bietet. Sein großes Ziel ist die Ironman-Distanz 2015 in Roth, für dieses Jahr hat er sich vorgenommen, fünf Triathlonwettkämpfe zu bestreiten. Rhöner Veranstaltungen wie die Bimbacher Radrundfahrt oder der Brender Kuppenritt gehören schon fast zum Pflichtprogramm, ein Schweizer Radmarathon und die Wohltätigkeitsveranstaltung „Race again cancer" im Sommer am Gotthard-Pass sind noch einige seiner Ziele.
„Ich habe einfach Spaß am Sport", strahlt der braungebrannte Sportler. Wenn er in der Rhön weilt, trainiert er manchmal mit Manuel Stöckert und richtet seine Besuche oft nach den Veranstaltungsterminen des Rhön-Grabfeld-Cups, einer Laufserie des LLZ. Am Trainingslager des LLZ schätzte Markus die Mischung der Teilnehmer, jüngere und ältere liefen gemeinsam. Die Morgenrunde versuchte man immer in der Gruppe zu laufen, danach trainierten die Sportler individuell nach ihren Ansprüchen. Markus machte Radtouren mit „ordentlich vielen Höhenmetern" und genoss die Landschaftspanoramen der italienischen Region.
Zum Lauf-Tempotraining fuhr er mit den anderen Sportlern zur Bahn der Sportarena nach Grosseto. „Wenn ich kann, komme ich wieder! Trotz des Altersunterschiedes war es eine gute Truppe, ich habe jeden Tag Sport gemacht, halt alles was glücklich macht. Sven hat immer gut gekocht, da war das Leistungsniveau zu halten". Er schätzte auch das „geballte Wissen vor Ort", es gab immer jemanden, der für Fragen zur Verfügung stand. Alle haben gut zusammen gearbeitet und von den Erfahrungen der anderen profitiert. Nach dem Gespräch verabschiedete er sich ziemlich schnell, denn er hatte Spüldienst. Seinen Toscana-Aufenthalt beendete Markus Bach etwas früher, um am Duatlon, organisiert von seinem Heimatverein TSV Stockheim, teilzunehmen. Dass es sich gelohnt hatte, zeigte das Ergebnis, Markus wurde Gesamtvierter.
Sport und mehr
Das LLZ verfolgt mit seinem Ostertrainingslager verschiedene Aspekte neben dem Sport. Hier wird die Sozialkompetenz und die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen gefördert und über die Vereine präventive Jugendarbeit geleistet. Gleichzeitig mit den Jugendlichen aus der Rhön trainieren hier seit Jahren junge Sportler aus Rheinfelden an der Schweizer Grenze. Nicht selten schließen sich die Rheinfeldener der Rhöner Morgenrunde an und auch das Bahntraining führen sie oft gemeinsam durch. Im Laufe der Jahre haben sich Freundschaften zwischen den Sportlern gebildet.
Wohnen und leben im Ferienhaus
Die Wohngruppen im toscanischen Principina bestanden aus vier bis sechs jungen Sportlern. Die Jugendlichen mussten ihre Alltagsaufgaben selbst einteilen und erledigen, ihre Betreuer standen bei Bedarf mit Rat zur Seite. Wenn morgens Müsli auf dem Speiseplan stand, bereiteten sie gemeinsam Obst und Getreideflocken; Einkäufe für Mittag- und Abendessen tätigten sie in Eigenregie. Katharina Topitsch und Maja Betz erzählten, dass sie beide gemeinsam für ihre Wohngruppe kochten. Dafür waren sie immer vom Spülen befreit, wie sie lachend berichteten. Manchmal kochten alle zusammen, gegessen wurde stets gemeinsam.
Sport, Spaß und neue Ziele
Dienstags und donnerstags hatte das LLZ die Sportanlage in Grosseto für einige Stunden am Nachmittag gemietet. Nach den Trainingseinheiten schlossen sich oftmals kleine Ausflüge an, wie etwa zu den heißen Quellen der Therme im etwa 60 km entfernten Petriolo. Jan Eyring war das erste Mal in Pricipina dabei. Er machte nicht viele Worte um seine Eindrücke, die strahlenden Augen sagten genügend aus. Wiederkommen möchte er auf jeden Fall und das Training habe ihm viel gebracht. Auch über sein nächstes Ziel ist er sich schon im Klaren, „beim Halbmarathon in Schweinfurt an die Zeit von 1:30 heran kommen"! Einen ganz wichtigen Tagesordnungspunkt gibt es, den sowohl die jugendlichen als auch die erwachsenen Sportler seit vielen Jahren fest in den Tagesablauf integriert haben: Den Besuch der Eisdiele „La Gelateria Papeete" in Grosseto, wo es, wie von einem Italiener nachdrücklich bestätigt wurde, das beste Eis ganz Italiens gibt. Außer donnerstags, denn da hat die „Papeete" Ruhetag.
Das Leichtathletik-Leistungszentrum (LLZ) ist ein eingetragener Verein im Landkreis Rhön-Grabfeld und Ausrichter des Rhön-Grabfeld-Cups. Das LLZ unterstützt seine Mitgliedsvereine und fördert junge Talente aus dem Landkreis. Es versteht sich als Interessengemeinschaft, die unter anderem Fortbildungen für Trainer und Athleten leitet, Fahrten zu Wettkämpfen und Trainingscamps organisiert. Das LLZ unterstützt die Aktion „Keine Macht den Drogen".
Ohne eine große Anzahl von großzügigen Sponsoren und Gönnern wäre das allerdings nicht möglich. Infos unter www.llz-rhoengrabfeld.de (Barbara Enders)+++